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Fünf ungewöhnliche Testträger und ihre Geschichten

Roter Ferrari-Supersportwagen in modernem Showroom mit weißem Boden und Glaswänden.
In diesem Artikel
  1. Ferrari LaFerrari: Testträger im Gewand des 458 Italia
  2. Rolls-Royce Cullinan
  3. Chevrolet Corvette Stingray
  4. Jaguar XJ220
  5. Land Rover Freelander

Als Testträger, wörtlich auch „Testesel“ genannt, bezeichnet man Entwicklungsprototypen neuer Modelle, deren endgültige Form in dieser Phase oft noch gar nicht feststeht.

Sie dienen zugleich als „Testlabore“ für neue technische oder mechanische Lösungen. Deshalb entstehen sie meist auf Grundlage bereits vorhandener Modelle – oder zumindest aus Teilen solcher Fahrzeuge.

Geraten sie vor die Objektive von Erlkönigfotografen, sehen sie folglich wie ein bekanntes Modell aus. Gleichzeitig wirken sie aber „merkwürdig“ genug, um zu verraten, dass sich unter der Karosserie etwas anderes verbirgt.

Im Laufe der Jahre haben wir schon so manche Variante gesehen. Nach einer kurzen Ideensammlung in der Redaktion haben wir einige der interessantesten zusammengetragen. Auch wenn viele dieser Fahrzeuge nach den Tests zerstört werden und andere zu Sammlerstücken werden, gibt es reichlich Geschichten über sie zu erzählen.

Ferrari LaFerrari: Testträger im Gewand des 458 Italia

Der erste Supersportwagen aus Maranello mit Hybridantrieb zeigte sich zunächst in der „Haut“ eines Ferrari 458 Italia.

Das LaFerrari-Projekt trug damals die Bezeichnung F150. Einer seiner Prototypen, der „M6“, war dieser schwarze Ferrari 458. Der „Testträger“ diente dazu, den Hybridantriebsstrang des späteren LaFerrari zu erproben.

Der entscheidende Unterschied verbarg sich daher im Motorraum: Anstelle des V8 aus dem 458 Italia musste dort der grössere V12 Platz finden. Dafür wurde der Bereich umfassend umgebaut, sodass auch das Hybridsystem, die Batterie und sämtliche benötigten Kabel untergebracht werden konnten.

Der riesige Lufteinlass auf dem Dach verrät zwar den zusätzlichen Kühlungsbedarf. Die um den 458 angebrachte Tarnung sollte dagegen möglichst wenig davon preisgeben, dass hier ein für die Marke besonders wichtiges Modell heranreifte.

Ferrari verkaufte diesen „Testträger“ 2016 an einen Kunden. Dieser versuchte 2022 erfolglos, das Fahrzeug bei einer Auktion zu verkaufen. Lernen Sie es im Detail kennen:

Rolls-Royce Cullinan

Die aristokratische Marke aus Goodwood brauchte lange, um sich davon zu überzeugen, dass ein SUV in ihrem erlesenen Modellprogramm tatsächlich nötig war. Als die Entscheidung dafür fiel, gab es allerdings nichts auch nur annähernd Vergleichbares, das sich als „Testträger“ angeboten hätte.

Vielleicht griff man deshalb zum grössten Modell im Angebot, dem ausladenden Phantom. Das Ergebnis war ein verkürzter Phantom – erkennbar an den kurzen hinteren Türen. Seine enorme Bodenfreiheit und der etwas lächerlich wirkende Heckflügel waren jedoch kaum zu übersehen.

Am Ende entstand daraus der Cullinan, der heute das meistverkaufte Modell von Rolls-Royce ist.

Chevrolet Corvette Stingray

Die achte Generation der legendären Corvette stellte den radikalsten Einschnitt ihrer Geschichte dar. Nach jahrzehntelangen Überlegungen entschied man sich, den längs eingebauten Motor von vorne nach hinten zu verlegen: Er sitzt seither längs als Mittelmotor direkt hinter den beiden Insassen.

Bei General Motors gab es selbstverständlich nichts Vergleichbares, das als „Testträger“ hätte dienen können – es sei denn, man reiste nach Australien.

Die Lösung fiel denkbar originell aus. Auf dem Inselkontinent, den GM später verlassen sollte, sind sogenannte Utes – von Pkw abgeleitete Pick-ups – besonders beliebt, vor allem mit V8-Motor.

Die Silhouette eines Ute konnte einen idealen „Testträger“ für die radikal neue Corvette abgeben. Genau diesen Ansatz verfolgte Chevrolet.

Das Fahrzeug wurde als „Blackjack“ bekannt und besass ungewöhnlich breite Spurweiten. Es hatte den vollständigen Innenraum einer Corvette C7 sowie eine erhöhte „Ladefläche“ mit einem riesigen Heckspoiler. Darunter war, wie Sie vielleicht schon vermuten, der V8-Motor untergebracht, der für die nächste Stingray entwickelt wurde.

Jaguar XJ220

Der Einsatz eines Pick-ups zur Entwicklung eines Supersportwagens erinnert uns an einen weiteren „Testträger“. Dieser ist wahrhaft episch und sogar ein „Star“ des Fernsehens.

In einer Folge der Kultsendung Top Gear trat ein Holden Ute gegen einen Ford Transit aus dem Jahr 1989 an, wie üblich in Weiss lackiert.

Zur Überraschung aller liess der Ford Transit den leistungsstarken Ute mühelos hinter sich. Der Grund: Dieser Transit war als „Testträger“ für den Supersportwagen Jaguar XJ220 eingesetzt worden.

Dabei ging es weniger um den Supersportwagen selbst als um seinen V6-Biturbo aus Aluminium. Dieser Motor wurde im Jaguar XJR-10 der IMSA-Meisterschaft verwendet und stammte seinerseits aus dem MG Metro 6R4 der früheren Gruppe B der Rallye-Weltmeisterschaft.

Hätte sich der neue Motor besser verstecken lassen? Wir glauben es nicht. Von aussen gleicht der Transit weiterhin zahllosen anderen Exemplaren. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch an den Felgen des XJ220 und den breiten Reifen erste Hinweise darauf, dass es kein gewöhnlicher Ford Transit ist.

Land Rover Freelander

Mitte der 1990er-Jahre wollte Land Rover seinen Kundenkreis erweitern und begann mit der Entwicklung eines neuen Einstiegsmodells: des Freelander.

Für die ersten Fahrversuche wurde ein „Testträger“ benötigt. Seine Gestalt erhielt er von der Nutzfahrzeugversion eines Austin Maestro mit „hochgekrempelten Hosen“. Insgesamt entstanden 25 Exemplare.

Heute sind nur noch drei davon erhalten, denn die übrigen wurden zerstört. Zwei Exemplare gehören zur britischen Dunsfold Collection. Sie entstand 1968 als „einfache“ Privatsammlung, allerdings mit dem edlen Ziel, die Geschichte von Land Rover zu bewahren.

In ihrer umfangreichen Sammlung besonders origineller und historischer Modelle fallen diese „merkwürdigen“ Austin Maestro Van mit höher gelegtem Fahrwerk sofort auf.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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