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Der neue Audi TT im ersten Test

Blauer Audi TT fährt kurvenreiches Bergstraße bei Sonnenuntergang in trockenem Landschaftsgebiet.
In diesem Artikel
  1. Audi TT: Design, Abmessungen und Leichtbau
  2. Virtual Cockpit und Vernetzung im Audi TT
  3. Audi TT im Fahrvergleich mit BMW, Mercedes und Porsche

Entschuldigung für den wenig euphorischen Einstieg, aber darf man vom Design des neuen TT ein wenig enttäuscht sein?

Das muss jede und jeder selbst entscheiden – nachvollziehbar wäre diese spontane Reaktion jedenfalls. Der verantwortliche Exterieur-Designer Jurgen Loffler sagte gegenüber TG.com jedoch: „Wenn man ein Auto geschaffen hat, das wie der TT aussieht, würde man dann wirklich alles verwerfen und von vorne beginnen?“

Audi TT: Design, Abmessungen und Leichtbau

Ein berechtigter Einwand. Immerhin ist der TT nicht deutlich größer geworden: Mit 4,18 m Länge entspricht er fast exakt seinem Vorgänger, auch die Höhe blieb unverändert. Der Radstand wuchs um 37 mm, der Kofferraum bietet mehr Platz und die Überhänge fallen kürzer aus. Matrix-LED-Scheinwerfer sind optional erhältlich und lassen den Wagen noch entschlossener wirken als die serienmäßigen Leuchten.

Die Farbauswahl wurde ebenfalls erweitert. Erwartungsgemäß sieht der neue TT in Stahlgrau auf 20-Zoll-Rädern am besten aus, während er in Gelb etwas schmächtig erscheint. Jurgen bekennt sich als Fan des Porsche 911 – sowohl der ursprünglichen Generation als auch der aktuellen 991-Ausführung. „Ich schätze, der TT ist unser 911“, ergänzt er als weitere Begründung für diese behutsam weiterentwickelte dritte Generation. Hoffentlich folgt ein 553-bhp-Biturbo.

Also keine bloß oberflächliche optische Auffrischung?

Nein. Der komplett neue TT ist genau das. Effizienz zählt zwar zu den zentralen Schlagworten, Audi betont aber zugleich die starke Fahrerorientierung und den hohen Spaßfaktor. Auf Basis des scheinbar grenzenlos anpassbaren MQB-Baukastens des VW-Konzerns – dem modularen Querbaukasten – bringt der 2,0-Liter-TFSI 1230 kg auf die Waage. Das sind 50 kg weniger als beim vergleichbaren Vorgängermodell. Der quattro wiegt 1410 kg, was ebenfalls ein guter Wert ist.

Die Karosserie ist um 23 Prozent steifer und kombiniert Aluminium mit hochfestem Stahl. Das reduziert das Gewicht, optimiert den Schwerpunkt und schöpft gleichzeitig die Vorteile bei der passiven Sicherheit aus. Clevere Konstruktion.

Virtual Cockpit und Vernetzung im Audi TT

Gibt es innen ebenfalls viel Technik?

Und wie. Das große Thema heißt Virtual Cockpit: Es ersetzt den zentralen Bildschirm, während der Fahrer die Anzeige auf einem 12,3-Zoll-Display im Kombiinstrument durchblättern und individuell konfigurieren kann. Dafür stehen die Oberflächen „Infotainment“ und „Classic“ zur Verfügung. Der erste Eindruck: Audi könnte hier tatsächlich etwas grundlegend Neues geschaffen haben.

Gemeinsam mit Nvidia stellt Audi genügend Rechenleistung bereit, um acht Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde auszuführen. Die Vielzahl der Funktionen lässt sich über Tasten am Lenkrad oder den MMI-Drehregler durchgehen. Anfangs wirkt das verwirrend, mit zunehmender Gewöhnung dürfte es jedoch einfacher werden. Die Darstellung der Navigation mit Google Earth und Street View ist derart hochauflösend, dass sogar abgestellte Autos und Bäume präzise angezeigt werden.

Vollständige Konnektivität ist verfügbar: Das Datenübertragungsmodul arbeitet zehnmal schneller als 3G. Zudem kann der TT umfassend mit dem Smartphone verbunden werden und Musik streamen. Alle TT für Großbritannien verfügen am Controller über Handschrifterkennung für Audio- und Navigationseingaben. Sie funktioniert, wirkt in diesem Umfeld aber seltsam altmodisch. Optional gibt es außerdem ein Bang-&-Olufsen-Soundsystem mit 12 Lautsprechern und 680 Watt.

Noch etwas: Das System lernt effektiv die am häufigsten verwendeten Telefonnummern und Ziele und kann Informationen hochladen. Wenn Audi nur Scarlett Johansson als Stimme des Autos lizenzieren könnte …

Das klingt ziemlich abgefahren. Aber werde ich diese ganze Technik tatsächlich nutzen?

Vielleicht, vielleicht auch nicht – beeindruckend futuristisch ist sie jedenfalls. Der neue TT tastet sich in Bereiche künstlicher Intelligenz vor. Zusammen mit seiner raffiniert neu gedachten Klimatisierung sowie der erwartungsgemäß hochwertigen Verarbeitung und den Materialien wird der Innenraum zu einem entscheidenden Alleinstellungsmerkmal.

Zugleich ist dies das erste Auto, bei dem die grundsätzliche Debatte über Datenschutz unangenehm präsent wird. Gerade in Deutschland ist das ein besonders heikles Thema – man erinnere sich daran, als der US-Geheimdienst NSA beim Ausspähen der Telefonate von Bundeskanzlerin Angela Merkel ertappt wurde. Audi ist sich der Sensibilität beim Datenschutz selbstverständlich bewusst. Wenn man im Stau auf der M25 so viele Funktionen zum Ausprobieren hat, wird das allerdings kaum eine Rolle spielen. Nur keine anzüglichen Selfies an das MMI des TT senden.

Audi TT im Fahrvergleich mit BMW, Mercedes und Porsche

Danke für die Warnung. Können wir jetzt bitte über das Auto sprechen? Kann sich der TT gegen BMW 235i, Mercedes SLK und Porsche Cayman behaupten?

Ja, und möglicherweise sogar überraschend gut – abhängig davon, wie viel Vorbehalt man gegenüber Audi mitbringt. Der voraussichtlich meistverkaufte 2,0-Liter-TFSI mit 228 bhp ist ein echter kleiner Kracher. Federungskomfort und Dämpfung zeigen, dass die früher hölzernen und polternden Audi endgültig der Vergangenheit angehören.

Ein natürlicheres Lenkgefühl wäre zwar wünschenswert, und das S-tronic-Doppelkupplungsgetriebe kann bisweilen künstlich wirken. Dennoch ist der TT schnell, souverän und deutlich interaktiver, als man erwarten würde – unabhängig davon, ob als Fronttriebler oder quattro. Er agiert spürbar agiler als zuvor, besitzt eine angenehm präzise Vorderachse und muss kräftig gefordert werden, bevor der Grip nachlässt. Auch die Bremsen überzeugen.

Mit Automatik beschleunigt er schneller auf 100 km/h, nämlich in 5,3 Sekunden. Das manuelle Getriebe fährt sich dagegen angenehmer und ist effizienter: 5,9 l/100 km im kombinierten Verbrauch bei 137 g/km CO2. Das System Drive Select passt Gasannahme, Klang und Lenkreaktion über die Modi Comfort, Dynamic, Efficiency, Auto und Individual an. Frontgetriebene TT erhalten ein elektronisches Differenzial, quattro-Versionen Torque Vectoring; zusätzlich sind magnetische Dämpfer erhältlich. Das ergibt eine verwirrende Fülle an Möglichkeiten, doch die mechanischen Grundlagen darunter sind wirklich überzeugend.

Taugen die anderen Varianten ebenfalls etwas?

Ja. Dienstwagenfahrer sollten sich den 183-bhp-2,0-TDI ultra ansehen: Sein kombinierter Verbrauch von 4,2 l/100 km und 110 g/km CO2 sind im Hinblick auf die Dienstwagenbesteuerung eine verlockende Kombination. Für ein Coupé bleibt Benzinantrieb zwar die bevorzugte Wahl, doch bei diesem Diesel wirkt es nicht, als wäre die Vorderachse mit Beton überzogen. Auch das Sechsgang-Schaltgetriebe überzeugt.

Aus Gründen der Emissionen und Wirtschaftlichkeit setzt Audi weiterhin auf aufgeladene Vierzylinder. Daher ist der 309-bhp-TTS derzeit die temperamentvollste Variante; nach Großbritannien kommt er erst im nächsten Frühjahr. TG.com fuhr ihn ausschließlich auf dem Ascari-Rundkurs, wo er sich auf der Rennstrecke deutlich wohler fühlte als jeder frühere TT. Nur das S-tronic-Getriebe trübt den Eindruck.

Also überwiegend gute Nachrichten?

Ja. Der neue TT TFSI Sport startet bei £29,860, der TTS bei £38,900. Noch immer ist er nicht so präzise wie seine Rivalen von BMW oder Porsche, und Audi hätte beim Exterieur mutiger sein können. Als Gesamtpaket ist er jedoch äußerst verlockend und treibt das technische Wettrüsten in hohem Tempo voran. Allein das wird ihm ein garantiertes Publikum sichern.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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