Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission (EK), hat heute im Europäischen Parlament drei strategische Säulen vorgestellt, um die Lebenshaltungskosten zu senken und die Industrie auf dem alten Kontinent zu stärken: den verstärkten Einsatz von Atomenergie, die Small Affordable Cars Initiative für leistbare kleine Elektroautos und die europäische Batterieproduktion.
Atomenergie und Europas Energieunabhängigkeit
In ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union bezeichnete von der Leyen die Atomenergie als entscheidenden Baustein für die energiepolitische Unabhängigkeit Europas. „Wir müssen mehr erneuerbare Energien vor Ort erzeugen – mit Kernenergie als Grundlastenergie“, erklärte sie.
Nach Ansicht der Kommissionspräsidentin lässt sich nur auf diesem Weg sicherstellen, dass Haushalte und Unternehmen Energie zu leistbaren Preisen erhalten und Europa weltweit wettbewerbsfähig bleibt. Damit vollzieht die europäische Energiepolitik eine Kehrtwende um 180 Grad, nachdem in den vergangenen Jahren mehrere Atomkraftwerke geschlossen wurden – insbesondere in Deutschland.
Zugleich sollen die Energiepreise stabilisiert und die Abhängigkeit von russischen fossilen Energieträgern verringert werden. Dafür kündigte die EK ein Paket zum Ausbau der Energienetze sowie eine neue Initiative für Energieautobahnen an. Diese soll die acht in der europäischen Infrastruktur festgestellten Engpässe beseitigen – von der Öresundstraße zwischen Dänemark und Schweden bis zum Sizilienkanal. Weitere Einzelheiten zu dieser Initiative sollen in den kommenden Tagen folgen.
Energieautobahnen sollen acht Engpässe beseitigen
Mit dem Ausbau der Netze will die Europäische Kommission die kritischen Verbindungen innerhalb der europäischen Energieinfrastruktur gezielt stärken. Der Fokus liegt dabei auf den acht identifizierten Problemstellen zwischen der Öresundstraße und dem Sizilienkanal.
Die Rückkehr des Volksautos
Neben der Energie ist die Automobilindustrie die zweite zentrale Säule. Vor diesem Hintergrund stellte von der Leyen die Small Affordable Cars Initiative vor. Das Programm soll die Fertigung leistbarer kleiner Elektroautos in Europa wieder ankurbeln, mit lokalen Lieferketten. Die ersten Details dazu finden Sie in diesem Artikel:
Laut der Kommissionspräsidentin sollen diese Fahrzeuge „(e)kologisch, (e)konomisch und (e)uropäisch“ sein: „(E)-Autos“. Das Vorhaben ergänzt die flexibleren CO₂-Vorgaben für 2025 sowie die für 2035 geplante Überprüfung. Gleichzeitig ist es eine Reaktion auf Chinas Vorstoß im Segment günstiger Elektroautos.
„Millionen Europäer wollen europäische Autos zu erschwinglichen Preisen kaufen. Deshalb müssen wir auch in kleine und preiswerte Fahrzeuge investieren.“
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission
Die Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf: 2019 wurden in der Europäischen Union mehr als eine Million Autos für weniger als 15.000 Euro verkauft; heute sind es jährlich nicht einmal 100.000. Renault und Stellantis hatten bereits die Einführung einer „Klasse M0“ gefordert, gewissermaßen ein europäisches Kei Car. Nun scheint sich Brüssel dieser Vorstellung anzuschließen.
„Koste es, was es wolle, die Zukunft ist elektrisch. Europa wird Teil dieser Zukunft sein. Die Zukunft der Autos – und die Autos der Zukunft – müssen in Europa gebaut werden“, fügte sie hinzu.
Batterien aus Europa
Industriebeschleuniger für strategische Technologien
Von der Leyen unterstrich in ihrer Rede außerdem die Notwendigkeit eines Industriebeschleunigers für strategische Bereiche wie Batterien, saubere Technologien und Digitalisierung. Darüber hinaus soll bei öffentlichen Aufträgen ein Kriterium „In Europa hergestellt“ gelten.
Eine Strategie, die bis vor Kurzem vor allem auf Northvolt setzte, deren Ergebnisse jedoch katastrophal ausfielen.
Die EK wird das „Battery Booster Package“ auflegen, das 1,8 Milliarden Euro Eigenkapital zur Stärkung der Produktion in Europa vorsieht. „Batterien sind ein Schlüsselelement für andere saubere Technologien – insbesondere für Elektrofahrzeuge. Deshalb stehen sie im Zentrum unserer Unabhängigkeit“, sagte die Präsidentin.
Für die Kommission geht es darum, in Europa einen neuen Kreislauf zu schaffen oder zumindest den bestehenden Trend umzukehren: Angebot und Nachfrage sollen einander verstärken, die Produktion soll wachsen und die Preise sollen fallen. Mit diesen Maßnahmen verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, dass die Zukunft der europäischen Wirtschaft immer weniger von Importen abhängt.
„Wir müssen sicherstellen, dass unsere Industrie die Rohstoffe, die sie benötigt, hier in Europa zur Verfügung hat. Dafür gibt es nur eine Lösung: den Aufbau einer wirklich kreislauforientierten Wirtschaft“, schloss sie.






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