Bei der Gestaltung seiner neuen Modelle hat Volkswagen mehrfach die Richtung geändert. Zunächst setzte die Marke bei den Elektroautos der ID-Familie auf eigenständige Linien, später führte sie das Design der Elektro- und Verbrennermodelle wieder näher zusammen.
Beeinflusst wurde dieser Kurswechsel auch durch einen Wechsel an der Spitze der Designabteilung: Andreas Mindt soll nun jenen Stil zurückbringen, der die Marke aus Wolfsburg über Jahrzehnte geprägt hat.
Erste deutliche Unterschiede zeigen sich bereits an den neuen ID-Studien, aber auch am kommenden Passat und Tiguan, die 2024 auf den Markt kommen.
Stärkere Annäherung beim Volkswagen Tiguan
Der neue Volkswagen Tiguan wirkt optisch runder und trägt schmalere, stärker horizontal ausgerichtete Scheinwerfer. Damit nähert er sich klar der Formensprache der Volkswagen ID-Modelle an, die schrittweise zur dominierenden Kraft im Modellangebot der Marke werden sollen.
Auch im Innenraum rücken Verbrenner und Elektroautos näher zusammen. Die neue Generation des modularen Infotainmentbaukastens MIB4 bringt eine überarbeitete grafische Oberfläche mit. Eine neue Struktur für Anordnung und Navigation soll die Bedienung einfacher, intuitiver und individueller machen.
Dafür ist der Bildschirm in zwei dauerhaft sichtbare Leisten unterteilt: eine oben und eine unten. In der oberen Leiste lassen sich bevorzugte Funktionen für den direkten Zugriff hinterlegen; das gilt ebenso für den Startbildschirm. Die untere Leiste ist fest angeordnet und enthält die Bedienelemente für häufig genutzte Funktionen.
Eine weitere Verbesserung greift die Kritik an den ersten MIB-Generationen auf: Die berührungsempfindlichen Schieberegler für die Temperatur im Fahrzeug und die Audiolautstärke sind nun hintergrundbeleuchtet. Zudem ist der zentrale Bildschirm deutlich stärker zum Fahrer geneigt. Gegenüber dem aktuellen Tiguan entsteht dadurch im Innenraum ein sportlicheres Ambiente.
Das Kombiinstrument des neuen Volkswagen Tiguan ist vollständig digital und besitzt einen 10,24-Zoll-Bildschirm, der größer als jener des Vorgängers ist. Hinzu kommen neue Farben und eine verbesserte, intuitivere Bedienung. Über die Tasten am Lenkrad stehen vier grafische Grundkonfigurationen zur Verfügung, die sich auch mit spezifischen Funktionen versehen lassen: Klassisch, Progressiv, Navigation und R-Line.
Weiterentwicklung der Plattform
Der neue Volkswagen Tiguan in seiner 3. Generation, der Passat Variant in der 9. Generation und der künftige Golf als Aktualisierung der 8. Generation profitieren von beträchtlichen Skaleneffekten durch die jüngste Weiterentwicklung der Plattform.
Konkret können diese neuen Modelle dadurch mit Technologien ausgestattet werden, die sonst eher in höheren Fahrzeugsegmenten üblich sind. Weil sich die Entwicklungskosten auf mehrere Modelle mit jeweils hohen Produktionszahlen verteilen, werden andere Investitionen möglich.
Die verbesserte MQB-Evo-Architektur verfügt über eine Einzelradaufhängung an allen vier Rädern, mit McPherson-Federbeinen vorne und einer Mehrlenkerachse hinten. Dazu kommen eine sturzsteifere Hinterachse und weiter auseinanderliegende Befestigungspunkte der Aufhängung innerhalb größerer Felgen. Das erhöht die Lenkpräzision und ermöglicht zugleich eine direktere Übersetzung mit nur 2,1 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag.
Außerdem übernimmt der Vehicle Dynamics Manager als neue zentrale Steuereinheit die Regelung von Dämpfung, Lenkung und Drehmomentverteilung.
Zu den wichtigsten Fahrwerksneuerungen zählt das optional erhältliche System DCC Pro. Die neue adaptive Dämpfung arbeitet mit zwei Ventilen pro Stoßdämpfer: eines für die Druckstufe und eines für die Zugstufe. Der neue Volkswagen Tiguan wird das erste Modell einer Volumenmarke mit dieser Technik sein, die beispielsweise bei Porsche bereits eingesetzt wird.
Damit können die Räder Stöße besser aufnehmen, während die Karosserie stabiler bleibt als bei einem herkömmlichen System. Ziel ist es, die Karosseriestabilität, den Fahrkomfort und die Präzision des Tiguan in Kurven zu verbessern.
Motorenangebot für den Tiguan
Ein Trend der heutigen Autoindustrie lässt sich kaum umgehen: Dieselmotoren bleiben mit einem kleineren Angebot erhalten, während Benziner auf unterschiedliche Weise elektrifiziert werden.
Beim neuen Volkswagen Tiguan gehört die zweite Generation des 1.5 TSI mit 150 PS zu den Neuerungen. Sie erhält ein 48-Volt-Mildhybridsystem mit eigener Batterie und einer Kombination aus Starter und Generator, die 20 PS Leistung und 25 Nm Drehmoment bereitstellen kann. Der Motor verfügt außerdem über eine Zylinderabschaltung, die bei geringer oder fehlender Gaspedalbelastung die Hälfte der Zylinder deaktiviert.
Bis zu 100 km elektrische Reichweite
Den größten Entwicklungsschritt machen jedoch die Plug-in-Hybride, die künftig bis zu 100 km elektrisch zurücklegen können. Möglich macht das eine neue Batterie mit 19,7 kWh nutzbarer Kapazität, deutlich mehr als die 10,6 kWh der bisherigen Version.
Gleichzeitig erhält das System ein neues Ladegerät. Es erlaubt das Laden mit Wechselstrom (AC) mit bis zu 11 kW und mit Gleichstrom (DC) mit maximal 50 kW. Im letzteren Fall kann der Ladevorgang von 10 auf 80 % rund 25 Minuten dauern.
Die Plug-in-Hybridsysteme werden in zwei Leistungsstufen angeboten. Beide kombinieren einen 1,5-Liter-Benzinmotor mit einem Elektromotor mit 115 PS. In der ersten Variante leistet der Verbrenner 150 PS, woraus sich eine Systemleistung von 204 PS ergibt. Bei der zweiten Option liefert der Verbrenner 177 PS und die kombinierte Leistung beträgt 272 PS. Während die erste Ausführung stärker auf Effizienz ausgerichtet ist, steht bei der zweiten die Leistung im Vordergrund.
Das übrige Angebot umfasst 2,0-Liter-Benzin- und Dieselmotoren. Bei den Benzinern stehen 204 PS/320 Nm und 265 PS/400 Nm zur Wahl, bei den Dieseln 150 PS/360 Nm und 193 PS/400 Nm. Alle Versionen des neuen Volkswagen Tiguan erhalten ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe (DSG): bei den Hybriden mit sechs, bei den Verbrennermodellen mit sieben Gängen.






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