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Malaysia: Leuchtende Fahrbahnmarkierungen scheitern an hohen Kosten

Mann mit Warnweste kniet an Straße mit leuchtender blauer Fahrbahnmarkierung bei Dämmerung, Auto fährt vorbei.
In diesem Artikel
  1. Wie die Landstraße zum Zukunftsprojekt wurde
  2. Welche Technik hinter den leuchtenden Fahrbahnmarkierungen steckt
  3. Pläne für die großflächige Ausweitung
  4. Dann wurden die Kosten berechnet
  5. Ein Satz im Parlament brachte die Wende
  6. Warum die Frage weiterhin aktuell ist
  7. Welche Alternativen es zu leuchtenden Straßen gibt
  8. Was der Fall Malaysia für andere Länder bedeutet
  9. Einordnung: Was „photolumineszent“ im Alltag bedeutet

In einem Vorort von Kuala Lumpur verwandelte sich eine Landstraße scheinbar in ein Stück Zukunft: Ihre Fahrbahnmarkierungen nahmen tagsüber Licht auf und leuchteten nach Einbruch der Dunkelheit von selbst. Die Regierung erhoffte sich davon mehr Sicherheit auf dunklen Strecken. Doch auf die anfängliche Begeisterung folgte ein abrupter Kurswechsel.

Wie die Landstraße zum Zukunftsprojekt wurde

Der Versuch fand auf einem rund 245 Meter langen Straßenabschnitt nahe Semenyih statt. Der Ort liegt im Bezirk Hulu Langat im Bundesstaat Selangor. Weil dort herkömmliche Straßenlaternen fehlen, ist die Fahrbahn in der Nacht schwer zu erkennen. An diesem Punkt setzte Malaysias Behörde für öffentliche Bauarbeiten an.

Zum Einsatz kamen Markierungen aus photolumineszierender Farbe. Sie nehmen am Tag Sonnenlicht auf und geben es in der Nacht wieder ab. Dadurch ist die Fahrspur auch ohne Stromversorgung erkennbar. Bei Tageslicht sehen die Linien wie gewöhnliche Markierungen aus, im Dunkeln verbreiten sie einen hellen Schimmer.

Offiziell sollte das Projekt keine bloße Schau sein: Es sollte erproben, wie Straßen sicherer werden können, ohne überall Masten und Leitungen errichten zu müssen.

Der zuständige Minister Alexander Nanta Linggi erklärte, die Markierungen blieben bis zu zehn Stunden sichtbar. Auch bei Regen sei ihr Leuchten noch gut zu erkennen. In sozialen Netzwerken berichteten zahlreiche Autofahrerinnen und Autofahrer, sie könnten sich dadurch deutlich besser orientieren.

Welche Technik hinter den leuchtenden Fahrbahnmarkierungen steckt

Die Farbe enthält photolumineszierende Pigmente. Sie speichern vereinfacht gesagt Lichtenergie und geben diese später wieder ab. Bekannt ist das Prinzip etwa von nachleuchtenden Notausgangsschildern in Gebäuden.

Auf der Fahrbahn bietet die Technik mehrere Vorteile:

  • Keine laufenden Stromkosten: Für die Markierungen sind weder Kabel noch Leuchten oder Steuerungen nötig.
  • Weniger Wartung an Masten: Reparaturen an Laternen und ihren Fundamenten fallen weg.
  • Bessere Orientierung: Besonders auf kurvigen, schwach beleuchteten Strecken wirken leuchtende Linien unmittelbarer als weit voneinander entfernte Lichtpunkte.

Die Idee war nicht völlig neu. In den Niederlanden hatte das Projekt „Intelligente Autobahn“ mit sogenannten „leuchtenden Linien“ bereits Jahre zuvor Schlagzeilen gemacht. Die Linien waren dort bis zu acht Stunden sichtbar; eine Teststrecke war mehrere Monate lang in Betrieb. Die Fahrbahn selbst sollte dabei als Leuchtfläche dienen.

Malaysia legte den Schwerpunkt weniger auf die Gestaltung als auf schlecht beleuchtete Straßen im ländlichen Raum. Der Versuch in Semenyih war als Sicherheitsprojekt für den Alltag gedacht, nicht als futuristische Schau.

Pläne für die großflächige Ausweitung

Die positive Resonanz veranlasste die Politik rasch zu größeren Plänen. Bereits im Februar 2024 kündigte der Bundesstaat Selangor an, die Technik an 15 weiteren Standorten in allen neun Bezirken einzusetzen.

Zur Diskussion standen rund 15 Kilometer Straße, unter anderem in Sepang, Kuala Langat und Petaling. Die geschätzten Kosten betrugen rund 900.000 malaysische Ringgit. Auch der Bundesstaat Johor bekundete Interesse und wählte 31 Straßen für Testprojekte aus, darunter einen 300-Meter-Abschnitt in Batu Pahat.

Die leuchtenden Markierungen sahen damit beinahe nach dem Anfang einer neuen Standardlösung für dunkle Verkehrswege aus. Viele Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer lobten den Versuch öffentlich; auch die Berichterstattung fiel überwiegend positiv aus.

Dann wurden die Kosten berechnet

Hinter den Kulissen hatten Ingenieure und Finanzplaner längst mit ihren Berechnungen begonnen. Dabei trat das Problem zutage: Nach Angaben der Regierung kostete die photolumineszierende Farbe rund 749 Ringgit pro Quadratmeter. Für gewöhnliche Straßenmarkierungsfarbe werden etwa 40 Ringgit pro Quadratmeter fällig.

Art der Markierung Preis pro m² Faktor
Normale Straßenfarbe RM40 1
Leuchtende Farbe RM749 knapp 19

Die futuristische Variante war somit fast zwanzigmal so teuer wie die herkömmliche. Dabei waren Fragen zur Lebensdauer, Witterungsbeständigkeit und Erneuerung noch nicht abschließend geklärt. Jede weitere Regenzeit und jede stark befahrene Strecke hätten die Farbe schneller abnutzen können; die Folgekosten blieben ungewiss.

Ein Satz im Parlament brachte die Wende

Im November 2024 kam es zur Kehrtwende. Der stellvertretende Arbeitsminister Ahmad Maslan erklärte im Parlament, die Kosten seien zu hoch. Deshalb werde man die leuchtenden Fahrstreifen wohl nicht weiterführen.

Der Minister machte deutlich, dass die Versuche die Fachleute im Ministerium nicht genügend überzeugt hätten – weder hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit noch bei der technischen Bewertung.

Aus dem Vorzeigeprojekt wurde damit eine typische Infrastrukturfrage: Eine Lösung kann im Alltag funktionieren und bei der Bevölkerung gut ankommen, ohne deshalb den strengen Anforderungen von Haushaltsplanung, Wartung und Normen zu genügen.

Die 245 Meter in Semenyih blieben ein Pilotversuch und wurden nicht zum neuen System für das gesamte Land.

Warum die Frage weiterhin aktuell ist

Das grundlegende Problem besteht auch ohne leuchtende Farbe fort: Wie müssen Fahrbahnmarkierungen aussehen, damit sie nachts sowie bei Regen und Nebel gut sichtbar sind – insbesondere außerhalb größerer Städte?

Verkehrsbehörden auf der ganzen Welt befassen sich damit. In Japan untersucht beispielsweise das Nationale Institut für Land- und Infrastrukturmanagement, wie sich Qualität und Sichtbarkeit von Markierungen auf Schnellstraßen messbar erfassen und sinnvoll warten lassen. Dort gelten Fahrbahnstreifen ausdrücklich als Teil eines umfassenden Sicherheitssystems und nicht bloß als „Linien auf dem Asphalt“.

Für Länder wie Malaysia mit vielen ländlichen Straßenabschnitten stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Zahlt sich teure Technik in der Fläche aus, oder ist eine robuste Standardlösung mit regelmäßiger Erneuerung letztlich sinnvoller?

Welche Alternativen es zu leuchtenden Straßen gibt

Dass die Ausweitung der im Dunkeln leuchtenden Markierungen gescheitert ist, bedeutet nicht, dass andere Ansätze für mehr Sicherheit fehlen. Diskutiert werden unter anderem:

  • Reflektierende Markierungen mit hoher Retroreflexion: Besondere Glasperlen in der Farbe werfen Scheinwerferlicht gezielt zurück.
  • LED-Leitpflöcke oder „aktive“ Markierungen: Eingebaute LED-Elemente leuchten oder blinken an Kurven und Gefahrenstellen.
  • Intelligente Straßenbeleuchtung: Lampen werden bei Verkehrsaufkommen oder schlechtem Wetter automatisch heller.
  • Bessere Wartungszyklen: Klare Vorgaben legen fest, ab wann verblasste Markierungen zu erneuern sind.

Viele dieser Lösungen können modular eingesetzt werden. Eine gefährliche Kurve lässt sich anders ausstatten als ein langer, gerader Abschnitt im Nirgendwo. Für Regierungen ist dabei stets dieselbe Kombination entscheidend: einmalige Investitionskosten, laufende Betriebskosten, Lebensdauer und nachweisbarer Sicherheitsgewinn.

Was der Fall Malaysia für andere Länder bedeutet

Das Projekt in Semenyih macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen Innovation und kostspieliger Spielerei ist. Neue Ideen im Straßenbau lösen rasch Begeisterung aus, besonders wenn sie sichtbar und fotogen sind. Leuchtende Straßen wirken auf Bildern beeindruckend und vermitteln Fortschritt.

Dennoch kann der malaysische Versuch für Planer in anderen Ländern wertvoll sein. Daraus lassen sich einige Lehren ziehen:

  • Kosten-Nutzen-Rechnungen sollten frühzeitig und parallel zur Technikentwicklung erfolgen.
  • Für eine breite Ausweitung braucht es belastbare Daten zur Haltbarkeit unter tatsächlicher Verkehrsbelastung.
  • Die Akzeptanz bei Verkehrsteilnehmenden ist wichtig, ersetzt aber keine technische Prüfung.
  • Eine teure Technologie kann sich mitunter eher für einzelne Brennpunkte eignen als für den Einsatz in der Fläche.

Mit Blick auf Klimaziele und Energiepreise dürfte der Wunsch nach Lösungen ohne dauerhafte Stromversorgung eher zunehmen. Photolumineszierende Markierungen könnten langfristig erneut zur Diskussion stehen, etwa zusammen mit widerstandsfähigeren Bindemitteln oder dank niedrigerer Herstellungskosten durch Massenproduktion.

Einordnung: Was „photolumineszent“ im Alltag bedeutet

Der Begriff klingt sperrig, bezeichnet aber ein Prinzip, das in vielen Alltagsprodukten steckt. Photolumineszenz bedeutet, dass ein Material Lichtenergie aufnimmt und später wieder aussendet, ohne selbst zu verbrennen oder wie eine Glühbirne zu leuchten.

Typische Beispiele sind:

  • Nachleuchtende Aufkleber im Kinderzimmer
  • Markierungen an Notausgängen und auf Fluchtwegen
  • Uhrenskalen, die nachts schimmern

Auf Straßen ist die Belastung allerdings wesentlich größer: Reifen, Hitze, UV-Strahlung, Ölflecken und schwere Lkw setzen den Schichten zu. Deshalb ist es besonders anspruchsvoll, auf Asphalt eine Lösung zu etablieren, die dauerhaft leuchtet und zugleich wirtschaftlich ist.

Malaysia hat mit dem Projekt in Semenyih gezeigt, wie weit eine solche Idee tragen kann – und an welchem Punkt Zahlen, Normen und Gutachten von Fachleuten den Traum von der futuristischen Straße vorerst bremsen.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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