EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vor dem Europäischen Parlament in Straßburg ein neues Förderprogramm für die europäische Wirtschaft angekündigt. Es stützt sich auf vier Säulen: Energie, Wohnen, Automobilität und Ernährungssicherheit. Damit sollen die Lebenshaltungskosten der Menschen in Europa sinken.
EU-Initiative für kleine und leistbare Elektroautos
Für den Bereich Automobilität steht der Name des Programms bereits fest: Small Affordable Cars Initiative, frei übersetzt „Initiative für kleine und leistbare Autos“. Gedacht ist sie als eine Art europäisches „Volksauto“. Einzelheiten dazu sollen in den kommenden Wochen bekannt werden.
In ihrer Rede vor den EU-Abgeordneten betonte von der Leyen, dass die Automobilität von zu großer strategischer Bedeutung sei, um sie der Konkurrenz von außerhalb Europas zu überlassen. „Ich glaube, Europa sollte sein eigenes E-Auto haben“, sagte sie bei der Vorstellung der neuen Initiative.
Entstehen soll ihren Angaben zufolge ein Elektroauto, das drei Anforderungen erfüllt: Es soll umweltfreundlich sein, also sauber, effizient und leicht; wirtschaftlich, also für alle leistbar; und europäisch, also auf dem Kontinent mit lokalen Lieferketten produziert. Ihre Botschaft war deutlich: „Wir dürfen nicht zulassen, dass China und andere diesen Markt erobern.“
Mit der Förderung kleiner, leistbarer Elektroautos will die Kommission sowohl auf die steigende Nachfrage reagieren als auch Millionen europäischen Konsumentinnen und Konsumenten günstigere Alternativen bieten. Für von der Leyen ist dies der nächste Schritt nach der bereits zu Jahresbeginn beschlossenen Lockerung der Emissionsziele für 2025. Darauf soll nun eine Neubewertung der Ziele für 2035 folgen.
Forderungen von Renault und Stellantis
Die Ankündigung wirkt wie eine Antwort auf Forderungen von Renault und Stellantis, die sich seit Monaten für eine eigene Kategorie kompakter Elektrofahrzeuge einsetzen. Diese als „E-Auto“ oder Klasse M0 bezeichnete Fahrzeugklasse orientiert sich an den beliebten japanischen Kei-Cars.
Beim Forum „Future of the Car“ der Financial Times kritisierten Stellantis-Chef John Elkann und der ehemalige Renault-Chef Luca de Meo die aus ihrer Sicht übermäßige Regulierung der Automobilindustrie: Bis 2030 seien mehr als 100 neue Vorschriften vorgesehen. Sie forderten eine klarere, wirksamere und weniger zersplitterte Industriestrategie.
Geteilte Reaktionen in Straßburg
Nicht bei allen EU-Abgeordneten stieß der Vorschlag auf Zustimmung. Laut Politico wurde die Ankündigung im Plenarsaal mit Buhrufen aufgenommen, insbesondere von Mitgliedern der Europäischen Volkspartei (EVP). Sie zählen zu den wichtigsten politischen Verbündeten der Industrie, wenn es um weniger strenge Emissionsziele und den Erhalt des Verbrennungsmotors über 2035 hinaus geht.
Die Kritik fällt in eine Zeit, in der einige Hersteller vor einer hinter den Erwartungen zurückbleibenden Nachfrage nach Elektroautos warnen und von der Kommission mehr Zeit und Flexibilität verlangen. Von der Leyen machte dagegen deutlich, dass es kein Zurück gebe: „Die Zukunft ist elektrisch. Und Europa wird Teil davon sein. Die Zukunft der Autos – und die Autos der Zukunft – müssen in Europa gemacht werden.“
Ein starkes politisches Signal
Die neue Initiative ist mehr als ein technisches Programm: Europa signalisiert damit, dass es in einem von der chinesischen Industrie dominierten Segment wieder eine führende Rolle einnehmen will. Chinesische Hersteller bieten auf dem Weltmarkt bereits kompakte und leistbare Elektromodelle an.
Der Wettbewerb dürfte sowohl wirtschaftlich als auch industriell geführt werden und sich unmittelbar auf europäische Fabriken, Lieferketten und die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autobranche auswirken. Allein in Deutschland gingen zwischen Juni 2024 und Juni 2025 mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren.






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