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Warum der Jaguar Type 00 so viele Menschen verwirrt

Heckansicht eines futuristischen Jaguar-Elektroautos mit markanten roten LED-Leuchten bei Nacht.
In diesem Artikel
  1. Warum der Jaguar Type 00 so viele irritiert
  2. Konzeptautos folgen ihrer eigenen Logik
  3. Wie nahe der Type 00 dem Serienmodell kommen wird

Er flog eher unter dem Radar, daher habt ihr es vielleicht nicht bemerkt: Jaguar hat diese Woche offenbar ein Konzeptauto vorgestellt?

Ja, gut: Die Enthüllung des demonstrativ rosafarbenen Type 00 – meines Wissens das erste Konzeptfahrzeug, das seit dem Mazda Strong Wholemeal von 1989 nach einer Mehlsorte benannt wurde – konnte die wütende Debatte, die seit Jags Werbung vor einigen Wochen lodert, keineswegs beruhigen. Eher goss sie noch ein paar Liter rosafarbenen Farbverdünner ins Feuer.

Möglicherweise war genau das Jags Absicht. Aufmerksamkeit wollten sie, Aufmerksamkeit bekamen sie. Zornige, geifernde Wut? Davon gab es ebenfalls reichlich. Zurückhaltend formuliert: Viele Menschen scheinen den Type 00 … ziemlich verwirrend zu finden.

Warum der Jaguar Type 00 so viele irritiert

Weshalb also dieser kollektive öffentliche Ausbruch der Ratlosigkeit? Ein Teil der Online-Kommentare erklärt es damit, dass der Type 00 eine abscheuliche Entweihung all dessen sei, was Grossbritannien am meisten schätzt, ein Angriff auf unsere gesamte Zivilisation. Leute! Beruhigt euch! Ihr schreit ein grosses rosafarbenes Elektroauto an!

Doch es gibt noch einen anderen Grund, der die allgemeine Verwirrung meines Erachtens zumindest teilweise erklärt: Konzeptautos sind doch irgendwie seltsam, oder?

Das grosse Jaguar-Rebranding zählt zu jenen seltenen Geschichten aus der Autoindustrie, die aus unserer sonderbaren kleinen Internetblase in den Mainstream gelangen. Der Type 00 schaffte es auf die Startseite praktisch jeder grossen Nachrichtenwebsite in Grossbritannien – und vieler weiterer. Dabei zeigt sich: Was Autoleute für normal halten, wirkt auf gewöhnliche Menschen keineswegs normal.

Nehmen wir etwa das Konzept eines Konzeptautos, wenn ihr versteht, was ich meine. Nach der aufgeregten Reaktion auf die autolose Werbung lautete Jags Antwort: „Wartet ab, bis ihr das Auto seht.“ Für viele ganz normale Menschen klang das wenig überraschend so, als würde ihnen als Nächstes ein echtes Auto gezeigt, das sie tatsächlich kaufen könnten.

Stattdessen bekamen sie eine „Designvision als Konzept“, welche einen „Vorgeschmack auf eine künftige Generation von Jaguars“ darstellen soll. In der Autowelt ist das keine völlig abwegige Idee. In der realen Welt hingegen schon sehr.

Konzeptautos folgen ihrer eigenen Logik

Als die Fotos des Type 00 am Montagabend online durchsickerten, regten sich zumindest ein paar grosse Tageszeitungen über nun ja, fast alles daran auf – besonders jedoch über den fehlenden Tacho auf dieser Aufnahme:

Ich meine: Wenn wir schon Haare spalten, fehlen im Innenraum des Type 00 noch einige andere Dinge. Etwa „buchstäblich jeder einzelne Knopf oder jede Art von Bedienelement“. Sich beim Type 00 über den Tacho zu sorgen, ist ein wenig so, als würde man sich fragen, ob die Welpen aus Paw Patrol sicher gechippt wurden: Klar, das ist ein Anliegen. Aber es sind auch sprechende, verbrechensbekämpfende junge Hunde, die Autos fahren, also …

Es wäre leicht, herablassend zu sein. Das werde ich aber nicht – abgesehen vom vorigen Absatz. Denn mit etwas Abstand betrachtet ist ein Konzeptauto doch eine grundsätzlich verrückte Idee, oder? Seht her, unser neues Auto! Nein, wir werden es nicht bauen! Womöglich bauen wir aber irgendwann ein Auto, das ihm in manchen Punkten ähnlich sieht!

Gibt es das in anderen Branchen? Wenn Dualit einen neuen Toaster plant, präsentieren sie meines Wissens nicht zuerst einen Konzepttoaster mit aufregend geschwungenen Formen, ohne auch nur einen Schlitz fürs Brot, der aber vielleicht so etwas wie die aristotelische Essenz dieses künftigen Toasters in sich trägt. Das wäre verrückt.

Bei Autos spielen wir dieses Spiel allerdings mit. Zumindest wir Autoleute. Normale Menschen eher nicht. Welche Elemente soll man ernst nehmen, und welche nur mit einer grossen Prise rosafarbenem Salz? Das ist eine berechtigte Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt.

Wie nahe der Type 00 dem Serienmodell kommen wird

Zumindest gestalterisch scheint die Serienversion des Type 00 dem Konzept sehr nahe zu kommen. Dennoch wird sie ihm nicht so treu bleiben. Das echte Fahrzeug wird zunächst einmal vier Türen haben. Und einen Tacho. Und Kennzeichentafeln. Und vermutlich Radkästen, die etwas Federweg zulassen.

Mir ist klar, dass ich damit Eulen nach Athen trage. Ihr seid auf TopGear.com. Ihr versteht Konzeptautos. Ihr werdet eigene, sehr entschiedene Ansichten zum Type 00 haben – Gründe, die völlig unabhängig davon sind, wie serienreif dieses Konzept letztlich ist.

Aber habt Nachsicht mit jenen, die das nicht tun. Jags grosses Rebranding zu verstehen, ist schon kompliziert genug, ohne zusätzlich die grundsätzliche Seltsamkeit von Konzeptautos begreifen zu müssen …

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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