BMW iX3 50 xDrive: Neue Klasse in Serienfertigung
Das ist der neue BMW iX3. Die Bayern verkünden stolz, er sei das „erste Neue-Klasse-Modell, das in Serie geht“. Ganz stimmt das allerdings nicht: BMW hat sich bekanntlich schon einmal an einer Neuen Klasse versucht. In den 1960er-Jahren funktionierte das hervorragend, denn diese Modellgeneration – beginnend mit dem 1500 – bewahrte BMW vor dem finanziellen Zusammenbruch.
Die neue Neue Klasse muss ihrem Namen also gerecht werden. Zumindest auf dem Papier macht der iX3 einen sehr überzeugenden Eindruck. Das zum Marktstart angebotene Modell iX3 50 xDrive leistet 463 bhp und entwickelt 476 lb ft Drehmoment. Zwei Elektromotoren mit BMWs eDrive-Technologie der sechsten Generation übertragen die Kraft auf alle vier Räder. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er in 4,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 209 km/h begrenzt.
Noch eindrucksvoller sind jedoch andere Werte: Der iX3 verfügt über eine riesige Batterie mit 108,7 kWh nutzbarer Kapazität, modernen zylindrischen Zellen und 800-Volt-Technik. Damit soll er nach WLTP bis zu 805 km weit kommen. Meine Güte. Auch das Nachladen soll sehr schnell funktionieren: Bei einer Ladeleistung von 400 kW lassen sich in nur zehn Minuten weitere 372 km Reichweite nachladen. Laut BMW entspricht das gegenüber Fahrzeugen mit eDrive-Technologie der fünften Generation einer um 30 Prozent höheren Ladegeschwindigkeit. Darüber hinaus soll die sechste Generation Energieverluste um 40 Prozent, das Gewicht um 10 Prozent und die Fertigungskosten um 20 Prozent senken. Alles erfreuliche Nachrichten – besonders der letzte Punkt für die BMW-Buchhaltung.
Den iX3 als Prototyp sind wir natürlich bereits gefahren und konnten seine neue „Superhirn“-Technik aus erster Hand erleben. Alles dazu lässt sich hier nachlesen. Im Kern handelt es sich um eine vollkommen neue Elektronikarchitektur für die Neue Klasse, die BMW als „digitales Nervensystem“ bezeichnet. Vier hochmoderne Rechner bündeln ihre Rechenleistung und steuern fast sämtliche Fahrzeugfunktionen.
Der fürs Fahren zuständige Rechner trägt den Namen „Heart of Joy“. Er kontrolliert Motoren, Bremsen, Lenkung und sämtliche Sicherheitssysteme und trifft Entscheidungen bis zu zehnmal schneller als herkömmliche Steuergeräte. Angeblich können 98 Prozent aller Bremsvorgänge allein durch Rekuperation erfolgen. Eine Funktion namens „Soft Stop“ soll dem iX3 zudem „den sanftesten Anhaltevorgang verleihen, der je von einem BMW erreicht wurde“.
Design des BMW iX3 und Neue Klasse
Doch wie sieht das Ganze abseits des Datenblatts aus – also in dem Metall, aus dem es besteht? Zunächst einmal: Das ist kein SUV. BMW nennt ihn weiterhin Sports Activity Vehicle, kurz SAV, und optisch wirkt er deutlich aggressiver als erwartet. Der iX3 zeigt erstmals eine vollständig neue BMW-Designsprache, die „reduziert“ und „zeitgemäß“ sein soll. Dennoch besitzt er viele markante Kanten und einen recht wuchtigen Dachspoiler.
Die Nieren stehen senkrecht und zitieren die Neue-Klasse-Modelle der 1960er-Jahre. Mit der Option „BMW Iconic Glow“ dürfen sie hier sogar leuchten. Wer dieses Extra bestellt, erhält zudem Animationen, die bei der Annäherung begrüßen und beim Abstellen wieder verabschieden. BMW bietet dafür drei Begrüßungsarten an: „entspannt“, „ausgewogen“ und „aufgeregt“. Hoffentlich entscheidet das Auto je nach Tagesform selbst. Wieder einmal die Kinder zur Schule bringen? Die „aufgeregte“ Begrüßung war da wohl kaum zu erwarten.
Der iX3 dürfte mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 recht windschnittig sein. Im Innenraum sitzen die Insassen in einem lederfreien Cockpit mit umlaufendem Armaturenbrett und dem BMW Panoramic iDrive-System. Erstmals war dieses System im Jänner auf der CES zu sehen. Entwickelt wurde es laut BMW nach dem Prinzip „Hände am Lenkrad, Augen auf der Straße“.
An Anzeigen mangelt es natürlich trotzdem nicht. Entlang der gesamten unteren Windschutzscheibenkante verläuft das „BMW Panoramic Vision Display“, das Fahrinformationen für den, nun ja, Fahrer darstellt und daneben sechs individualisierbare Widgets bietet. Darüber sitzt optional ein 3D-Head-up-Display. Zusätzlich befindet sich mittig im Armaturenbrett ein eigenwillig geformter zentraler Infotainment-Bildschirm.
Innenraum, BMW Operating System X und Nachhaltigkeit
Angetrieben wird das Ganze von der Software „BMW Operating System X“, über die sich Apps für Musik, Videospiele, Streaming und Ähnliches herunterladen lassen. Sogar Zoom kann installiert werden, damit kein Arbeitstermin mehr versäumt wird. Moment – ist das wirklich eine gute Idee?
Auch das Lenkrad ist neu und hat an seinen Speichen eine bedenkliche Menge an haptischen „Tasten“. Oh oh. Dafür fällt die Beinfreiheit im Fond gegenüber dem aktuellen iX3 „spürbar größer“ aus. Der Kofferraum fasst hinten 520 Liter, dazu kommen weitere 58 Liter im Frunk. Die Sitzbezüge bestehen aus recycelten Materialien.
Fast ein Drittel des neuen iX3 besteht laut BMW überhaupt aus Sekundärrohstoffen. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, soll der iX3 50 xDrive einen um 34 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck als sein Vorgänger aufweisen. Das Werk in Ungarn, in dem er gebaut wird, nutzt im „Normalbetrieb“ nicht einmal fossile Brennstoffe.
Die Auslieferungen des iX3 50 xDrive in Großbritannien starten am 7. März 2026 – erstaunlich konkret, wenn man bedenkt, wie weit dieser Termin noch entfernt ist. Später sollen „weitere Varianten“ folgen. Zunächst beginnen die Preise bei £58,755, und es stehen drei Ausstattungslinien zur Auswahl: iX3, iX3 M Sport und iX3 M Sport Pro.
Bereits das Basismodell bietet serienmäßig 20-Zoll-Räder, beheizbare Vordersitze, zahlreiche Fahrerassistenzsysteme, Tempomat sowie eine elektrische Ladeklappe. Diese verwendet angeblich „künstliche Intelligenz, um zu erkennen, wann ein Nutzer ein Ladekabel anschließen oder entfernen möchte“. Hoffentlich gibt es dafür eine manuelle Übersteuerungstaste.
„Die Neue Klasse ist unser größtes, auf die Zukunft ausgerichtetes Projekt und stellt bei Technologien, Fahrerlebnis und Design einen gewaltigen Sprung nach vorn dar“, sagte BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse.
„Praktisch alles daran ist neu, und trotzdem ist sie BMW-typischer als je zuvor. Unser gesamtes Produktprogramm wird von den Innovationen der Neuen Klasse profitieren – unabhängig davon, welche Antriebstechnologie eingesetzt wird.“
Was meint ihr zu einem Elektroauto mit 805 km Reichweite?






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