Die Yorkshire Dales, die Sonne scheint, die Straßen schlängeln sich durch die Landschaft. Das Ribblehead-Viadukt liegt eben noch hinter uns; nun prägen Steinbarns und herumtollende Lämmer das Bild. Der Frühling liegt in der Luft, die Dächer sind geöffnet, warme Luft umspült die Cockpits – und die Welt scheint in Ordnung. Würde man hier gemütlich in einem MX-5 unterwegs sein, könnte man überzeugt sein, dass das Leben kaum besser werden kann. Und damit läge man richtig. Ein MX-5 würde sich besser einfügen, behutsamer auftreten und lammhafter wirken als sowohl der Vantage Roadster als auch der Roma Spider. Außerdem ließe sich ein Vermögen sparen, was sehr yorkshiretypisch wäre.
Für ein springendes Pferd hat man hier allerdings nicht viel übrig. Als ich zuvor durch Hawes fuhr, fühlte ich mich etwas ausgestellt – durchaus zu Recht, denn von einem Fußgänger wehte mir das Wort „Topspot“ zu. Oder etwas in dieser Art. Der Aston wurde dagegen, zurückhaltender lackiert in Californian Sage – sofern den Leuten die Bezeichnung überhaupt bekannt war –, deutlich freundlicher aufgenommen. Offenbar ist er das stärker nach Yorkshire passende Auto.
Doch hier treten die Spitzenmodelle unter den Roadstern um £200k an. Sie sind glamouröser als ein 911 Cabriolet, fokussierter als ein Continental GTC und weniger bemüht als ein Mittelmotorauto. Der offene Vantage ist völlig neu und folgt auf das großartige Coupé des Vorjahres. Sein donnernder Biturbo-V8 bleibt erhalten, während er etwas Karosseriesteifigkeit und die praktische Heckklappe gegen ein Stoffdach eintauscht, das sich in nur 6.8secs öffnet.
Fotografie: Alex Tapley
Aston Martin Vantage Roadster und Ferrari Roma Spider: Dächer und Design
Der Ferrari braucht mit 13.5secs doppelt so lange, um sich zu entkleiden, darf dies dafür bis 37 statt 31mph erledigen. Den Roma Spider gibt es bereits seit einigen Jahren; neben ihm steht ein Coupé, das wir früher als etwas überkoffeiniert empfunden haben. Er löste den Portofino mit Klapp-Hardtop ab und scheint mit seinem Stoffdach zunächst einen Schritt zurückzugehen.
Es gibt Vor- und Nachteile. Innen ist es etwas dunkler, auch die Heckscheibe fällt geringfügig kleiner aus, doch das Dach verschwindet kompakt genug, um einen 255 litre großen Kofferraum zu erhalten. Dorthin gelangt man allerdings nur auf den Knien. Immerhin verschwindet das Verdeck beim Ferrari unter einer Abdeckung. Beim Vantage wird es schlicht hinten abgelegt, wodurch rund um die Kanten allerlei unschöne Spalten und Öffnungen sichtbar bleiben. Geschlossen erinnert das Aston-Dach an einen Turm, während die Dachlinie des Ferrari elegant und integriert wirkt.
Trotzdem: Was für ein hinreißendes Paar. Können Autos überhaupt emotionaler auftreten als diese beiden? Der Ferrari besitzt eine Spur Kontroverse. Aus manchen Perspektiven ist er erhaben, aus anderen wirkt der vordere Kotflügel zu hoch und das Heckdeck zu aufragend. Warum das so sein muss, ist nachvollziehbar: Die hinteren Sitze wollen untergebracht werden. Doch weshalb überhaupt? Sie sind kompromissbehaftet bis zur Absurdität.
Wie der Vantage mit festem Dach ist auch der Roadster ein strikter Zweisitzer. Das Coupé hat einen großen, zum Innenraum offenen Gepäckraum; hier wirkt das Cockpit enger und stärker umschlossen. Zugleich heißt es seine Insassen freundlicher willkommen als das des Ferrari. Die hohen Flanken und die steil stehende Mittelkonsole des Roma rücken einem entgegen, als hätte man T-Rex-Arme und alles würde um Aufmerksamkeit buhlen. Aufmerksamkeit, die es angesichts der haptischen Lenkradbedienung nicht verdient. Wie lange müssen wir uns das bei Ferrari noch gefallen lassen? Wie kann ein Hersteller, der etwas so brillant Einfaches, Logisches und vielfach kopiertes wie den Manettino erfunden hat, das für akzeptabel halten?
Natürlich gibt es einen zentralen Touchscreen, und der funktioniert gut – außer bei direkter Sonneneinstrahlung. Dennoch lässt sich der Aston während der Fahrt einfacher bedienen. Während der Ferrari einen ununterbrochen daran erinnert, wie sportlich er sein will, verlangt der Aston weniger Einsatz. Einfach zurücklehnen und entspannt blubbern? Genau dafür steht er bereit.
Motoren, Charakter und Bedienung im Ferrari Roma Spider
Der Ferrari lässt einen nicht in Ruhe. Seine Sitze sind straffer, die Lenkung direkter, der Motorsound höher und die Reaktionen schneller. Nicht falsch verstehen: Er kann auch gemütlich rollen, doch er ist geschäftiger und nervöser abgestimmt. Der Ursprung liegt im Motor – einem V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle, der nasaler klingt als der Cross-Plane-Motor des Aston. Abgesehen davon teilen beide ähnliche Gene: zwei Turbolader, ungefähr vier Liter Hubraum, mehr als 600bhp und reichlich Drehmoment. Früher feierten wir diesen Ferrari-Motor für seine erstaunlich verzögerungsfreie Reaktion. Die Zeit ist weitergegangen. Zwar steuert Ferrari das Drehmoment raffiniert, sodass jeder Gang mehr erhält als der vorherige, doch Aston kümmert sich nicht um solche feinsinnigen Details und öffnet einfach die Schleusen.
Aston hat jüngst eine mächtige Wahrheit erkannt: Zu viel macht ausgesprochen viel Spaß. Und 590lb ft bei 2,750rpm sind viel zu viel – auf herrliche Weise. Man lässt einfach den vierten Gang eingelegt und greift ins Drehmoment, wann immer einem danach ist. Das passiert oft, denn der grollende V8 klingt fantastisch, während sich das Heck verführerisch absenkt und bewegt.
Zweifellos ist der Ferrari das ausgefeiltere und umfassender durchkonstruierte Auto. Sein Drehmomentmanagement ist herausragend, das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet präzise und knackig, das Gaspedal reagiert genauer, die Traktionskontrolle feiner. Über den gesamten Antriebsstrang hinweg – vom Verbrennen des Kraftstoffs am einen Ende bis zum Gummiabrieb auf der Straße am anderen – ist der Ferrari intellektuell überlegen. Aber Aston macht einen guten Lärm, fährt schnell und trommelt sich auf die Brust: ug, ug, ug. Das Erlebnis ist ursprünglicher.
Man könnte nun meinen, der Vantage Roadster sehe umwerfend aus, habe jedoch schreckliche Manieren. So einfach ist es nicht. Hinter der Eleganz seiner Linien zeigen sich kräftigere Proportionen: kurzer Radstand, breite Spur. Er steht auf der Straße wie ein Boxer – und bewegt sich auch so. Er liebt den Haken hinein in die Kurve, den Jab hinaus und den Schlag auf der Geraden. Der Ferrari gleicht eher einer Kampfkunst: Balance und Harmonie, Präzision und Fluss.
Vantage Roadster gegen Roma Spider auf kurvigen Straßen
Nur wenige Straßen, die sich so stark aufbäumen, winden, werfen und drehen wie jene über Whipperdale Bank, sind mir begegnet. In vieler Hinsicht ist dies das ideale Revier für ein Cabriolet, weil das Fahrwerk fortwährend zum Arbeiten gezwungen wird. Aston hat das Aluminiumchassis des Vantage mit zusätzlichen Scherblechen verstärkt, die Verbindung zur Karosserie verändert, die hinteren Dämpfer neu kalibriert und die Getriebeaufhängungen überarbeitet. Ferrari verrät zwar nur zurückhaltend, was genau verändert wurde, bestätigt aber einen vollständig neuen Schweller sowie verstärkte Säulen und Windschutzscheibenrahmen. Insgesamt wiegt der Ferrari 84kg mehr als das Coupé, der Aston legt 60kg zu.
Auf dieser Moorlandstraße verliert der Aston zuerst seine Gelassenheit. Er möchte sich in den Asphalt verbeißen, kann sich dabei jedoch nicht so gut zusammenhalten wie das Coupé. Nichts daran ist beunruhigend, doch seine Bewegungen werden etwas unbestimmt und das Vertrauen schwindet leicht. Höhere Fahrmodi helfen: In Sport Plus verschlechtert sich der Komfort kaum, während die Karosseriekontrolle deutlich straffer wird und Spiel sowie Verzögerung reduziert werden. Der Ferrari wirkt geschlossener, sein Chassis widersteht Verwindungen besser und die Lenkung bleibt präziser. Wer auf schwierigen Straßen schnell fahren möchte, sollte den Ferrari nehmen.
Unter weniger anspruchsvollen Bedingungen liegt der Aston knapp vorn. Keiner der beiden ist mit geschlossenem Dach ein flüsterleiser Langstreckenwagen: Hintergrundrauschen und Vibrationen dringen sowohl durch das fünf-lagige Dach des Roma als auch durch die acht – vermutlich dünneren – Schichten des Vantage. Zusätzlich ist die Federung des Aston stets etwas geschäftiger und weist mehr unerwünschte Bewegung auf. Erst wenn die Dämpfer in Kurven belastet werden, beruhigt sich der Vantage wirklich.
Seine Umgangsformen sind jedoch im Allgemeinen entspannter. Der Ferrari erinnert einen permanent daran, dass er ein Ferrari ist; der Aston kann besser abschalten und einfach cruisen. Wer genussvoll durch die Dales grollen möchte, findet darin genau das richtige Auto.
Der Ferrari entspannt sich nicht so leicht und lässt die Kilometer nicht ganz so mühelos verfliegen. Dennoch fährt er sich deutlich ruhiger als das Roma Coupé – laut Ferrari war es Absicht, den Spider eine Spur weicher abzustimmen. Außerdem beherrscht er einen äußerst cleveren Trick. Mit geöffnetem Dach schien mir der Aston klar das weniger windige Cockpit zu bieten, weil ich annahm, dass die hochklappbare Ablage des Roma, welche die hintere Sitzlehne bildet und sich um 90° zu einer flachen Fläche aufstellt, nichts bewirken würde. Nachdrücklich falsch. Tatsächlich könnte dies die beste Arbeit sein, die Ferraris Aerodynamiker je geleistet haben.
Der Ferrari fühlt sich hochwertiger gebaut und gründlicher entwickelt an. Das sollte bei einem Listenpreis von rund £35,000 über jenem des Aston allerdings auch so sein. Und dabei sind die Optionen noch nicht berücksichtigt: Dieses Exemplar ist für £113,000 zusätzlich geschmückt. Der mehrschichtige Lack Rosso Portofino gefällt uns ebenfalls, aber nicht um £23,976. Der ausfahrbare Spoiler auf dem Heckdeck sieht schon so albern aus – dafür noch £3,919 für Carbonfaser zu bezahlen, ist schwer zu rechtfertigen. Die Aufpreise sind absurd: £3,214 für ein Frontradar, £3,695 für die zugegeben hervorragenden Magneride-Dämpfer und £4,142 für die blechern klingende „Premium“-Hi-Fi-Anlage.
Der Ferrari ist die Wahl für den kompromisslosen Fahrer, aber ist das wirklich das, was man von einem Super-Roadster will?
Dieser Aston kommt insgesamt auf £241,000. Zwar finden wir, dass die Carbon-Keramik-Bremsen um £10k serienmäßig sein sollten, und die £15k für diesen Q-Provenance-Lack lassen den Verdacht aufkommen, Aston übernehme schlechte Gewohnheiten. Insgesamt scheint er jedoch wesentlich mehr Gegenwert zu bieten. Bei den Restwerten werden nahezu neue Roma Spider mit wenigen hundert Meilen für ungefähr £220k inseriert – den Gegenwert ihrer Extras verlieren sie praktisch sofort. Einjährige Vantage Coupés – der Roadster ist noch zu neu, um in den Angeboten aufzutauchen – werden ebenfalls ungefähr zu ihrem Neupreis ohne Extras angeboten.
Unterm Strich schlägt sich der Aston vermutlich etwas besser, doch so oder so verliert man im ersten Jahr Zehntausende Pfund. Das Vantage Coupé bewerten wir mit 9/10 – wir lieben es. Der Roma mit festem Dach erhält 7/10. Der offene Ferrari ist besser als sein Coupé-Verwandter, während Astons jüngster Roadster nicht ganz so vollständig und ausgewogen ausfällt wie die Coupé-Version. Dadurch wird dieser Vergleich ausgesprochen knapp.
Den Sieg geben wir – wie Ende des vergangenen Jahres, als der Vanquish den 12Cilindri schlug – dem Aston Martin, und zwar aus ähnlichen Gründen. Der Ferrari ist die Wahl für den kompromisslosen Fahrer, aber ist das wirklich das, was man von einem Super-Roadster will? Wahrscheinlicher ist, dass man einfach eine gute Zeit haben möchte, und das gelingt mit dem Aston besser. Sein Preis-Leistungs-Verhältnis oder die Ergonomie im Innenraum könnten als Sieggründe dienen, doch entscheidend sind ebenso sein Charisma und dieser wuchtige, donnernde Motor.






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