Die MPV sind fast verschwunden – geblieben sind Modelle wie der Renault Kangoo für alle, die (sehr) viel Platz brauchen.
Da MPV nach und nach vom Markt verschwinden, übernehmen Pkw-Versionen kompakter Nutzfahrzeuge wie der Renault Kangoo immer mehr Aufgaben.
Mittlerweile stellen sie nahezu die einzige Wahl für Menschen mit hohem Platzbedarf dar. Deshalb genügt es den Herstellern nicht, einfach nur eine zweite Sitzreihe einzubauen. Die Tage, die ich mit dem Kangoo unterwegs war, haben das eindeutig bestätigt.
Sein Auftritt ist … „kantig“ – was der Raumausnutzung zugutekommt. Die kräftige Farbe des Testwagens, Leichtmetallfelgen und Chromdetails lassen den Kangoo jedoch weniger „gewerblich“ wirken.
Bemerkenswert ist, dass der Kangoo – anders als in früheren Generationen – keine Variante mit abenteuerlicherem, SUV-ähnlichem Erscheinungsbild bietet.
Platz für alles im Renault Kangoo
Dass der Renault Kangoo von einem Nutzfahrzeug abstammt, mag ihn um dynamischere Formen bringen, verschafft ihm aber unbestreitbare Vorteile. Dazu zählen die hinteren seitlichen Schiebetüren.
Diese bei MPV einst verbreitete Lösung erleichtert es erheblich, Kindersitze auf den Rücksitzen zu befestigen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität mitzunehmen.
Seine Herkunft beschert dem Kangoo außerdem Ausstattungsdetails, die speziell für jene entwickelt wurden, die die Nutzfahrzeugausführung als mobiles Büro einsetzen.
So gibt es zahlreiche geschlossene Ablagen, USB-Anschlüsse und sogar eine Smartphone-Halterung – eine Lösung, bei der ich weiterhin nicht verstehe, weshalb sie ausschließlich vom Renault-Konzern verwendet wird.
Die großzügige Innenhöhe vermittelt ein Raumgefühl, das andere Angebote nicht erreichen. Dank drei einzelner Rücksitze lassen sich problemlos drei Erwachsene oder drei Kinder samt ihren Sitzen transportieren. Bei der Vielseitigkeit verfehlt er jedoch die Höchstwertung, da sich die Rücksitze nur im Verhältnis 60:40 umklappen lassen und fest mit dem Boden verbunden sind. Verschiebbare Sitze bleiben der elektrischen Kangoo-Version vorbehalten.
Auch das Gepäckabteil fällt ausgesprochen großzügig aus. Die 775 l sind ein Spitzenwert und vor allem für Familien auf Reisen ein großer Vorteil. Die Gepäckraumabdeckung dürfte allerdings gerne wie bei Kombis oder SUV aufrollbar sein.
Nutzfahrzeug-Basis? Davon ist kaum etwas zu spüren
Der Kangoo profitiert von seiner Nutzfahrzeugbasis bei Punkten wie Raumangebot und Variabilität, doch im Innenraum sind seine Wurzeln gekonnt kaschiert.
Die Materialien wirken angenehmer als in der gewerblichen Version, die Verarbeitung macht einen robusten Eindruck, und selbst das Armaturenbrett präsentiert sich modern und ähnelt stark jenem des Clio.
Auch die Ergonomie verdient Lob: Renault hat im Kangoo physische Bedienelemente beibehalten – etwa für die Klimatisierung –, die sinnvoll angeordnet und unkompliziert zu bedienen sind.
Renault Kangoo setzt auf Komfort
Am Steuer des Kangoo finde ich rasch eine passende Sitzposition. Sie liegt höher als im Clio, aber niedriger als im Captur. Die Lenkung und die übrigen Bedienelemente sind leichtgängig. Zusammen mit dem erhöht positionierten Schalthebel macht das den Kangoo besonders einfach und entspannt fahrbar.
Der Kangoo nutzt dieselbe Plattform wie Clio und Captur. Sein Fahrverhalten ist zwar souverän und seine Reaktionen bleiben neutral, doch hinter dem Lenkrad unterhält er weniger als seine „Geschwister“.
Die Fahrwerksabstimmung zielt eindeutig darauf ab, den Komfort an Bord zu maximieren. Nach vielen Kilometern im Kangoo kann ich nur bestätigen, dass Renault dieses Ziel erreicht hat.
Durstig in der Stadt, sparsam auf der Straße
Im Renault Kangoo arbeitet – entgegen der naheliegenden Erwartung, denn die Verdrängung geht weiter – kein Dieselmotor, sondern der 1.3 TCe-Benziner mit 130 PS. Er ist ein „alter Bekannter“ aus anderen Modellen der Marke.
Noch wichtiger als die Leistung sind die 240 Nm Drehmoment, die bereits ab 1500 U/min anliegen. Sie verleihen dem Kangoo eine angenehme Agilität und sorgen besonders bei niedrigen und mittleren Drehzahlen für guten Durchzug. Das ist nicht allein dem Motor zuzuschreiben: Auch das leichtgängige und passend abgestufte Sechsgang-Schaltgetriebe trägt maßgeblich dazu bei.
Durch das Zusammenspiel von Motor und Getriebe gelingen Manöver wie Überholvorgänge souverän, und auch hohe Reisegeschwindigkeiten auf der Autobahn lassen sich mühelos halten.
Beim Verbrauch zeigt der 1.3 TCe allerdings eine „zweigeteilte Persönlichkeit“. Auf freier Strecke gibt er sich mit Durchschnittswerten von 6,0-6,5 l/100 km zurückhaltend, in der Stadt sieht es hingegen anders aus. Dort stieg der Verbrauch auf Werte um 8 l/100 km.
Genau hier vermisste ich den genügsameren 1.5 dCi, der ebenfalls für den Kangoo erhältlich ist und den ich beim ersten Kontakt mit dem Modell gefahren bin.
Ein fairer Preis
Autos sind teurer geworden, und auch dieser Renault Kangoo mit Preisen ab 30 421 Euro lässt sich kaum als günstig bezeichnen. Im Vergleich zu Angeboten mit ähnlichen Eigenschaften gehört er jedoch zu den erschwinglichsten.
So startet der Ford Tourneo Connect bei 34 652 Euro. Ein MPV wie der Renault Grand Scénic beginnt wiederum bei 36 600 Euro.
Bedauerlich ist lediglich, dass „unverzichtbare“ Ausstattung wie eine Rückfahrkamera oder praktische Extras wie Tische an den Rückseiten der Vordersitze auf der Optionsliste stehen.






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