Nach zahlreichen Teasern hat Renault nun endlich den Mégane E-Tech Electric enthüllt. Der rein elektrische Crossover erweitert die Elektro-Offensive der französischen Marke auf das C-Segment, nachdem Renault mit dem Twingo Electric und dem Zoe bereits im A- und B-Segment vertreten ist.
Wir konnten ihn noch vor seiner öffentlichen Premiere auf der IAA in München im Umland von Paris in Frankreich aus nächster Nähe sehen. Dabei bestätigte sich, was die Teaser und der Prototyp Mégane eVision bereits erkennen liessen: Vom bisher bekannten Mégane ist im Grunde nur noch der Name geblieben.
Der Mégane E-Tech Electric basiert auf der CMF-EV-Plattform, die auch beim Nissan Ariya zum Einsatz kommt, und positioniert sich zwischen klassischem Hatchback und Crossover. In natura wirkt er allerdings etwas niedriger, als die Teaser vermuten liessen – zumindest war das unser Eindruck bei diesem ersten Kontakt mit dem französischen Elektroauto, das mit seiner starken Präsenz klar auffällt.
Die Lichtsignatur an der Front bricht zwar nicht vollständig mit der von anderen aktuellen Renault-Modellen bekannten Markensprache, wurde aber deutlich feiner gezeichnet und fällt durch ihre schmale, dynamische Form auf. In der Mitte prangt das neue Renault-Logo in grosszügigem Format.
Besonders ins Auge sticht jedoch der untere Bereich der Frontschürze, vor allem in der Farbkonfiguration des ausgestellten Fahrzeugs. Ein goldfarbener Streifen teilt den unteren Lufteinlass, setzt die Linien des Tagfahrlichts fort und verbindet sich zugleich mit zwei geschlossenen seitlichen Elementen. Diese leiten den Luftstrom an die äusseren Bereiche der Frontschürze und verbessern damit den Luftwiderstandsbeiwert dieses Mégane.
An den Flanken fallen die grossen 20-Zoll-Räder auf, die die weit geschnittenen Radhäuser beinahe vollständig ausfüllen. Dazu kommen versenkte Türgriffe an den vorderen Türen, während die hinteren Türen über klassische Griffe an der C-Säule verfügen. Die sehr niedrige Dachlinie und die hochgezogene Schulterlinie verleihen vor allem dem Heck einen kraftvollen Auftritt.
Auch die Heckleuchten greifen gewissermassen das Lichtdesign der Front auf, ergänzen es aber um einen 3D-Effekt, der den Leuchten dieses elektrischen Mégane mehr Tiefe verleiht. Trotz der deutlichen Weiterentwicklung ist die Verbindung zum Mégane der vierten Generation leicht erkennbar, der weiterhin parallel zum E-Tech Electric angeboten wird.
Der Innenraum erlebt eine „Renaulution“
Während das Exterieur umfassend verändert wurde, überrascht Renault im Innenraum noch stärker. Nach Angaben der französischen Marke wurde das Interieur des neuen Mégane E-Tech Electric aus Designperspektive wie ein Möbelstück entwickelt.
Entstehen sollte ein wohnlicher, technologischer Innenraum, der dieselbe Atmosphäre wie ein Wohnzimmer vermittelt. Ohne eine Fahrt auf der Strasse lässt sich nicht abschliessend beurteilen, ob dieses Ziel erreicht wurde. Schon beim Platznehmen im neuen Mégane wird jedoch klar, dass er gegenüber den übrigen Modellen der Marke einen spürbaren Fortschritt darstellt.
Zunächst fällt das auf den Fahrer ausgerichtete Armaturenbrett auf, das ihn konsequent in den Mittelpunkt stellt. Das ist keineswegs ein Nachteil – im Gegenteil: Alles scheint nah zu liegen und sinnvoll angeordnet zu sein. Hinzu kommt der Bildschirm, oder besser gesagt: die Bildschirme. Zwei Displays – ein zentral montiertes Tablet-Display und ein digitales Kombiinstrument hinter dem Lenkrad – ergeben zusammen eine Bildschirmfläche von 24 Zoll.
Native Google-Anwendungen im Mégane E-Tech Electric
Beide Bildschirme fügen sich sehr harmonisch in das Armaturenbrett ein und bieten eine angenehme Ablesbarkeit. Besonders das zentrale Display überzeugt, dessen Software gemeinsam mit Google entwickelt wurde.
Dadurch sind Google Maps, der Google Play Store und Google Assistant nativ integriert. Bei Google Maps etwa orientiert sich die Bedienung an der Smartphone-App: Ein Klick auf das Ziel genügt, und die Navigationsoptionen dorthin erscheinen sofort. Das funktioniert schnell, unkompliziert und … es funktioniert!
So beeindruckend das Technologieangebot und die „Anordnung“ des Innenraums auch sind, die verwendeten Materialien stehen dem in nichts nach. Zum Einsatz kommt eine breite Auswahl, von Stoffen über Kunststoffe – beide recycelt – bis hin zu Holz. Das Resultat ist ein ausreichend hochwertiger Innenraum, in dem man sich gerne aufhält.
Selbst die sichtbarer platzierten Kunststoffe fühlen sich weder rau noch unangenehm an. Auch die Oberflächen rund um die Mittelkonsole und das Armaturenbrett hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Besonders hervorzuheben ist das vollständig neu entwickelte Lenkrad, eines der markantesten Elemente im Innenraum dieses Mégane. Es wirkt hochwertig und liegt angenehm in der Hand, vermittelt zugleich aber ein „retro“ anmutendes Gefühl. Das hat uns sehr gut gefallen.
Wie sieht es mit dem Platzangebot aus?
Vor Ort überraschten uns die Proportionen dieses Mégane, dessen Länge ungefähr jener des Renault Captur entspricht. Das macht sich bemerkbar, sobald man auf den Rücksitzen Platz nimmt.
Neben der begrenzten Kopffreiheit – mit 1,83 m Körpergrösse stiess ich beinahe mit dem Kopf an den Dachhimmel – ist auch der Zugang zur zweiten Sitzreihe nicht optimal. Wegen der stark abfallenden Dachlinie muss man den Kopf beim Einsteigen weit nach unten neigen. Die breiten hinteren Radhäuser, die sehr nahe an den Fondtüren liegen, machen es ausserdem nötig, das Bein deutlich anzuheben, um hinten einzusteigen.
Beim Kofferraum gibt es hingegen nichts zu beanstanden: Renault hat ein Ladevolumen von 440 Litern untergebracht, ein sehr überzeugender Wert für ein Modell dieser Art.
Elektroantrieb … in zweifacher Ausführung!
Der Renault Mégane E-Tech Electric wird mit zwei Batterievarianten angeboten: einer mit 40 kWh und einer mit 60 kWh.
Unabhängig von der Batterie kommt stets ein Elektromotor an der Vorderachse und damit Frontantrieb zum Einsatz. Mit dem grösseren Akku leistet er 160 kW (218 PS) und 300 Nm, mit der kleineren Batterie sind es 96 kW (130 PS).
Zur Reichweite nannten die Verantwortlichen der französischen Marke lediglich einen Wert für die Batterie mit höherer Kapazität: 470 km nach WLTP. Auf der Autobahn soll der neue Mégane E-Tech Electric zwischen zwei Ladevorgängen 300 km schaffen.
Damit liegt er auf dem Niveau der wichtigsten Konkurrenten. Auch beim Nachladen gibt es gute Nachrichten, denn der rein elektrische Mégane kann mit bis zu 130 kW geladen werden. Bei dieser Leistung lassen sich in nur 30 min. 300 km Reichweite nachladen.
Im Zusammenhang mit der Batterie betont Renault zudem, den Mégane E-Tech Electric mit dem flachsten Lithium-Ionen-Batteriepaket auf dem Markt ausgestattet zu haben: Es ist nur 11 cm hoch. Das ermöglicht unter anderem einen niedrigeren Schwerpunkt als beim Mégane der vierten Generation und „macht uns noch neugieriger“ darauf, ihn zu fahren.
Wann kommt er?
Der Renault Mégane E-Tech Electric wird im französischen Werk Douai produziert und kommt Anfang 2022 in Portugal auf den Markt. Er wird parallel zu den „konventionellen“ Varianten des französischen Kompaktmodells verkauft und ergänzt den Hatchback mit fünf Türen, die Limousine Grand Coupé sowie den Kombi Sport Tourer.






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