Viele Dinge verbinden die USA und Europa: die Musik, die wir hören, die Filme, die wir sehen, die Technik, die wir nutzen, und selbst unsere Essgewohnheiten. In der Autowelt waren die Unterschiede jedoch seit jeher grösser als die Gemeinsamkeiten.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Sportwagen. Auf dem „Alten Kontinent“ setzte man häufig auf kompakte, hochentwickelte Motoren, geringes Gewicht und bis ins kleinste Detail abgestimmte Fahrwerke. Die traditionelle US-Formel sah anders aus: Hubraum, Leistung und ein klarer Fokus auf Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit.
Dennoch gibt es Augenblicke, in denen sich beide Schulen annähern. Genau das passiert beim neuen Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung und beim Ford Mustang GTD. Beide verfügen über einen V8, Hinterradantrieb und reichlich Carbon und wurden mit Blick auf die Rennstrecke entwickelt. Ein Vergleich liegt daher nahe.
Nahezu gleich gross
Die Zeiten, in denen US-Autos wesentlich grösser als europäische Modelle waren, sind längst vorbei. Der Massstab macht das beim Vergleich dieser beiden Fahrzeuge aus Affalterbach und Detroit deutlich.
Obwohl ihre Formensprache klar auseinandergeht – der Deutsche ist ein elegantes Coupé in extremer Ausprägung, während der Amerikaner Anleihen beim ursprünglichen Mustang nimmt –, fällt der CLE etwas länger aus. Der Mustang ist dagegen deutlich breiter. Besonders interessant ist ein weiterer Wert: Der Radstand des GTD ist um 155 mm kürzer.
Auch beim Gewicht zeigen sich die unterschiedlichen Philosophien. Mercedes-AMG sparte gegenüber dem als Basis dienenden CLE 53 rund 170 kg ein. Dafür entfielen die Rücksitze, ein Teil der Geräuschdämmung und einige Ausstattungsdetails; zudem kommt Carbon umfangreich zum Einsatz.
Auch der Mustang GTD verzichtet auf hintere Sitzplätze. Den frei gewordenen Raum nutzt er jedoch, um die Hinterradaufhängung sichtbar zu machen. Der Schwerpunkt lag vor allem auf der Gewichtsverteilung: Das Getriebe sitzt an der Hinterachse, um eine Verteilung nahe 50:50 zu erreichen.
Die Unterschiede beschränken sich nicht auf die Waage. Der CLE 646 setzt auf Hinterradantrieb, ein elektronisches Sperrdifferenzial und ein von KW entwickeltes Coilover-Fahrwerk. Der GTD verfolgt ein noch exotischeres Konzept – mit hinten montiertem Doppelkupplungsgetriebe sowie Pushrod-Aufhängung und adaptiven Multimatic-DSSV-Dämpfern.
Auch die Reifen bringen das Duell gut auf den Punkt: Beim AMG messen sie vorne 305/30 ZR20 und hinten 335/30 ZR20; der Mustang fährt 325 beziehungsweise 345 mm breite Pneus. Der Amerikaner bringt also nicht bloss mehr Leistung in diesen Vergleich, sondern auch mehr Gummi, um sie auf den Asphalt zu übertragen.
V8 gegen V8: Mercedes-AMG CLE 646 und Ford Mustang GTD
Ein weiterer gemeinsamer Nenner der europäischen und amerikanischen Schule ist der Antrieb: ein V8.
Im CLE 646 debütiert eine neue Ausbaustufe des 4,0-Liter-Biturbo-V8 von AMG. Sie besitzt eine flache Kurbelwelle und leistet 646 PS sowie 850 Nm. Der Mustang GTD kontert mit einem per Kompressor aufgeladenen 5,2-Liter-V8, der 826 PS und 900 Nm entwickelt.
Der Abstand ist kaum zu übersehen: Der Mustang verfügt über 180 PS und 50 Nm mehr. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit liegt er vorne, mit 325 km/h gegenüber 310 km/h beim Mercedes-AMG.
Flügel spielen ebenfalls eine Rolle
Eines tun diese beiden Fahrzeuge ganz sicher nicht: ihre Absichten verbergen. Der riesige Heckflügel des Mercedes-AMG dient nicht nur der Optik. Er ist verstellbar und arbeitet mit dem Frontdiffusor sowie dem glatten Unterboden zusammen. Bei Höchstgeschwindigkeit erzeugt das Paket mehr als 250 kg Abtrieb.
Der Mustang GTD treibt dieses Konzept noch weiter. Mit dem Performance Package erhält er einen grösseren Heckflügel, ein Drag-Reduction-System, vordere Flaps und zusätzliche Aerodynamik-Elemente. Das gesamte Paket wurde darauf ausgelegt, Abtrieb und Höchstgeschwindigkeit in Einklang zu bringen.
Letztlich wirkt keine der beiden Rezepturen grundsätzlich besser als die andere. Der Mustang GTD zeigt, wie weit die amerikanische Schule die klassische V8-Formel treiben kann. Der CLE 646 wiederum belegt, dass der europäische Ansatz – weniger Gewicht, präzisere Abstimmung und viel Ingenieurskunst – weiterhin reichlich überzeugende Argumente hat.
Bei den Preisen ist ein Sieger schwer auszumachen, da Mercedes-AMG nicht bekannt gegeben hat, welchen Betrag die Kundschaft für jeden verkauften CLE 646 bezahlen musste. Das spielt allerdings kaum eine Rolle: Die auf 30 Exemplare begrenzte Produktion war bereits vor der Weltpremiere des Modells vollständig ausverkauft.
Der Mustang GTD wird zwar nicht in einer derart kleinen Stückzahl gebaut, startet in den USA aber bei 327 960 Dollar. In Europa kann sein Preis wegen der Steuern auf mehr als 400.000 Euro steigen. Das ist deutlich mehr als das Dreifache dessen, was Ford in Portugal für den herkömmlichen Mustang verlangt. Das sagt bereits alles.






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