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Porsche 550 J Fahrbericht: Der kleine Sportwagen von Hedley Studios

Blauer Porsche 550 Spyder mit Nummer 59 fährt auf Rennstrecke, Fahrer trägt große Schutzbrille.
In diesem Artikel
  1. Mein Gott, wie groß ist dieser Mann denn!?
  2. Hedley Studios – bitte wer?
  3. Moment, was war der 550 noch einmal?
  4. Was hat Hedley Studios für den 550 J umgesetzt?
  5. Zahlen bitte …
  6. Sitzt man darin überhaupt bequem?
  7. Wie fährt sich der Porsche 550 J?
  8. Das RS Pack will man aber unbedingt, oder?
  9. Darf ich damit auf die Straße?
  10. Ich bin ohnehin überzeugt. Was kostet er?

Mein Gott, wie groß ist dieser Mann denn!?

Das wäre wohl ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde, wenn hier ein echter Porsche 550 Spyder stünde. Tatsächlich sehen Sie jedoch einen normal großen Motorjournalisten neben dem Porsche 550 J von Hedley Studios im Maßstab 80 Prozent. Und der ist wirklich großartig.

Hedley Studios – bitte wer?

Kennen Sie noch The Little Car Company? Das Unternehmen wurde 2024 in Hedley Studios umbenannt und geriet anschließend für einige Jahre finanziell unter Druck. Inzwischen hat der ursprüngliche Gründer Ben Hedley die Firma gemeinsam mit neuen sowie zurückkehrenden privaten Investoren wieder übernommen. Dieser Deal soll die Zukunft des Unternehmens gesichert haben. Der 550 J ist nun die sechste Zusammenarbeit mit einem OEM, um einen klassischen Wagen im Kleinformat zu bauen.

Moment, was war der 550 noch einmal?

Gut, dass Sie fragen. Der Porsche 550 Spyder mit Mittelmotor war der erste von Porsche eigens als Rennwagen entwickelte Sportwagen. Seine Premiere feierte er 1953 und avancierte rasch zum Bezwinger deutlich stärkerer Gegner: Trotz seines vergleichsweise bescheidenen 1,5-Liter-Boxervierzylinders errang er überall Klassen- und Gesamtsiege.

Zwischen 1953 und 1956 entstanden rund 90 Exemplare des Originalmodells. Danach baute Porsche weitere 40 550A mit einem leichteren und verwindungssteiferen Gitterrohrrahmen. Letzterer bescherte Porsche mit dem Sieg bei der Targa Florio 1956 den ersten großen Erfolg im Sportwagenrennsport. Kein Wunder also, dass Originale heute für viele Millionen Pfund verkauft werden.

Was hat Hedley Studios für den 550 J umgesetzt?

Das J steht erwartungsgemäß für Junior. Hedleys kleiner Sportwagen ist 2,9 m lang und 1,2 m breit. Porsche gewährte den Briten umfassenden Zugang zu seinen Archiven. Nach dem Studium der ursprünglichen technischen Zeichnungen und einem 3D-Scan eines 550 in Originalgröße entwickelte Hedley für den 550 J eine Konstruktion mit Gitterrohrrahmen, ähnlich jener des 550A.

Auch die Vorderradaufhängung mit zwei Längslenkern und die Pendelachsen-Hinterachse von Porsche wurden übernommen. Ergänzt wird das Ganze allerdings durch moderne Brembo-Scheibenbremsen, Eibach-Federn und Bilstein-Dämpfer. Nicht schlecht.

Die verkleinerten Karosserieteile bestehen nun vollständig aus Kohlefaser. Sämtliche typischen 550-Merkmale sind aber vorhanden: die ausgeformten Kotflügel vorne und hinten, der einzelne Außenspiegel sowie die Lamellen über dem Motorraum. Womit wir bei einem auffälligen Detail wären: Ein luftgekühlter Motor fehlt eindeutig. Genauer gesagt fehlt jeder Verbrennungsmotor, denn wie alle Kreationen von The Little Car Company fährt auch dieses Modell elektrisch.

Zahlen bitte …

Der 550 J nutzt einen 48-Volt-Antrieb mit einem Elektromotor mit 11 PS und zwei kleinen Lithium-Ionen-Batterien mit jeweils 1,8 kWh. Da das Fahrzeug nur 330 kg wiegt, sind dennoch 64 km/h Höchstgeschwindigkeit und rund 48 km Reichweite möglich.

Wer für den Grand Prix im Garten mehr Leistung möchte, kann das optionale RS Pack bestellen. Damit steigen die Leistung auf 21 PS, die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h und die Reichweite auf 80 km. Möglich machen das zwei zusätzliche Batteriepakete.

Sitzt man darin überhaupt bequem?

Hedley zufolge bietet das Cockpit sogar mehr Beinfreiheit als das Original. Außerdem sollen zwei Erwachsene im Junior nebeneinander Platz finden. Das haben wir nicht überprüft, können aber bestätigen, dass ein großes Kind mit 185 cm Körpergröße problemlos hinter das Lenkrad passt.

Auch der Innenraum ist ausgesprochen gelungen: mit lederbezogenen Sitzen, einem Nardi-Holzlenkrad und Instrumenten, die exakt wie die Originale aussehen, nun aber alle wichtigen Informationen für ein kleines Elektroauto anzeigen. Die Fahrzeuge von Hedley Studios seien jedoch „nicht als sklavische Repliken gedacht“. Deshalb zitieren schön gefräste Ausführungen des Fahrstufenwählers und des Modus-Reglers moderne Porsche-Modelle.

Wie fährt sich der Porsche 550 J?

Natürlich drehen wir den Regler sofort auf Sport+, bevor es auf den Handling Circuit des Porsche Experience Centre in Silverstone geht. Damit steht die volle Höchstgeschwindigkeit von 64 km/h des Serienwagens zur Verfügung. Die für Elektroautos oft typische vehemente Beschleunigung darf man allerdings nicht erwarten. Vermutlich besser so, schließlich ist man nicht angeschnallt.

In Kurven zeigt sich der 550 J hingegen äußerst charmant. Seine Batteriepakete sitzen hinter dem Fahrer, sind jedoch direkt an die Spritzwand gerückt. Wenn man ihn durch Biegungen wirft, fühlt er sich dadurch tatsächlich wie ein kleiner Mittelmotor-Sportwagen an. Auf den 13-Zoll-Stahlrädern sitzen Eco-Reifen eines Renault Twizy, und auf nasser Strecke lässt sich reichlich quer fahren. Sogar eine hydraulische Handbremse ist an Bord.

Das RS Pack will man aber unbedingt, oder?

Nach einigen Runden wechseln wir in das stärkere Fahrzeug. Und ja: Allein für die Verdoppelung der Leistung würde man wahrscheinlich die zusätzlichen £9.500 bezahlen. Es wirkt sofort verspielter. Man könnte es sauber und schnell fahren, doch wesentlich mehr Spaß macht es, kräftig zu bremsen, voll aufs Strompedal zu steigen und am Lenkrad zu kurbeln, während man sich als übergroßer Rennfahrer der 1950er-Jahre vorstellt. Weil das Auto so klein ist, bleibt auf einer Straße in voller Größe mehr Raum zum Spielen – und den wollen wir nutzen.

Mit seinen Batteriepaketen hinter dem Fahrer, die direkt an die Spritzwand geschoben sind, fühlt es sich tatsächlich wie ein kleiner Mittelmotor-Sportwagen an

Das RS Pack bringt außerdem gelochte Bremsscheiben mit, die ausgesprochen kräftig zupacken und ein hervorragendes Pedalgefühl vermitteln. Hinzu kommen edle, verstellbare Dämpfer. Letztere dürften hilfreich sein, falls die Zufahrt zu Ihrer Villa gerade etwas von Schlaglöchern gezeichnet ist. Auf dem glatten Belag der kleinen Porsche-Strecke erhalten wir jedoch keine echte Gelegenheit, den Federungskomfort zu erproben.

Darf ich damit auf die Straße?

Leider wird der kompakte Porsche – anders als der Bentley Blower Jnr – nicht mit einer Straßenzulassungsoption angeboten. Uns wird allerdings gesagt, er sei „weitgehend an den L7e-Vorschriften ausgerichtet“. Vielleicht klappt es, wenn Sie wirklich nett fragen?

Ich bin ohnehin überzeugt. Was kostet er?

Das Auto mag winzig sein, sein Preis ist es nicht. Vom 550 J werden lediglich 250 Stück gebaut, und die Preise beginnen bei £69.500.

Aber wir sprechen hier von einem Porsche, daher gibt es zahlreiche Optionen, die den Preis weiter erhöhen. Hedley darf sogar auf die gesamte Palette der Paint-to-Sample-Farben zugreifen. So lässt sich der Mini-550 passend zu Ihrem modernen 911 konfigurieren. Auch ein Interieur in Alcantara und Sichtcarbon-Verkleidungen sind erhältlich.

Alternativ können Sie es ganz retro angehen: etwa mit einer Nachbildung von James Deans Little Bastard, einem historischen Rennlack, einer Mini-Ausführung von Porsches Banjo-Lenkrad und Pepita-Stoff für die Sitze. Danach können Sie noch eine Aero-Haube, eine vom Rennsport inspirierte Tonneau-Abdeckung für den Beifahrersitz sowie eine Windschutzscheibe in Aero-Ausführung wählen. Natürlich gegen Aufpreis.

Hedley rechnet im Schnitt mit Ausgaben von etwa £14.000 für Extras. Wer jedoch besonders eifrig jedes Kästchen ankreuzt, kann den Einstiegspreis beinahe verdoppeln.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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