Wer hätte gedacht, dass sich die Leistung eines Motors am einfachsten und schnellsten steigern lässt, indem man Öl ablässt? Sie haben richtig gelesen: Weniger Motoröl kann dazu führen, dass ein Motor mehr Leistung abgibt.
Zu sehen ist das im Video unten vom Kanal The Motor Oil Geek. Dabei war dieses Ergebnis gar nicht das eigentliche Ziel des Videoautors. Im Video geht es vielmehr um die Frage, welche Ölmenge für einen Motor richtig ist.
Um das herauszufinden, testeten Lake Speed Jr., Kanalbetreiber und auf Motorschmierung spezialisierter Ingenieur, und Ben Strader, Gründer der EFI University, einen modifizierten LS-V8-Motor von GM mit unterschiedlichen Ölmengen auf dem Leistungsprüfstand.
Der Motor fasst 11 US-Quart (10,4 Liter) synthetisches Öl der Sorte 15W-40. Auf dem Prüfstand wurde er mit fünf Quart (4,7 l), sieben Quart (6,6 l) und neun Quart (8,5 l) Öl getestet.
Die Ergebnisse waren überraschend: Zwischen der im ersten Test mit fünf Quart und der im letzten Test mit neun Quart gemessenen Höchstleistung lag ein deutlicher Abstand. Es waren 649 hp (658 PS) beziehungsweise 589 hp (597 PS). Das entspricht einer beeindruckenden Differenz von 61 PS.
Beim mittleren Test mit sieben Quart wurden 630 hp (639 PS) gemessen. Auch beim Drehmoment gab es markante Unterschiede: Mit fünf Quart Öl waren es 617 Nm, mit neun Quart „nur“ 559 Nm.
Warum liefert der GM LS V8 mit weniger Öl mehr Leistung?
Die Ursache für dieses Phänomen ist nicht schwer nachzuvollziehen: Bei einer geringeren Ölmenge trifft die Kurbelwelle, die sich im unteren Teil des Motors befindet, bei ihrer Drehbewegung auf weniger Widerstand.
Sie muss daher weniger Kraft aufwenden, um diesen Widerstand zu überwinden und sich zu drehen. Dadurch steigt das Drehmoment und, wenn alle anderen Bedingungen gleich bleiben, auch die Leistung.
Gefahr eines Motorschadens
Die Leistungsgewinne sind beeindruckend. Allerdings sollte man sich erstens vor Augen halten, dass es sich um einen V8 in „Familiengröße“ handelt. Zweitens kann dieser billige Trick teuer werden: Der Motor kann einen Kolbenfresser erleiden. Für eine lange Lebensdauer ist die richtige Schmierung des Motors unerlässlich.
Im Test zeigt sich, dass der Öldruck bei der geringsten Ölmenge ab 5000–5100 U/min auf beinahe die Hälfte des Idealwerts fällt, nämlich auf 36,1 psi (rund 2,49 bar). Bleibt der Druck längere Zeit zu niedrig, können verschiedene Motorkomponenten beschädigt werden oder der Motor kann sogar einen Kolbenfresser erleiden.
Mit sieben Quart Öl steigt der Öldruck bei derselben Drehzahl auf 68,1 psi (rund 4,70 bar). Mit zunehmender Drehzahl steigt er weiter und fällt erst ab 7000 U/min ab – was bedeutet, dass sich kein Öl mehr in der Ölwanne befindet.
Bei neun Quart hat der riesige V8 bereits genug Öl, um den Druck bei jeder Drehzahl aufrechtzuerhalten, auch oberhalb von 7000 U/min. Dafür erleben Leistung und Drehmoment einen „Einbruch“. Das ist aber immer noch besser als ein kaputter Motor.
Eine alte Praxis
Die Motorleistung durch das Ablassen von Öl zu erhöhen, ist keine neue Entdeckung. Im Motorsport, insbesondere bei Beschleunigungsrennen oder Drag Racing, ist diese Praxis seit Langem bekannt.
Die Rennen dauern schließlich nur Sekunden und führen über gerade einmal 400 m, eine Viertelmeile. Obwohl die Mechanik in dieser kurzen Zeit stark belastet wird, kann man es riskieren, etwas Öl abzulassen, um noch ein paar zusätzliche Pferdestärken herauszuholen.
Selbst wenn die zusätzliche Leistung nur einige Tausendstelsekunden bringt, kann genau das über Sieg oder Niederlage entscheiden.






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