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Nissan Ariya Nismo im ersten Test

Blauer Nissan Elektro-SUV fährt auf kurviger Landstraße mit grüner Landschaft und blauem Himmel im Hintergrund.
In diesem Artikel
  1. Was erspähe ich hier denn?
  2. Wie viel Leistung hat der Nissan Ariya Nismo?
  3. Ist der Ariya dafür ein guter Ort?
  4. Warum sollte ich mich also dafür entscheiden?
  5. Entscheidend: Sollte ich mich dafür entscheiden?
  6. Für wen ist er gedacht?
  7. Was wird er kosten?

Was erspähe ich hier denn?

Seit der GT-R wegen verschärfter Vorschriften vorzeitig in Pension geschickt wurde, ist dies das erste Modell mit Nismo-Emblem, das wieder für europäische Kundschaft angeboten wird. Besonders spannend: Es soll lediglich den Auftakt für mehrere Nismo-Modelle hierzulande bilden. Und am Ende dieser Entwicklung steht hoffentlich erneut ein Supercar als Aushängeschild.

Vorerst liegen Stückzahlen – und damit die wirtschaftliche Grundlage – allerdings genau in diesem Segment. Elektrische Crossover sind derzeit die Fahrzeuge der Stunde, auch wenn die Verkäufe von Elektroautos schwächeln. Sie bleiben eine der besten Chancen, ganz neue Performance-Autos auf den Markt zu bringen, so widersprüchlich das auch klingen mag. Zum Glück hat Nismo Erfahrung darin, eher unwahrscheinliche Fahrzeuge sportlicher zu machen: Der Elgrand Nismo liefert dafür den ultimativen Beweis.

Zudem kann Elektrifizierung grossen, alltagstauglichen Autos zu spürbar mehr Dynamik verhelfen. Der Ariya Nismo basiert auf dem zweimotorigen e4ORCE-Antrieb des darunter positionierten Nissan Ariya Evolve+, erhält aber eine neu abgestimmte Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von bis zu 25/75 – abhängig von den Bedingungen. Heckantriebs-Driftspielereien gibt es nicht, dafür greifen die Stabilitätssysteme weniger strikt ein und lassen etwas mehr Unfug zu.

Wie viel Leistung hat der Nissan Ariya Nismo?

Vorne wie hinten arbeitet jeweils ein identischer Elektromotor, zusammen stehen in der Spitze 429bhp und 442lb ft (599 Nm) bereit. Das reicht, um die rund 2,2 Tonnen – das Gewicht ist noch zu bestätigen – in glatten fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Gegenüber den 3,4 Sekunden eines Hyundai Ioniq 5 N oder den 3,2 Sekunden eines Tesla Model 3 Performance, die Nismo-Ingenieure beide als Rivalen nennen, wirkt das durchaus zurückhaltend. Stattdessen verweisen sie auf den Zwischensprint von etwa 80 auf 113 km/h in 2,4 Sekunden, mit dem er einen Z Nismo in die Schranken weist.

Tatsächlich erscheint der Ariya Nismo wesentlich alltagsnäher als seine spektakulären Konkurrenten. Sein bodenständiger Ansatz und der Verzicht auf Spielereien könnten ihn zu einem unkomplizierteren Begleiter machen. Allerdings werden Sie Diskussionen mit besonders pingeligen Besitzern von Performance-Elektroautos wohl verlieren. Es empfiehlt sich also, die Kunst des Zen zu üben und gelassen darüber hinwegzusehen.

Ist der Ariya dafür ein guter Ort?

Unabhängig von der Ausführung schafft dieses Auto eine Zen-artige Stimmung, denn sein Innenraum unterscheidet sich deutlich von allem anderen, was derzeit angeboten wird. Natürlich wurden Tasten ähnlich konsequent durch Bildschirme ersetzt wie bei anderen Elektroautos. Die Materialien wirken jedoch zeitgemässer, und die holzähnliche Oberfläche verliert ihren Reiz nicht durch die etwas kitschigen, eloxiert roten Details der Nismo-Ausstattung. Anders als viele vermeintliche Performance-SUVs erinnert er weniger an eine „generische maskuline Waschtasche“; dass auf übertriebenes Carbon verzichtet wird, hilft zusätzlich.

Allerdings findet sich überhaupt kein Carbon. Während der GT-R Nismo, der auf dem japanischen Markt weiterverkauft wird, mit seiner leichten Motorhaube, Kofferraumklappe und Karosserieerweiterung fit und ausgesprochen teuer auftritt, bleibt der Ariya ebenso kräftig gebaut wie zuvor. Gegenüber dem bisherigen Spitzenmodell fällt sein Leistungszuwachs zudem nur moderat aus.

Warum sollte ich mich also dafür entscheiden?

Nismo hat unter der Karosserie durchaus Hand angelegt. Neben dem stärker heckbetonten e4ORCE-System gibt es ein strafferes Fahrwerk – vorne um drei Prozent, hinten um zehn Prozent –, neue 20-Zoll-Enkei-Räder mit Michelin Pilot Sport EV-Reifen sowie ein neu abgestimmtes ABS, allerdings keine grösseren Bremsen. Die Fahrprogramme werden um einen temperamentvolleren Nismo-Modus ergänzt. Bei JDM-Fahrzeugen wie jenem, das wir auf der legendären Hakone Turnpike einige Stunden ausserhalb von Tokio gefahren sind, erzeugt dieser künstliche Antriebsgeräusche, die Nissans Formel-E-Rennwagen nachahmen. Europäische Autos verzichten auf diesen Soundtrack, was vermutlich die klügere Entscheidung ist.

Entscheidend: Sollte ich mich dafür entscheiden?

Der Ariya Nismo verfolgt ein anderes Konzept als der Ioniq 5 N. Seine Ingenieure haben Hyundais bemerkenswertes Elektroauto – immerhin TopGear.com Car of the Year 2023 – offenkundig ausprobiert, sich mit ihrem Rivalen aber bewusst für einen anderen und weniger rennstreckenorientierten Weg entschieden. Der Ariya federt geschmeidig, fährt sanft und entfernt sich nur dann deutlich vom Basismodell, wenn man sich wirklich engagiert.

Untersteuern widersteht er allerdings gut: Er lenkt viel sauberer in Kurven ein, als Grösse und Masse erwarten lassen, und bleibt beim erneuten Beschleunigen neutral ausbalanciert. Wer gröbere und abruptere Eingaben macht, kann etwas Radschlupf und eine kleine Prise Übersteuern provozieren. Auffälliger als eine gehaltvolle Rückmeldung der darunter arbeitenden Komponenten ist dabei jedoch das „wheeee“ seines verstärkten Sounds. Als Fahrer hat man ohnehin kaum eine echte Verbindung zu diesem Übersteuern, weil das Allradsystem alles nahezu unmittelbar glättet, sobald es beginnt. Trotzdem lässt sich Spass finden, wenn man danach sucht – nur nicht so viel wie im lästigen Hyundai.

Fraglich ist auch, wie oft Sie überhaupt danach suchen werden. Die Bremsen bilden eine grosse Hürde, wenn man den Ariya wirklich bis zum Letzten ausreizen möchte. Nismo erklärt den Verzicht auf grössere Scheiben und Bremssättel damit, das Gewicht im Zaum halten zu wollen. Ein paar zusätzliche Kilogramm hätten wir gerne akzeptiert, wenn das Auto dafür ordentlich verzögern würde. Schon nach wenigen engagiert gefahrenen Kurven untergräbt der Geruch überlasteter Bremsen das Vertrauen und bestätigt den weniger kompromisslosen Charakter dieses Autos endgültig. Immerhin hilft die Rekuperation beim Verzögern.

Für wen ist er gedacht?

Für Dienstwagenfahrer, die etwas Interessantes suchen, könnte er genau passen. Sowohl optisch als auch laut Datenblatt gibt er sich weniger laut als der Hyundai. Seine zurückhaltende Farbpalette aus Weiss, Grau oder Schwarz, die dezente Styling-Aufwertung und der elegante Innenraum vermitteln viel stärker das Gefühl eines sympathischen Alltagsautos. Nismo kann auf 40 Jahre beneidenswertes Motorsport-Erbe zurückblicken, doch der Umfang seiner Umbauten variiert: Viele JDM-Modelle unterscheiden sich nur leicht vom jeweiligen Basismodell. Der Ariya Nismo ist mehr als bloss eine Ausstattungsvariante, bleibt aber hinter dem Sprung seiner wichtigsten Rivalen zurück.

Erfreulicherweise zeigen sich die Ingenieure offen für ein schärferes Nismo-RS-Modell, ähnlich dem früher angebotenen Juke, falls die Kundschaft danach verlangt. Vielleicht sogar mit ähnlichen künstlichen Gangwechseln, die den Ioniq 5 N so erfolgreich aus der Masse herausheben. Und bitte: grössere Bremsen …

Was wird er kosten?

Die Preise stehen noch nicht fest. Da der Ariya Evolve+ knapp unter £60,000 kostet, dürfte der Nismo gefährlich nahe an die £65,000 des Hyundai heranreichen. Auch andere wichtige Angaben, etwa ein WLTP-Reichweitenwert, sind noch zu bestätigen. Sein 87-kWh-Akku sollte jedoch eine Reichweite nahe 483 km ermöglichen. Mit maximal 130 kW Ladeleistung bleibt er deutlich hinter den Besten seiner Klasse zurück.

Es gibt also viel, das gefällt, aber auch einige unscharfe Punkte. Vielversprechender ist, dass dies für Nismo nur der Anfang sein soll, während die Marke eine europäische Modellpalette anstrebt, wie sie vor zehn Jahren bereits angeboten wurde. Der Ariya markiert dabei die vernünftige Ausgangslinie – jenes Auto, mit dem Nissan die Reihe aus Verkaufs- und Imagegründen wohl unbedingt beginnen will, insbesondere da Europa voll auf Elektroantriebe setzt. Wenn damit eine Entwicklung zu deutlich sportlicheren Modellen und letztlich zu einem GT-R-Nismo-Nachfolger startet, sollte seine Ankunft von uns allen begrüsst werden.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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