Der Allradantrieb ist nur eines der neuen Argumente des Alfa Romeo Junior Ibrida Q4 – allerdings mit einem gewichtigen Nachteil.
Das Angebot des neuen Alfa Romeo Junior ist um eine weitere Variante gewachsen: den Ibrida Q4. Wie die Bezeichnung bereits verrät, verfügt diese Ausführung über Allradantrieb.
Ein zusätzlicher Elektromotor an der Hinterachse macht den Junior Ibrida Q4 zur bislang vielseitigsten Version bei schwierigen Gripverhältnissen. Damit erhält das B-SUV von Alfa Romeo Fähigkeiten, die ihm bisher fehlten.
Doch rechtfertigt das allein den Aufpreis von 7.500 Euro, den die italienische Marke für den Junior Q4 verlangt? Und ergibt das im portugiesischen Markt überhaupt Sinn? Wir waren in Turin in Italien unterwegs, um das Modell zu fahren und Antworten zu finden.
Wo liegen die Unterschiede?
Äusserlich lässt sich der Junior Ibrida Q4 kaum von den übrigen Modellvarianten unterscheiden. Wären da nicht das Emblem am Heck, der klassischere Scudetto an der Front und die serienmässigen 18-Zoll-Räder, wäre die neue Variante praktisch nicht zu erkennen.
Auch im Innenraum zeigt sich dieses Bild: Die Gestaltung und die Lösungen entsprechen exakt jenen des frontgetriebenen Junior Hybrid.
Einen wichtigen Punkt gibt es dennoch: Bereits die Einstiegsvariante des Junior Ibrida Q4 bringt eine deutlich umfangreichere Ausstattung mit. Beim Spitzenmodell Intensa bleiben nur noch die Lackierung – auch zweifarbig erhältlich –, das Panoramadach und das Sport-Paket als Extras. Letzteres ergänzt unter anderem Sabelt-Schalensitze.
Breiteres Motorenangebot für den Alfa Romeo Junior
Erst auf der Strasse werden die tatsächlichen Besonderheiten des Junior Ibrida Q4 deutlich. Denn vorerst ist er die einzige Allradversion des kompakten Alfa-Romeo-SUV, das nun eines der breitesten Motorenprogramme seiner Klasse bietet.
Zur Erinnerung: Den Junior gibt es in zwei rein elektrischen Ausführungen, mit 115 kW (156 PS) beziehungsweise 205 kW (280 PS). Hinzu kommen zwei Hybridvarianten: eine Version mit Frontantrieb und 136 PS sowie nun eine Allradvariante mit 145 PS.
Für den neuen Junior Ibrida Q4 kombiniert Alfa Romeo einen 1,2-Liter-Turbomotor mit 136 PS mit zwei Elektromotoren, die jeweils 21 kW (29 PS) leisten. Einer davon sitzt vorne und ist in das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert, der zweite arbeitet an der Hinterachse.
Dazu kommen eine Batterie mit 0,89 kWh Kapazität sowie ein 48-Volt-Bordnetz. Dadurch lässt sich im Stadtverkehr über weite Strecken fahren, ohne den Verbrennungsmotor „aufzuwecken“.
Neue Argumente: Allradantrieb und Hinterachsaufhängung
Eine mechanische Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse gibt es nicht. Das gesamte Allradsystem wird daher per Software gesteuert, die eine ausgewogene Drehmomentverteilung und bessere Traktion sicherstellen soll – auch bei schwierigen Haftungsverhältnissen.
Bei diesem ersten Kontakt in Turin konnte ich den Junior Ibrida Q4 auf einer breiten Schotterpiste mit viel losem Kies testen. Gegenüber dem frontgetriebenen Junior Ibrida überraschte mich die Effizienz des Systems.
Dabei hat es diesem Modell nur 100 kg zusätzliches Gewicht beschert.
Obwohl der Q4 etwas mehr Leistung als der frontgetriebene Ibrida bietet, benötigt er für den Sprint von 0 auf 100 km/h mehr Zeit: 9,1 s statt 8,7 s. Dieser geringe Unterschied ist vor allem durch das Mehrgewicht erklärbar: Zwischen den beiden Varianten liegen 195 kg.
Auf der Strasse wird dieser Unterschied kaum spürbar sein. Während des ersten Fahrkontakts hatte ich jedenfalls nie den Eindruck, dass dem Junior Ibrida Q4 „Feuerkraft“ fehlen würde.
Eines wurde jedoch klar: Der Ibrida Q4 ist deutlich fähiger als der herkömmliche Junior Ibrida mit zwei angetriebenen Rädern. Natürlich trägt der Allradantrieb dazu bei, weil er Strecken ermöglicht, die der Fronttriebler nicht schafft. Den grössten Unterschied macht aber etwas anderes aus.
Gemeint ist die unabhängige Hinterachsaufhängung in Multilink-Bauweise. Sie ist eine komplette Neuheit für Modelle auf dieser Plattform und damit zugleich eine bislang einzigartige Lösung innerhalb der Junior-Baureihe.
Zusätzlich stattete Alfa Romeo den Junior Ibrida Q4 mit neuen vorderen Stossdämpfern, neuen Federn und einem neuen Stabilisator aus. Das verbessert die Fahreindrücke dieses Modells spürbar.
Verglichen mit dem „normalen“ Junior Ibrida fährt sich der Junior Q4 kultivierter und komfortabler, zugleich liegt er satter auf der Fahrbahn.
Ausserdem lässt sich aus Kurven mit höherem Tempo herausbeschleunigen, weil früher wieder Gas gegeben werden kann. Dazu kommen eine präzise Lenkung und ein gut abgestimmtes Bremspedal.
Wer wissen möchte, wie sich diese neue Version des italienischen SUV fährt, sollte sich das in diesem Test hervorgehobene Video ansehen:
Lohnt sich der Preisaufschlag?
Der neue Alfa Romeo Junior Ibrida Q4 kann im portugiesischen Markt bereits bestellt werden und startet bei 37.000 Euro. Der besser ausgestattete Ibrida Intensa Q4 beginnt bei 39.000 Euro. Die ersten Fahrzeuge treffen Ende April ein.
Die Einstiegsvariante des frontgetriebenen Junior Ibrida kostet ab 29.500 Euro. Für die Basisversion des Junior Q4 sind somit 7.500 Euro mehr fällig. Vergleicht man hingegen die jeweiligen Spitzenversionen Intensa, beträgt der Aufpreis 3.500 Euro.
Das sind keine kleinen Preisunterschiede, insbesondere für ein Modell des B-Segments. Deshalb stellt sich die Frage: Ist der Mehrpreis für den Allradantrieb gerechtfertigt?
Auf diese Frage gibt es keine pauschal richtige oder falsche Antwort. Sie hängt von den individuellen Anforderungen ab und vor allem davon, was man von einem Fahrzeug dieser Art erwartet.
Wer ein B-SUV für kurze tägliche Wege sucht, muss nicht unbedingt 37.000 Euro für diesen Junior Q4 ausgeben. Wer hingegen ein Modell möchte, das sich auch einmal „die Füsse schmutzig machen“ und eine unbefestigte Strasse befahren kann, oder wer ein ausgewogeneres und kultivierteres Fahrzeug für die Strasse sucht, für den ist diese neue Version interessanter.
In einem nordeuropäischen Land, in dem der Winter andere Anforderungen stellt, würde sich diese Frage gar nicht erst ergeben. In Portugal hängt sie tatsächlich von den jeweiligen Bedürfnissen ab.
Eines steht fest: Abgesehen vom Preis ist der Junior Ibrida Q4 ein solides Angebot, das tatsächlich neue Argumente liefert und das, wie man inzwischen wohl sagen kann, sehr gut gelungen ist.






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