Die Elektrifizierung von Hyundai mag mit der Vorstellung des IONIQ 5 in eine neue Phase eingetreten sein, dennoch nimmt der Hyundai Kauai EV weiterhin eine Schlüsselrolle im Elektroangebot der südkoreanischen Marke ein.
Das zeigt auch das Jahr 2020: Mit 47 796 verkauften Exemplaren war er das viertmeistverkaufte Elektroauto Europas. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 112 %.
Damit der elektrische Crossover konkurrenzfähig bleibt, hat Hyundai ihn überarbeitet. Nun konnte ich die günstigste Ausführung testen.
Verändert, ohne alles neu zu erfinden
Am deutlichsten unterscheidet sich der „neue“ Hyundai Kauai EV aussen von seinem Vorgänger. Die Front wurde vollständig neu gestaltet. Die klarere Lösung mit weniger Stilelementen gefällt mir ausgesprochen gut und erinnert in gewisser Weise an die geschlossenen Frontpartien von Tesla.
Am Heck fallen vor allem die neu gezeichneten Leuchten auf. Meiner Ansicht nach hat das Facelift dem Modell gutgetan: Es wirkt frischer und attraktiver und hebt sich weiterhin von vergleichbaren Fahrzeugen ab.
Innenraum des Hyundai Kauai EV: fast unverändert
Im Innenraum sind die Neuerungen wesentlich überschaubarer. Deshalb gelten meine positiven Eindrücke von der Version vor dem Facelift weiterhin – sowohl bei Ergonomie und Platzangebot als auch bei Materialqualität und Verarbeitung.
Zu den Neuheiten zählen das digitale 10,25-Zoll-Kombiinstrument, das umfangreich ausgestattet und leicht verständlich ist, sowie das neue AVN-Infotainmentsystem.
Dieses System ist vollständig ausgestattet und selbst über den „kleinen“ 8-Zoll-Bildschirm unkompliziert zu bedienen; das 10,25-Zoll-Display ist optional erhältlich. Der Bildschirm beweist zudem, dass nicht immer die grösste verfügbare Anzeige nötig ist, um ihre Aufgaben überzeugend zu erfüllen.
Kleinere Batterie, aber ausreichend Reichweite
Als ich den Kauai EV zuletzt testete, war das Facelift noch nicht erfolgt. Damals handelte es sich um die stärkere Variante mit 64-kWh-Batterie und 204 PS. Beim Wiedersehen mit dem elektrischen Crossover der südkoreanischen Marke lernte ich nun die leistungsschwächere Version mit kleinerem Akku kennen.
Mit ihrer 39-kWh-Batterie und „nur“ 136 PS beschleunigt diese Ausführung in 9,9 s von 0 auf 100 km/h und erreicht 155 km/h. Der stärkere Kauai EV 64 kWh benötigt 7,9 s und schafft 167 km/h. Obwohl die Werte dieser Version weniger beeindruckend ausfallen, verliert sich der Unterschied im Alltag weitgehend.
Natürlich sind die Fahrleistungen nicht ganz so eindrucksvoll. Beim Anfahren an der Ampel steht jedoch weiterhin eine angenehm spontane Beschleunigung bereit, sobald das Gaspedal betätigt wird – möglich machen das 395 Nm Drehmoment, die sofort anliegen. Das entspricht genau dem Wert der stärkeren Variante.
Auf der Landstrasse enttäuschen die Fahrleistungen ebenfalls nicht. Sogar die „kleine“ Batterie überrascht, weil sie bei jeder Fahrt einen grösseren Aktionsradius ermöglicht, als man zunächst erwarten würde.
Die angegebene Reichweite von 305 km scheint problemlos erreichbar, ohne ausschliesslich im Stadtverkehr unterwegs sein zu müssen. Dazu tragen die Fahrmodi bei, die ich bereits im vorherigen Test gelobt hatte, ebenso wie die vier Rekuperationsstufen, die sich über die Schaltwippen an der Lenksäule wählen lassen.
Beim Verbrauch kam der Kauai EV während des Tests, der viele Kilometer durch die Überschwemmungsebenen des Ribatejo führte, auf 10,7 kWh/100 km. Im Stadtverkehr lagen die Werte knapp bei 13 kWh/100 km, bei höherem Tempo stiegen sie auf 16 bis 17 kWh/100 km. Das sind sehr gute Werte und besser als bei den meisten Konkurrenten.
Auch dynamisch bestätigt der Kauai EV das Lob, das sein Fahrwerk mit den unterschiedlichsten Antrieben bereits mehrfach erhalten hat. Die direkte, präzise und rückmeldungsstarke Lenkung sowie die Federung, die Komfort und Fahrverhalten sehr gut miteinander verbindet, machen ihn sicher, berechenbar und sogar unterhaltsam.
Ist er das richtige Auto für Sie?
Der Hyundai Kauai EV bleibt eine der besten Wahlmöglichkeiten für alle, die einen elektrischen SUV/Crossover suchen. Ausschlaggebend sind der effiziente Elektroantrieb, der eine Nutzung ohne grosse Reichweitensorgen ermöglicht, und die umfangreiche Ausstattung.
In dieser Variante werden Reichweite und Leistung gegen einen günstigeren Preis eingetauscht: Sie startet bei 36 005 Euro, während die stärkere Version 40 775 Euro kostet. Tatsächlich scheint man bei diesem „Tausch“ nicht allzu viel einzubüssen.
Wer häufiger längere Strecken fahren möchte, ist mit der 64-kWh-Version allerdings weiterhin besser beraten: Sie bietet eine angegebene Reichweite von 484 km, gegenüber 305 km bei dieser Variante.






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