Der Mercedes-Benz A-Klasse 180 d sollte nicht allein wegen seines Renault-Motors ausgeschlossen werden. Beim Kauf gibt es deutlich wichtigere Punkte zu prüfen.
Ja, wir wissen es: Die Dieselpreise in Portugal erreichen Woche für Woche neue Höchststände. Gleichzeitig verbrauchen Dieselfahrzeuge nach wie vor weniger als vergleichbare Benziner. Deshalb kann die Mercedes-Benz A-Klasse mit diesem Motor weiterhin sinnvoll sein – entscheidend ist immer das persönliche Fahrprofil.
Eines sollte beim A 180 d aber von Beginn an klar sein: Ja, er hat einen Renault-Motor. Der 1,5-Liter-Diesel unter der Motorhaube basiert auf dem bekannten französischen 1.5 dCi. Das muss jedoch keineswegs ein Nachteil sein.
Bei Mercedes-Benz trägt das Aggregat die Bezeichnung OM 608, erhielt mehrere markenspezifische Anpassungen und leistet in dieser Generation 116 PS sowie 260 Nm. Genau diese Ausführung der A-Klasse steht hier im Mittelpunkt: Sie zählt zu den gefragtesten Varianten der Baureihe W177 und wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt voraussichtlich besonders häufig angeboten.
Auf Pisca Pisca finden sich A 180 d dieser Generation bereits für weniger als 18.000 Euro. Neuere, gut ausgestattete Fahrzeuge mit Automatik können dagegen knapp 30.000 Euro kosten.
Die A-Klasse, die Zukunft in die Gegenwart holte
Mit ihrer Einführung 2018 veränderte sich die W177 vor allem im Innenraum erheblich, während das Exterieur weniger stark umgestaltet wurde. In dieser Generation kam MBUX mit zwei nebeneinander angeordneten Displays und einer Darstellung, die stark an Mercedes-Benz-Modelle aus höheren Klassen erinnerte.
Von 2018 bis Ende 2020 war der A 180 d mit dem 1,5-Liter-Diesel mit 116 PS erhältlich, kombiniert entweder mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder dem 7G-DCT-Automatikgetriebe. Einige dieser Fahrzeuge wurden erst 2021 erstmals zugelassen.
Gegen Ende 2020 wurde dieser Motor schrittweise durch den 2,0-Liter-Diesel OM 654q von Mercedes-Benz ersetzt. Die Leistung blieb bei 116 PS, das Drehmoment stieg jedoch. Automatikversionen wurden ab diesem Zeitpunkt mit dem 8G-DCT angeboten.
Gehen Sie daher nicht automatisch davon aus, dass ein 2021 zugelassener A 180 d einen Renault-Motor besitzt. Ein Blick in die Fahrzeugdaten oder die Zulassungsbescheinigung schafft Klarheit: 1.461 cm³ stehen für den in diesem Ratgeber behandelten OM 608, 1.950 cm³ für den späteren OM 654q.
Außerhalb des Zeitraums dieses Kaufratgebers erhielt die A-Klasse Ende 2022 eine umfassendere Modellpflege, auch wenn die optischen Änderungen zurückhaltend ausfielen.
Noch immer zeitgemäß
Äußerlich ist die A-Klasse gut gealtert. Ihre Proportionen entsprechen jenen eines klassischen Kompaktwagens, und das Design wirkt weiterhin modern genug, um das Alter nicht sofort erkennen zu lassen.
Besonders gefragt bleibt die AMG Line mit ihren speziellen Stoßfängern und größeren Rädern. Ob sich der Aufpreis ausschließlich für die Optik lohnt, sollte dennoch hinterfragt werden. Größere Räder bedeuten nicht nur teurere Reifen, sondern sind auch anfälliger für Beschädigungen und mindern den Fahrkomfort etwas.
Achten Sie auf Farbabweichungen zwischen einzelnen Karosserieteilen, ungleichmäßige Spaltmaße sowie Hinweise auf Reparaturen. Prüfen Sie außerdem die Funktion der LED-Scheinwerfer, Sensoren, Kameras und sämtlicher vorhandener Assistenzsysteme.
Der Innenraum überzeugt stärker
Der Innenraum gehört weiterhin zu den wichtigsten Argumenten für diese A-Klasse. MBUX und die beiden Bildschirme sorgten 2018 für einen ausgesprochen modernen Eindruck und wirken auch heute nicht auffällig überholt.
Wenn möglich, empfiehlt sich ein Fahrzeug mit den 10,25-Zoll-Displays. In den einfacheren Ausstattungen kamen 7-Zoll-Bildschirme zum Einsatz, deren breite Einfassungen dem Gesamtbild etwas von seiner Wirkung nehmen.
Der optische Eindruck ist allerdings besser als die Qualität mancher Materialien. Mit zunehmendem Alter können Klapper- und Knarzgeräusche an Mittelkonsole, Armaturenbrett und Türen auftreten. Auch die gesamte Elektronik sollte getestet werden: MBUX, Bluetooth, Smartphone-Integration, Klimatisierung, Lenkradtasten, Sensoren und Kameras.
Bei frühen Fahrzeugen sollte zudem kontrolliert werden, ob die vorderen Teppiche feucht sind. Eine Rückrufaktion betraf den Ablauf des Klimaanlagen-Kondenswassers: Dadurch konnte Wasser in den Innenraum gelangen und elektrische Komponenten beeinträchtigen.
Ist der Renault-Motor im Mercedes-Benz A-Klasse 180 d ein Problem?
Ein Mercedes-Benz mit Renault-Motor sorgt zwangsläufig für Diskussionen. Abgesehen vom Image gibt es aber keinen sachlichen Grund, den A 180 d allein wegen der Herkunft seines Motors zu meiden.
Mit 116 PS ist er kein besonders schnelles Fahrzeug, doch die 260 Nm reichen im Alltag gut aus und erklären, weshalb diese Variante so erfolgreich wurde. Der Motor eignet sich vor allem für Vielfahrer: Bei gleichmäßigem Tempo läuft er ausreichend leise und ermöglicht reale Verbräuche um 5,0 l/100 km, wie sich bei Spritmonitor nachvollziehen lässt.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kaufratgebers liegt der Dieselpreis auf historisch hohem Niveau. Vor der Entscheidung für diese Dieselversion sollte daher genau gerechnet werden.
Wer überwiegend kurze Stadtfahrten absolviert, trifft mit dem A 180 d keine ideale Wahl. Partikelfilter und AdBlue-System verdienen bei einem Fahrzeug, das fast nur im Stadtverkehr bewegt wurde, besondere Aufmerksamkeit.
Beim OM 608 sollten außerdem Öl- oder Kühlmittellecks ausgeschlossen und mögliche Warnmeldungen im Kombiinstrument geprüft werden. Starten Sie den Motor vollständig kalt: Der Leerlauf sollte sich stabilisieren, es darf kein ungewöhnlicher Rauch auftreten, und der Motor muss ohne Zögern Gas annehmen.
Anders als beim späteren 2,0-Liter-Diesel besitzt dieses Modell außerdem einen Zahnriemen. Kontrollieren Sie anhand der Wartungshistorie, wann dessen Wechsel fällig ist und welches Intervall für das konkrete Fahrzeug gilt. Das ist besonders bei Exemplaren aus 2018 relevant, die inzwischen zunehmend älter werden.
Automatik oder Schaltung?
Unsere Empfehlung gilt eindeutig dem A 180 d mit 7G-DCT-Automatikgetriebe. Das Doppelkupplungsgetriebe nutzt den vergleichsweise schmalen Drehmomentbereich des 1,5-Liter-Motors besser aus, erhöht den Komfort und passt stimmiger zum Charakter der A-Klasse. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist diese Konfiguration ebenfalls begehrter und dürfte sich voraussichtlich leichter weiterverkaufen lassen.
Bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten kann die Reaktion des Getriebes gelegentlich etwas zögerlich sein – das ist bei dieser Getriebeart typisch. Nicht normal sind dagegen Schläge, Vibrationen beim Anfahren, Durchrutschen oder eine Verzögerung beim Einlegen von D oder R. Fahren Sie das Fahrzeug sowohl kalt als auch nach dem Erwärmen probe.
Das Sechsgang-Schaltgetriebe wäre für uns nur bei einem deutlichen Preisvorteil interessant. Es steigert das Fahrerlebnis kaum und verzichtet auf eines jener Merkmale, die den A 180 d im Alltag angenehmer machen.
Wie viel sollten Sie zahlen?
Die folgende Grafik zeigt die Referenzwerte der PiscaPisca/Motor-CV-Analyse für den Mercedes-Benz A-Klasse 180 d mit 1,5-Liter-Motor.
Bei Fahrzeugen aus 2018 finden sich bereits Preise unter den angesetzten 21.100 Euro. Ebenso lassen sich für Einheiten aus 2021 ohne Schwierigkeiten Werte von über 25.600 Euro entdecken.
Laufleistung, Ausstattung, Getriebe und Wartungshistorie können erhebliche Preisunterschiede rechtfertigen. Bei Fahrzeugen aus 2021 ist nochmals Vorsicht geboten: Prüfen Sie vor dem Preisvergleich unbedingt den Hubraum, denn der A 180 d konnte bereits den 2,0-Liter-Motor von Mercedes-Benz besitzen, was höhere Kosten bei der Kfz-Steuer mit sich bringt.
Viele Fahrzeuge wurden außerdem importiert. Deutschland und Belgien machen zusammen 65,5 % der Herkunftsländer der von Motor CV analysierten importierten A-Klasse aus. Das ist kein Grund, ein Fahrzeug grundsätzlich auszuschließen, erhöht aber die Bedeutung einer sorgfältigen Historienprüfung über die FIN.
Was kostet die Wartung?
Die Automatik ist unsere bevorzugte Wahl, benötigt jedoch Wartung. Für das 7G-DCT ist ein Wechsel von Öl und Filter alle 100.000 km oder nach fünf Jahren vorgesehen. Bei einer spezialisierten freien Werkstatt sollten Sie ungefähr 250 bis 350 Euro einkalkulieren; im Vertragsnetz kann der Betrag mehr als 500 Euro betragen.
Bei einer A-Klasse dieses Alters sollte diese Wartung bei vielen Fahrzeugen bereits dokumentiert sein. Fehlt ein Nachweis, sollte der Betrag für die Durchführung nach dem Kauf eingeplant werden. Ein Defekt an Kupplungen oder Mechatronik kann rasch Reparaturkosten von mehreren Tausend Euro verursachen.
Auch der Zahnriemen und die Abgasreinigungssysteme sollten budgetiert werden. Eine professionelle Reinigung des Partikelfilters kostet einige Hundert Euro, während ein Austausch mehr als 1.000 Euro kosten kann.
Viele Rückrufe, vor allem bei frühen Fahrzeugen
Die A-Klasse W177 war von mehreren Rückrufaktionen betroffen. Laut Motor CV umfassten diese unter anderem Maßnahmen zur Ölmenge im Doppelkupplungsgetriebe, zur Klimaanlagenentwässerung, zur Ölzufuhrleitung des Turboladers, zur Servolenkung, zu Bremsen, Airbags und ISOFIX.
Nicht jedes Fahrzeug war von sämtlichen Aktionen betroffen. Vor dem Kauf sollte anhand der FIN geprüft werden, ob alle für das jeweilige Exemplar relevanten Maßnahmen erledigt wurden. Der Motor-CV-Bericht enthält sämtliche Details zu den Rückrufaktionen:
Unsere Wahl
Unter diesen Voraussetzungen erscheint ein Mercedes-Benz A-Klasse 180 d 7G-DCT aus 2020 am sinnvollsten, vorzugsweise als Progressive oder AMG Line und mit den größeren Displays, LED-Scheinwerfern sowie Smartphone-Integration.
Die AMG Line wirkt attraktiver und ist stärker nachgefragt, doch Ausstattung sollte nicht höher bewertet werden als eine nachvollziehbare Historie. Zwischen einer AMG Line mit unklarer Wartung und einem Progressive mit höherer Laufleistung, aber dokumentierten Servicearbeiten und nachweislich gewartetem Getriebe, ist die zweite Option die vernünftigere Wahl.
Und das Schaltgetriebe? Nur bei einem wirklich überzeugenden Preisunterschied. Mit diesem Motor ist das 7G-DCT die stimmigste Kombination.
Alternativen
Der Audi A3 ist die direkteste Alternative: Er bietet eine gute Verarbeitungsqualität und ebenso sparsame Dieselvarianten. Der BMW 1er (F40) fährt sich dynamischer und verfügt über ein ausgezeichnetes Infotainmentsystem.
Wenn ein Premium-Emblem nicht zwingend erforderlich ist, bietet der Volkswagen Golf TDI vergleichbaren Platz und eine ähnliche Effizienz – meist zu einem niedrigeren Preis.






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