Mercedes-AMG hat den neuen GT 4-Türer vorgestellt – und ein Blick genügt, um zu erkennen, dass man in Affalterbach radikal mit der Vergangenheit gebrochen hat. Geblieben ist einzig der Name: Weder beim Design noch beim Antrieb hat dieses Modell etwas mit seinem Vorgänger gemeinsam. Der neue GT 4-Türer fährt ausschliesslich elektrisch.
Statt einer kraftvollen Gran-Turismo-Limousine mit Frontmotor setzt er auf deutlich extrovertiertere Proportionen, die stark an die Studie GT XX erinnern, welche ihn vorweggenommen hat. An die Stelle des charaktervollen V8 treten drei Axialfluss-Elektromotoren – eine Technologie, die in einem serienmässigen Elektroauto bislang neu ist.
Technologisch ist er zweifellos ein Kraftpaket, doch in den kommenden Tagen wird vor allem ein Thema dominieren: sein Design. Es dürfte polarisieren. Gegenüber dem bisherigen AMG GT 4-Türer sind die klassischen Proportionen verschwunden und einer futuristischeren, technisch wirkenden und aggressiveren Formensprache gewichen.
An der Front prägt ein beleuchteter, konkav geformter «Kühlergrill» das Bild, ergänzt durch eine Lichtsignatur mit in die Scheinwerfer integrierten Sternen. Am Heck sitzen sechs runde Leuchtelemente in einer schwarzen, über die gesamte Breite verlaufenden Blende. Die Fastback-Silhouette rückt ihn noch stärker in Richtung Coupé als seinen Vorgänger.
Obwohl er länger und breiter als das Vorgängermodell ist, gelang es Mercedes-AMG, den GT trotz der im Fahrzeugboden untergebrachten Batterie fast 4 cm niedriger auszuführen. Mit 1411 mm bleibt er entsprechend flach. Das radikale Erscheinungsbild dient dabei nicht bloss der Aufmerksamkeit: Beinahe jedes Karosseriedetail steht im Zeichen der Aerodynamik.
Dazu kommen aktive Aero-Elemente am Unterboden, ein beweglicher Heckspoiler, ein aktiver Heckdiffusor sowie ein Airpanel-System mit verstellbaren Lamellen, das Kühlung und Effizienz optimieren soll. Der Luftwiderstandsbeiwert (Cₓ) beträgt lediglich 0,22 – ein hervorragender Wert für ein Fahrzeug mit dieser Leistung.
Im Innenraum fällt die Ausrichtung ebenso radikal und technologiebetont aus. Darüber haben wir jedoch bereits ausführlich in einem eigenen Artikel berichtet, den Sie lesen oder nochmals lesen können:
Bis zu 1169 PS und Laden mit 600 kW
Unter der Karosserie arbeitet einer der ambitioniertesten Antriebsstränge, die je in einem Serien-AMG eingesetzt wurden. Erstmals kommen in einem serienmässigen vollelektrischen Auto Axialflussmotoren zum Einsatz. Der GT besitzt deren drei: einen an der Vorderachse sowie zwei hinten, jeweils einen pro Rad.
Zur Wahl stehen zwei Ausführungen: GT 63 und GT 55. Der GT 63 leistet 860 kW beziehungsweise 1169 PS und übertrifft damit den bislang stärksten, bereits elektrifizierten GT 4-Türer deutlich, der auf 843 PS kam. Daraus resultieren 2,1 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h, 6,8 s bis 200 km/h und mit dem Driver’s Package eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h.
Der GT 55 bringt «nur» 600 kW (816 PS) mit, verspricht aber weiterhin Werte auf Supersportwagen-Niveau: 2,5 s von 0 auf 100 km/h und 9,0 s bis 200 km/h. Bei der Höchstgeschwindigkeit zieht er mit dem GT 63 gleich.
Die 106-kWh-Lithium-Ionen-Batterie mit NCMA-Chemie (Nickel, Kobalt, Mangan, Aluminium) basiert auf einer 800-V-Architektur; ihre zylindrischen Zellen werden einzeln mit Öl gekühlt. Im kombinierten WLTP-Zyklus sollen bis zu 700 km Reichweite möglich sein (GT 55). Laut Mercedes-AMG lassen sich dank Gleichstromladen (DC) mit bis zu 600 kW in nur 10 Minuten mehr als 460 km Reichweite nachladen.
Elektrischer AMG mit V8-Seele
Die Leistungsdaten sind ohne Zweifel beeindruckend, doch dieser AMG hat keinen V8. Gerade dieser Motor war über die Jahre eines der prägendsten Markenzeichen und trug entscheidend zum emotionalen Erlebnis eines AMG bei.
Es überrascht daher nicht, dass Mercedes-AMG versucht hat, das Erlebnis der früheren V8 in sein neues Elektroauto zu übertragen. Dafür gibt es einen speziellen Modus namens AMGFORCE S+, der Gangwechsel, Drehmomentunterbrechungen und sogar einen Klang simuliert, der vom AMG GT R mit Biturbo-V8 inspiriert ist – sehr ähnlich zu dem Ansatz, den Hyundai beim IONIQ 5 N und inzwischen beim IONIQ 6 N verfolgt.
Das mag wie ein «billiger Trick» wirken, ist aber aufschlussreich. Selbst AMG erkennt offenbar, dass irrwitzige Leistungswerte allein nicht mehr genügen, um ein aufregendes, interaktives und lohnendes Fahrerlebnis zu schaffen. Ob das die Enthusiasten überzeugt, bleibt abzuwarten.
Um den Anforderungen des GT 4-Türer – einschliesslich seines nach DIN ausgewiesenen Gewichts von 2460 kg – gerecht zu werden, stattet AMG ihn mit schwerem Gerät aus: mit dem Fahrwerk AMG ACTIVE RIDE CONTROL samt semiaktiver Stabilisierung, einer Hinterachslenkung mit bis zu 6° sowie dem System AMG RACE ENGINEER. Dieses ermöglicht eine nahezu rennwagenartige Individualisierung von Gaspedalansprache, Kurvenverhalten und Traktionskontrolle.
Wann er kommt
Die Produktion des neuen Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé beginnt im Sommer 2026 im deutschen Werk Sindelfingen.
Die Bestellungen werden bereits in den kommenden Tagen geöffnet. Preise gibt es zwar noch nicht, sie dürften jedoch nahe bei jenen des bisherigen AMG GT 4-Türer liegen.






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