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Kia PV5: Die neue PBV-Strategie im Detail

Weißes KIA Elektroauto Modell EV6 stehend in einer modernen Ausstellungshalle mit Roboterarm im Hintergrund.
In diesem Artikel
  1. Eine neue Plattform für den Kia PV5
  2. Auch die Fabrik musste sich verändern
  3. Software ist ebenfalls Teil des PBV-Konzepts

Die Automobilindustrie ist ausserordentlich effizient darin, Hunderttausende baugleiche Fahrzeuge herzustellen. Schwierig wird es jedoch, wenn Tausende unterschiedlicher Fahrzeuge produziert werden sollen, ohne dass Komplexität und Kosten stark ansteigen.

Genau an diesem Punkt setzt die Geschichte des Kia PV5 an. Statt zunächst ein Fahrzeug zu entwickeln und es anschliessend an die Anforderungen einzelner Kunden anzupassen, wollte Kia den Ansatz umdrehen: Der Nutzer steht im Mittelpunkt, das Fahrzeug wird von dort aus geplant.

Ein Unternehmen benötigt vielleicht neun Sitzplätze. Ein anderes muss zwei Europaletten transportieren. Wieder andere brauchen eine rollstuhlgerechte Ausführung oder sogar ein kleines Geschäft auf Rädern. Die neuen PBV von Kia sollen all diese Lösungen innerhalb derselben technischen Familie ermöglichen. PBV steht für Platform Beyond Vehicle, und der Kia PV5 ist das erste Modell dieser neuen Strategie.

In diesem Video zeigen wir, wie das Konzept funktioniert, was es kostet und was zu erwarten ist:

Eine neue Plattform für den Kia PV5

Als Basis für den PV5 dient die E-GMP.S – Electric-Global Modular Platform for Service, die erste Architektur der Hyundai Motor Group, die gezielt für PBV-Fahrzeuge entwickelt wurde. Ihr Fundament ist eine sogenannte Skateboard-Architektur: Batterie, Motor und die übrigen zentralen Komponenten sind in einer weitgehend flachen Struktur untergebracht. Darauf lassen sich anschliessend verschiedene Karosserien aufbauen.

Das Skateboard-Prinzip ist nicht neu. Die Besonderheit der Kia-Lösung liegt vielmehr darin, wie konsequent diese Modularität in die Fahrzeugentwicklung übertragen wird. Die E-GMP.S setzt auf eine Integrated Modular Architecture (IMA), bei der wichtige Bauteile wie Batterien und Motoren feste Spezifikationen haben und für unterschiedliche Anwendungen genutzt werden können.

Ergänzt wird dies durch das Flexible Body System. Anstatt jede Karosserie als nahezu eigenständiges Projekt zu behandeln, kann Kia verschiedene Module auf einer gemeinsamen Basis kombinieren.

Dank dieses Konzepts ist der PV5 als Passenger, Cargo oder Chassis Cab erhältlich und kann anschliessend als Ausgangspunkt für Crew-, Box-Van-, Kühl-, Camper- oder rollstuhlgerechte Varianten dienen. Ein Teil dieser Umbauten kann direkt in den industriellen Prozess integriert werden und unter die Herstellergarantie fallen.

Für Unternehmen ist das ein wichtiger Unterschied: Statt ein allgemeines Fahrzeug zu kaufen und danach einen separaten Umbauprozess zu starten, lassen sich bestimmte individuelle Anforderungen schon von Beginn an berücksichtigen. Damit diese Anpassungsfähigkeit den Preis nicht in die Höhe treibt, musste allerdings auch der Fertigungsprozess weiterentwickelt werden.

Auch die Fabrik musste sich verändern

Viele Varianten auf einer gemeinsamen Grundlage zu bauen, bringt wiederum eine andere Herausforderung mit sich. Klassische Produktionslinien der Automobilindustrie sind äusserst effizient, wenn sie identische Abläufe wiederholen. Sie werden jedoch komplexer, sobald sich die Fahrzeuge auf dem Band deutlich voneinander unterscheiden.

Kia versucht, Skaleneffekte mit einem Grad an Individualisierung zu verbinden, der normalerweise kleineren Stückzahlen vorbehalten ist. Anstatt die Zahl der Modelle und Montagelinien zu erhöhen, soll die Anzahl der Konfigurationen wachsen, die aus derselben Architektur entstehen können.

Zur Strategie gehören auch Umrüstzentren und spezialisierte externe Partner. Der PV5 wurde also nicht nur dafür entwickelt, das Werk bereits in verschiedenen Ausführungen zu verlassen, sondern auch dafür, nach diesem ersten Schritt weiter umgebaut zu werden.

Software ist ebenfalls Teil des PBV-Konzepts

Die PBV-Philosophie beschränkt sich nicht auf die Karosserie. Der PV5 nutzt ein Infotainment-System auf Basis von Android Automotive OS, unterstützt spezielle Apps für bestimmte berufliche Einsätze und erhält OTA-Updates.

Kia plant zudem, Daten über eine API für die Einbindung in Flottenmanagementsysteme bereitzustellen, sowie Werkzeuge für die vorausschauende Wartung anzubieten. Gerade bei einem Nutzfahrzeug ist das besonders relevant: Wenn sich ein Eingriff frühzeitig erkennen lässt, kann das weniger Standzeit und damit geringere Auswirkungen auf den Betrieb bedeuten.

Aus dieser modularen Denkweise sind auch Lösungen wie Kia AddGear entstanden. Damit können Zubehör und zusätzliche Ablageelemente ergänzt werden; ausserdem ist V2L zum Betrieb elektrischer Geräte an Bord. Das Armaturenbrett verbindet ein 7″-Instrumentendisplay mit einem zentralen 12,9″-Bildschirm.

In Portugal wird der PV5 Passenger mit einer Batterie mit 71,2 kWh sowie einem Frontmotor mit 120 kW (163 PS) und 250 Nm angeboten. Die homologierte WLTP-Reichweite beträgt bis zu 412 km, während das Schnellladen von 10 auf 80 % rund 30 Minuten dauert.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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