Top Gear – Nought To Sixty ist ein Ritt durch fast ein halbes Jahrhundert automobilen Wahnsinns: von legendären Aufgaben wie dem Bau selbstgemachter Stretchlimousinen, Bungeesprüngen mit einem Rover 114 oder der Zerstörung eines Toyota Hilux bis zu den Abenteuern der berühmten Roadtrips.
Zur Veröffentlichung des Buchs gibt es hier einen exklusiven Auszug, der an jene Zeit erinnert, als Jeremy, James und Richard Amphibienautos bauten ...
Top Gear und der Traum vom Amphibienauto
Wenn irgendein Land das Amphibienauto hätte verwirklichen sollen, dann wohl Grossbritannien. Mit seiner stolzen Seefahrtstradition sowie Tausenden Kilometern Küste, Flüssen, Seen und Kanälen vor der Haustür kann man sich leicht ausmalen, welche Freiheit ein echtes Wasserfahrzeug für abenteuerlustige Fahrer und Segler bieten würde.
Frühere Versuche, ein Auto für das Wasser zu bauen, hatten die Vorstellungskraft des Landes allerdings nie wirklich beflügelt. Grossbritannien brauchte offenbar ein wegweisendes Amphibienauto, das Herzen und Köpfe erobern konnte – ein Fahrzeug, das beweist, dass es nicht nur technisch machbar, sondern tatsächlich begehrenswert ist, sowohl Asphalt als auch Wasser zu bezwingen.
Stattdessen bekam Grossbritannien einen schäbigen, beigen alten Triumph Herald mit einem wackeligen Mast, einen VW-Camper, der sich als Kanalkahn verkleidete, und einen Toyota-Hilux-Pick-up mit Aussenbordmotor. Letzterer funktionierte im Wasser sogar meistens irgendwie – bis zu jenem Moment, in dem er beschloss, spektakulär zu kentern.
Antrieb und Dichtigkeit der Amphibienautos
Wie Jeremy, James und Richard rasch feststellen mussten, gab es beim Bau eines Amphibienautos zwei wesentliche Probleme. Das erste war der Antrieb. James setzte auf gute, altmodische Windkraft. Seine Überlegung: Was für Sir Francis Drake, Sir Walter Raleigh und Captain Jack Sparrow gut genug gewesen war, müsse auch für einen kleinen See in Staffordshire reichen.
Windkraft hat zweifellos zahlreiche Vorteile. Sie ist sauber, umweltfreundlich und braucht keine komplizierte industrielle Technik, um genutzt zu werden. Allerdings bringt Windkraft auch mehrere Nachteile mit sich – besonders dann, wenn man sie auf ein Auto anwenden will. Einer davon ist der Bedarf an einem sehr hohen Mast. Auf offenem Wasser ist das kein Problem, unter niedrigen Eisenbahnbrücken hingegen schon. Ausserdem hat man praktisch keine Kontrolle darüber, wohin man fährt, wenn der Wind nicht weht oder aus der falschen Richtung kommt. Unweigerlich landet man dann mehrere Kilometer vom Kurs entfernt in einem Dickicht aus Schilf.
Richard verband den Dieselmotor seines VW mit einem hinten montierten Propeller. Das wirkte zunächst halbwegs vielversprechend, bis der Propeller noch am Steg entzwei brach, bevor das Fahrzeug überhaupt ins Wasser gelangte. Jeremys Aussenbordmotor erschien damit als die vernünftigste Antriebslösung – zumindest wäre er das gewesen, hätte Jeremy den empfohlenen leichten 2-PS-Motor verwendet, statt auf ein völlig unnötiges 225-PS-Monster aufzurüsten.
Das zweite Problem bei Amphibienautos? Die Wasserdichtigkeit. Trotz einer beträchtlichen Menge an Schaumstoff und Schweissarbeiten hatten alle drei Gefährte mit dem kleinen Problem eindringenden Wassers zu kämpfen. Darauf folgte das deutlich grössere Problem des „katastrophalen Sinkens“.
Mit Top Gear über den Ärmelkanal
Auch wenn die erste Ausfahrt der Amphibienautos in einem Ergebnis endete, das selbst der wohlwollendste Beobachter nur als uneingeschränktes Desaster bezeichnen konnte, war Top Gear mit Wasserautos noch nicht fertig. Ein paar Jahre später erhielten die Moderatoren den Auftrag, ihre Amphibienauto-Konzepte zu verfeinern und sich in Dover einzufinden. Von dort sollten sie versuchen, den Ärmelkanal zu überqueren – nach Frankreich, das für alle ohne Geografiekenntnisse ein ganz anderes Land ist. Auf der anderen Seite einer 35 Kilometer langen Wasserstrecke. Und ausgerechnet dort verläuft auch die meistbefahrene Schifffahrtsroute der Welt.
Die Herausforderung verlief ... tatsächlich etwas besser, als irgendjemand erwartet hatte. Dennoch sanken die „aufgerüsteten“ Fahrzeuge von James und Richard sehr, sehr oft, sodass Küstenwache, Seenotrettung und Wasserpolizei eingreifen mussten. Nachdem sie den Herald und den Dampervan schliesslich zurückgelassen hatten, stiegen alle drei Moderatoren in Jeremys Nissank, um Richard Bransons Rekord für die schnellste Überquerung des Ärmelkanals mit einem Amphibienauto zu schlagen. Daran scheiterten sie ... vollständig. Irgendwie schafften sie es aber doch nach Frankreich, ohne zu sinken, von einem Supertanker plattgewalzt zu werden oder einen internationalen diplomatischen Zwischenfall auszulösen.
Leiteten diese bahnbrechenden Abenteuer eine glorreiche neue Ära des britischen Wasserfahrens ein? Nein, taten sie nicht. War das, alles in allem, vielleicht auch besser so? Ja, das war es.
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