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Ford Transit Custom vs VW Transporter T7 vs Vauxhall Vivaro: der große Diesel-Transporter-Test

Drei moderne Transporter von vorne auf dreispuriger Straße bei bewölktem Himmel unterwegs.
In diesem Artikel
  1. Ford Transit Custom, VW Transporter T7 und Vauxhall Vivaro im Vergleich
  2. Mehrstopp-Lieferung: Stoppuhr, Pakete und rutschiger Asphalt
  3. Handling mit und ohne 350 kg Zuladung
  4. Komfort und Bedienung im Transporter-Alltag

Dieser Test ist der wichtigste, den Sie gerade lesen werden. Warum? Weil es um Transporter geht: die Arbeitstiere des britischen Fuhrparks, das Nervensystem der Auftragsabwicklung und die dieselbetriebene Grundlage Ihrer Online-Shopping-Gewohnheiten. Sie selbst oder jemand, den Sie kennen, besitzt einen Transporter. In Städten sind sie wie Ratten – man ist nie weiter als 49 Meter von einem entfernt. Und ihre Zahl steigt weiter. 2024 waren in Großbritannien rund 4,6 Millionen Transporter zugelassen: einer auf jeweils 15 Einwohner. Allein vom Ford Transit sind mehr als 960.000 Fahrzeuge zugelassen und auf dem Straßennetz unterwegs. Ja, Transporter also: die wichtigsten Fahrzeuge, die man nie wahrnimmt ...

Tatsächlich halten Transporter alles am Laufen. Sie helfen kleinen Unternehmen, dem Baugewerbe und dem Handel und sorgen dafür, dass Ihre fragwürdigen Schnäppchen aus Sweatshops beinahe sofort geliefert werden. Beim Rätsel der „letzten Meile“ sind sie unverzichtbar. Wer glaubt, Transporter hätten sich über die Jahre kaum verändert, liegt falsch. Sie sind sauberer, besser ausgestattet, fahren sich besser und halten – zumindest teilweise – länger als je zuvor.

Bemerkenswert ist allerdings, dass laut Statistik weiterhin 96 Prozent aller Transporter konsequent mit Diesel fahren. Elektrotransporter stellen im aktuellen Transporter-Bestand lediglich ein Prozent. Deshalb sehen wir uns drei der beliebtesten mittelgroßen Dieseltransporter am Markt an, um herauszufinden, welcher der beste ist. Natürlich hätten wir Tabellenkalkulationen und Wissenschaft einsetzen können. Stattdessen entschieden wir uns in bester Top-Gear-Tradition professionellen Chaos für taktische Dummheit und unpräzise eingesetzte Smartphone-Stoppuhren. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

Fotos: Jonny Fleetwood

Ford Transit Custom, VW Transporter T7 und Vauxhall Vivaro im Vergleich

Zunächst stellen wir die Kandidaten vor. Der Transit braucht kaum eine Einführung: In seinen verschiedenen Ausführungen ist er der beliebteste Transporter Großbritanniens. Der hier getestete einfache Transit Custom ist die gefragteste Karosserievariante. Er verbindet eine großzügige Nutzlast mit Abmessungen, die noch in Parkhäuser sowie durch städtische Fahrbahneinengungen passen, und bietet trotzdem genug Platz für drei Personen in leuchtend oranger Schutzkleidung.

Dass der hier stehende VW Transporter diesem Ideal sehr nahekommt, überrascht daher nicht. Eigentlich kommt er ihm sogar mehr als nahe, denn es ist derselbe Transporter mit etwas Badge Engineering und einer anderen Ausstattung. Richtig: Der VW Transporter T7 ist ein Transit Custom. Oder vielleicht umgekehrt. Beide werden jedenfalls in Fords Werk in der Türkei gebaut, gewissermaßen von einem leicht verrutschten Fotokopierer. Entsprechend haben sie dieselben Motoren, Getriebe und Karosserien – darüber kommt nur eine Schicht VW- oder Ford-Optik. Eigentlich müssten sie also praktisch identisch sein.

Unser dritter Kandidat ist im selben Sinn ein Kontrollobjekt – und zugleich der vierte, fünfte, sechste und siebte Teilnehmer. Denn der Vauxhall Vivaro ist Stellantis' Kastenwagen auf gemeinsamer Plattform, lediglich mit herstellerspezifischem Zierrat. Der Vivaro ist also auch Citroën Jumpy, Peugeot Expert, Fiat Scudo und Toyota Proace, jeweils mit anderem Gesicht. Und er ist ein solider Transporter. Er kostet deutlich weniger als die beiden anderen, hat etwas weniger Leistung und ein manuelles Getriebe, während die anderen beiden Achtgang-Automatikgetriebe besitzen. Die entscheidenden Zutaten bringt er dennoch mit.

Klar, es warten Herausforderungen. Eine Mehrstopp-Lieferetappe mit zusätzlicher Rutschflächen-Schleuderplatte, Runden gegen die Uhr auf einem speziellen Handlingkurs – jeweils beladen und unbeladen – sowie eine Gymkhana für Komfort und Bedienbarkeit. Keiner unserer beiden Tester war darüber informiert, darauf vorbereitet oder überhaupt dazu fähig. Aber man arbeitet eben mit dem Material, das man hat. Die Mehrstopp-Lieferung klang zunächst einfach: Auf dem rutschigen Abschnitt anhalten, ein Paket finden und zustellen, rückwärts um eine Ecke fahren, wiederholen.

Mehrstopp-Lieferung: Stoppuhr, Pakete und rutschiger Asphalt

Im Sport-Modus – ja, er hat fahrzeugähnliche Modi – war der Transit erwartungsgemäß am schnellsten vom Start weg. Begleitet von brummendem Durchdrehen der Räder ging es los; zu hohes Tempo in der Bremszone wurde mit mehreren Metern ABS-ratterndem Überschießen bestraft. Der andere Ford im Test legte sich also etwas zu entschlossen ins Zeug. Stand er aber erst richtig, ließen sich Pakete ausreichend gut durch die einzelne seitliche Schiebetür auf der Beifahrerseite oder die um 90° öffnenden Hecktüren erreichen. Die „Zustellung“ geriet dabei zu einem praktischen Wurf in Richtung des nächsten Hauses. Das wirkt wenigstens realistisch. Serienmäßiger schlüsselloser Zugang und Startknopf helfen hier, außerdem gibt es einen Liefermodus: Er aktiviert automatisch die Warnblinkanlage und verriegelt den Transporter, sobald man sich entfernt. Praktisch. Rückwärts ging es dank Rückfahr- und Vogelperspektivkameras schnell und unkompliziert; die Automatik ist hilfreich und für den Stop-and-go-Albtraum passend abgestuft. Der Ford lieferte mit 3:02 insgesamt eine überzeugende Vorstellung ab.

Der VW hätte sehr ähnlich sein müssen. War er aber nicht. Im Sport-Modus fuhr er spürbar gelassener an, machte auf dem Haftungsarmen Bremsabschnitt jedoch einen McRae und kam in deutlich spektakulärerer Gegenlenk-Haltung an als der Transit. Das sah gut aus, würde auf der Einkaufsstraße aber vermutlich strenge Blicke auslösen. Die Pakete fanden auf dieselbe gewaltsame Weise ihren Platz, und beim Rückwärtsfahren entsprach der VW dem Ford exakt: Dank Kamerasystemen ging es leicht und präzise. Mit 3:10 war er insgesamt langsamer, aber weiterhin problemlos zu fahren.

Damit zum Vivaro, der ... viel besser war als erwartet. Er hat einen echten Schlüssel und ein Zündschloss, was ihn aber kaum verlangsamte. Eine gut abgestimmte Kupplung und Schaltung machen ihn sehr einfach zu fahren; er bremst geradeaus sauber und lässt sich unkompliziert rückwärts manövrieren. Darüber hinaus besitzt der Vivaro Schiebetüren auf beiden Seiten, was ihn beim Beladen und beim Zugang deutlich praktischer macht. Mit 3:20 war er langsamer als die anderen beiden, allerdings nicht wesentlich. Der größte Teil des Rückstands ging darauf zurück, dass Ollie Kew beim Aussteigen ungelenk zu Boden fiel und die reibungsarme Lieferarena durchquerte, als hätte er einen peinlichen Unfall gehabt. Das zeigt nur: Beim Fahren eines Transporters sollte man stets Stiefel tragen und keine Temu-Pumas.

21 Minuten 46 Sekunden

Handling mit und ohne 350 kg Zuladung

Der zweite Test betraf das Handling. Auf einer eigens dafür vorgesehenen Strecke stoppten und bewerteten wir alle drei Transporter sowohl leer als auch vollgestopft mit Rädern und Reifen – rund 350 kg quietschendes Gummi, Balance der Kräfte und volle Attacke. Der Transit war mit einer Gesamtzeit von 1:59 der schnellste und fühlte sich am stärksten wie ein Pkw an. Unbeladen hob er das kurveninnere Rad wie ein unglaublich wabbeliger Fiesta ST, mit Ladung blieb er angenehm verlässlich. Der VW war ruhiger und souveräner, aber mit einer addierten Zeit von 2:06.4 langsamer. Dafür veränderte er sich mit oder ohne Zuladung am wenigsten.

Der Vauxhall war mit 2:06.3 der langsamste, fühlte sich mit dem Heck voller wichtiger Liefergegenstände, deren Herkunft niemand genau erklären konnte, aber deutlich satter auf der Straße an. Erwähnenswert ist, dass Transit und VW mit zusätzlichem Gewicht tatsächlich schneller waren. Das kann an zunehmender Streckenkenntnis, einer beruhigteren Hinterachse oder allgemeiner Unfähigkeit gelegen haben.

Komfort und Bedienung im Transporter-Alltag

Nun zum letzten Test: dem Durcheinander aus Komfort und Bedienbarkeit. Dafür fuhren wir über rund 3,2 Kilometer Kopfsteinpflaster und große Bodenwellen, während wir verzweifelt versuchten, die verschiedenen Touchscreens und Ablagen zu nutzen und Aufgaben zu erledigen. Dazu gehörten Jonglieren, der Transport eines Tabletts mit Getränken in den dünnsten Plastikgläsern, die die Wissenschaft kennt, die filigrane Zubereitung eines Schinkenbrots, das Aufbrühen einer Tasse heißen Tees sowie das Singen der größten Whitney-Houston-Hits. Leider war das Fahrverhalten des jeweils anderen Testers einer der begrenzenden Faktoren und erwies sich als etwas voreingenommen. Zeiten gibt es hier nicht, denn es ging um das „Gefühl“ und subjektive Punkte.

Wiederum zeigte sich der Transit solide: mit angemessener Dämpfung und einem Innenraum voller Fächer und Ablagen für Packungen billigen Schinkens. Immerhin ein wichtiger Maßstab. Das Fehlen physischer Tasten nervt unterwegs allerdings erheblich. Alles läuft über den zentralen Touchscreen, dessen Menülogik komplizierter ist als das Telefonsystem von HMRC. Er ist außerdem etwas laut, reagierte selbst auf den größten Bodenwellen aber verlässlich. Man versteht, warum diese Fahrzeuge so beliebt sind.

„Wenn Sie einen Transporter suchen, in dem Sie 36 hauchdünne Getränkegläser mit 72 km/h über Bodenwellen transportieren können, ist der VW die richtige Wahl“

Der Vivaro war auf dem Wellenabschnitt deutlich härter – teils hob er ab –, auf dem Kopfsteinpflaster nochmals lauter und litt massiv unter Vordersitzen, die den gesamten Erholungseffekt einer durchschnittlichen hölzernen Kirchenbank bieten. Wer den ganzen Tag darin verbringt, wird das als absoluten K.-o.-Punkt empfinden. Er hat aber einige nette Details: etwa einen hochklappbaren Beifahrersitz wie im Kino und Stauraum unter dem mittleren Sitz für ganze Laibe Brot und mehrere Orangen. Außerdem gibt es für einige Funktionen echte Tasten und Drehregler in Echtzeit, was die Bedienung während der Fahrt wesentlich sicherer macht.

Am meisten überzeugte hier jedoch der Transporter. Erneut war er ruhiger, geschmeidiger und wirkte seltsamerweise teurer als der Transit – besonders beim mobilen Teekochen. Dieser Eindruck wird durch Kleinigkeiten gestützt, etwa Hinterradhausverkleidungen, die dem Transit fehlen, sowie zusätzliche Verkleidungsteile über den hinteren Kennzeichenleuchten. Er war vielleicht nicht so schnell wie der Ford, doch der VW fühlte sich hochwertiger und entspannender an, besonders auf langen Fahrten und über belgisches Pflaster. Das Multimedia-System bleibt allerdings wiederum gefährlich unerquicklich.

Der Vivaro ist beim Preis-Leistungs-Verhältnis schlicht nicht zu schlagen. Er ist robust, praktisch und erstaunlich leicht zu fahren; wenn das eigene Geld auf dem Spiel steht, kann er mit erheblich teureren Transportern mithalten. Die Sitzposition können wir ihm aber nicht verzeihen: Wer zwölf Stunden täglich darin sitzt, hängt über dem Lenkrad wie eine schmelzende Kerze. Für den täglichen Einsatz ist er zudem weniger komfortabel als die beiden anderen, und selbst bei voller Gospel-Lautstärke hört man sich beim Singen von „I Will Always Love You“ kaum noch selbst.

Damit bleiben die nicht identischen Zwillinge. Transit Custom und Transporter T7 lassen sich schwer voneinander trennen. Der Transit ist ein hervorragend abgerundeter Transporter, der sich eher wie ein Auto als wie ein Lastenträger fährt – aber braucht man das bei einem Transporter wirklich? Auf der Rennstrecke mag es nützlich sein, doch wenn man nicht drei Orangen jonglieren kann, während man das Navi auf den örtlichen Jewson einstellt, wie gut ist er dann tatsächlich? Wer also einen Transporter sucht, in dem sich 36 hauchdünne Getränkegläser mit 72 km/h über Bodenwellen befördern lassen, sollte den VW wählen. Der Transporter wirkte entspannter und entspannender und ist etwas günstiger. Von beiden scheint der Transit daher der Sieger zu sein. Allerdings jener mit VW-Emblem. Doch der wahre Gewinner ist hier natürlich die Wissenschaft selbst.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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