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Schwedens Fregattenprogramm: Saab und Babcock gegen Naval Group mit der Arrowhead 120 im Wettstreit

Ingenieur in weißem Kittel hält Modell eines Kriegsschiffs am Hafen mit großem Schiff und Bauplänen auf Tisch
In diesem Artikel
  1. Französisch-schwedische Verteidigungsbeziehungen auf dem Prüfstand
  2. Das Luleå-Fregattenprogramm über 5 Milliarden Euro
  3. Naval Groups FDI: Frankreich präsentiert sein Vorzeigeschiff in Göteborg
  4. Saabs überraschender Schritt: ein Bündnis mit Babcock
  5. Warum Saab und Babcock das Kräfteverhältnis verändern
  6. Was für Schweden und seine Verbündeten strategisch auf dem Spiel steht

Hinter verschlossenen Türen steht die schwedische Regierung in Stockholm vor einer strategischen Entscheidung: Soll sie die Zusammenarbeit mit Frankreichs Naval Group im Marinesektor vertiefen oder eine neue Partnerschaft des heimischen Rüstungskonzerns Saab mit dem britischen Unternehmen Babcock unterstützen? Im Mittelpunkt dieses Bündnisses steht die Fregatte Arrowhead 120.

Französisch-schwedische Verteidigungsbeziehungen auf dem Prüfstand

In den vergangenen zehn Jahren sind Frankreich und Schweden militärisch deutlich enger zusammengerückt. Ihre Streitkräfte nutzen bereits mehrere wichtige gemeinsame Systeme, darunter NH90-Hubschrauber, BvS10-Geländefahrzeuge und Panzerabwehrwaffen der AT4-Familie.

Im Rahmen der Operation Takuba waren schwedische Spezialkräfte gemeinsam mit französischen Soldaten in der Sahelzone im Einsatz. Beide Länder führten anspruchsvolle gemeinsame Übungen durch und tauschten Ausrüstung aus. So wurden der französischen Marine vorübergehend schwedische CB90-Schnellboote überlassen.

Auch bei militärischen Hochleistungsfähigkeiten sind Paris und Stockholm verbunden: durch Panzerabwehrprogramme wie Akeron MP und NLAW sowie durch die europäische Initiative ELSA für weitreichende Angriffsfähigkeiten.

Frankreich hat im Stillen ein dichtes Netz der Verteidigungszusammenarbeit mit Schweden geknüpft. Das bildet die Grundlage für ein Angebot im Marinebereich, das alles andere als alltäglich ist.

Ende 2023 vertiefte sich die Beziehung erneut: Die französische Beschaffungsbehörde DGA bestätigte eine Bestellung über zwei luftgestützte Frühwarnflugzeuge des Typs GlobalEye von Saab, ergänzt um Optionen für zwei weitere Maschinen. In französischen Kreisen sahen viele darin einen möglichen politischen Hebel.

Die Erwartung in Paris ist einfach: Der Kauf schwedischer Hochleistungssensoren sollte es Schweden erleichtern, für sein künftiges Überwasserkampfschiffprogramm eine Fregatte französischer Bauart auszuwählen.

Das Luleå-Fregattenprogramm über 5 Milliarden Euro

Schwedens Vorhaben für ein „Überwasserkampfschiff der neuen Generation“, häufig als Luleå-Programm bezeichnet, sieht die Beschaffung von vier großen Fregatten für rund 5 Milliarden Euro vor. Die Schiffe sollen über Jahrzehnte das Rückgrat der Königlich Schwedischen Marine in der Ostsee und der Arktis bilden.

Stockholm sucht Schiffe, die Bedrohungen aus der Luft abwehren, unter schwierigen Bedingungen U-Boote jagen und lange Einsätze im rauen Klima des Nordens bewältigen können.

Anfangs erwogen die schwedischen Behörden, die Schiffe weitgehend im eigenen Land zu bauen und Saab sowie heimische Werften stark einzubinden. Das entsprach der schwedischen Tradition, eine leistungsfähige nationale Marineindustrie zu erhalten.

Vom „Bau im Inland“ zu „schlüsselfertigen“ Schiffen

2023 änderte sich die Ausgangslage: Die schwedische Behörde für Verteidigungsmaterial FMV leitete stattdessen ein Verfahren zum Kauf von vier „schlüsselfertigen“ Schiffen ein. Stockholm würde damit einen fertigen Entwurf auswählen und vollständige Schiffe erhalten, statt ein ausschließlich im Inland entwickeltes Konzept zu organisieren.

Der Kurswechsel eröffnete ausländischen Schiffbauern wie Frankreichs Naval Group, Spaniens Navantia und dem britischen Unternehmen Babcock größere Chancen.

  • Ursprüngliche Absicht: starke Beteiligung der heimischen Industrie mit Saab als wichtigstem Partner
  • Kurswechsel: Beschaffung von vier schlüsselfertigen Fregatten nach Entwürfen ausländischer Anbieter
  • Ergebnis: verschärfter Wettbewerb zwischen Naval Group, Navantia und Babcock

Naval Group stellt seine Verteidigungs- und Interventionsfregatte FDI als Antwort auf Schwedens Anforderungen vor. Das Typschiff Amiral Ronarc’h machte kürzlich während einer langen Fahrt vor seiner Indienststellung einen viel beachteten Zwischenstopp in Göteborg.

Die Botschaft des Hafenbesuchs war eindeutig: Es handelt sich um ein reales Schiff, das bereits auf See ist, und nicht um ein bloßes Projekt auf dem Papier. Französische Vertreter betonen, die FDI sei uneingeschränkt für mehrere Aufgaben ausgelegt und für Einsätze in nördlichen Gewässern gebaut.

Naval Group bewirbt die FDI als vollständig ausgerüstete Fregatte, die bereits auf See fährt und für anspruchsvolle nördliche Meere ausgelegt ist.

Frankreichs Streitkräfteministerin Catherine Vautrin erklärte öffentlich, Naval Group könne Schweden eine erste FDI „vollständig ausgerüstet“ und einsatzbereit liefern. Außerdem brachte sie eine Partnerschaft mit der schwedischen Industrie ins Spiel und nannte Saab ausdrücklich als wichtigsten Ansprechpartner.

Der Vorschlag lief auf eine Art umfassende Vereinbarung hinaus: Schwedische Unternehmen würden bei einer FDI-basierten Lösung Arbeitsaufträge und Zugang zu Technologie erhalten. Im Gegenzug würde Schweden seine Marine enger an Frankreich und andere FDI-Nutzer wie Griechenland anbinden.

Saabs überraschender Schritt: ein Bündnis mit Babcock

Der französische Plan hat ein wesentliches Problem: Saab will nicht als nachrangiger Partner von Naval Group auftreten. Stattdessen setzt der schwedische Rüstungskonzern verstärkt auf einen anderen Weg und baut seine bestehende Zusammenarbeit mit Babcock aus.

Saab hat inzwischen bestätigt, der schwedischen Marine gemeinsam mit Babcock die Fregatte Arrowhead 120 anzubieten. Laut der Vereinbarung wird Saab den Auftritt in Stockholm führen und unmittelbar mit der FMV verhandeln.

Saab will im schwedischen Fregattenprogramm der Zukunft führen statt folgen und hält Babcocks Arrowhead-Entwurf dafür für das passende Mittel.

Babcock hatte ursprünglich den größeren Entwurf Arrowhead 140 bei internationalen Ausschreibungen angeboten, darunter beim Programm für die Type-31-Fregatten der britischen Marine. Für Schweden hat der britische Konzern eine kompaktere Variante angepasst: die 120 Meter lange Arrowhead 120, die gezielt für Einsätze in Ostsee und Arktis vorgesehen ist.

Was ist die Arrowhead 120?

Nach Angaben von Babcock soll die Arrowhead 120 rund 4.000 Tonnen verdrängen und 120 Meter lang sein. Vorgestellt wird sie als modulare Fregatte für lange Einsätze mit großer Einsatzdauer.

Zu den von Saab und Babcock hervorgehobenen Eigenschaften zählen leistungsfähige Flugabwehr und moderne Systeme zur U-Boot-Bekämpfung. Beides ist für Schwedens operative Anforderungen zentral.

Merkmal Arrowhead 120 (vorgesehen)
Länge 120 Meter
Verdrängung Rund 4.000 Tonnen
Hauptaufgaben Flugabwehr, U-Boot-Bekämpfung
Luftfahrzeuge Hubschrauber NH90 oder MH-60 Seahawk sowie Flugdrohnen
Entwurfskonzept Modular, für Einsätze mit langer Einsatzdauer

Lars Brännström, stellvertretender Leiter von Saab Kockums, hält die Arrowhead 120 für Einsätze in Ostsee, Nordsee und Arktis geeignet. Er betont ihre Reichweite und Eigenständigkeit bei langen Missionen sowie ihre Robustheit in kalten Gewässern und in stark frequentierten, flachen Seegebieten.

Warum Saab und Babcock das Kräfteverhältnis verändern

Für Schweden entsteht durch Saabs Schulterschluss mit Babcock eine Mischlösung: ein international bewährtes Rumpfkonzept in Verbindung mit einem starken inländischen Hauptauftragnehmer.

Damit ließen sich mehrere politische und industrielle Ziele gleichzeitig erfüllen. Saab würde bei der Anpassung des Entwurfs, der Integration schwedischer Kampfsysteme und der langfristigen Betreuung eine zentrale Rolle behalten. Zugleich könnte Stockholm von Babcocks Erfahrung mit der britischen Type 31 und anderen Exportvorhaben profitieren.

Das Bündnis zwischen Saab und Babcock verschafft Schweden ausländisches Schiffbauwissen, ohne den eigenen führenden Rüstungskonzern an den Rand zu drängen.

Für Naval Group bedeutet das einen deutlichen Rückschlag. Die Franzosen hatten gehofft, Saab könnte sich einem FDI-Team anschließen, dessen Glaubwürdigkeit vor Ort stärken und Bedenken wegen einer Abhängigkeit vom Ausland mindern. Stattdessen ist Saab bei genau jener Ausschreibung zum direkten Konkurrenten geworden, bei der Paris einen wohlgesinnten Industriepartner erwartet hatte.

Spaniens Navantia bleibt zwar im Rennen. Schwedische Medien und Fachleute stellen die Entscheidung jedoch zunehmend als Duell zwischen der FDI und der Arrowhead-Familie dar. Saabs politisches Gewicht verleiht dem britisch-schwedischen Angebot dabei zusätzlichen Schwung.

Was für Schweden und seine Verbündeten strategisch auf dem Spiel steht

Die Fregattenwahl ist mehr als eine technische Beschaffungsfrage. Sie wird prägen, wie Schweden in den kommenden 30 Jahren in die maritimen Strukturen von NATO und EU eingebunden ist.

Eine Entscheidung für die FDI würde die Beziehungen zu Frankreich vertiefen und Schweden bei Ausbildung, Logistik und Modernisierungen möglicherweise stärker mit Griechenland und anderen künftigen FDI-Nutzern verbinden.

Die Wahl der Arrowhead 120 würde Stockholm enger an das Vereinigte Königreich und weitere Marinen binden, die Entwürfe auf Arrowhead-Basis übernehmen. Zugleich würde sie Saabs zentrale Stellung in Schwedens Marineschiffbau festschreiben.

  • FDI: engere Abstimmung mit Frankreich und Partnern im Mittelmeerraum
  • Arrowhead: stärkere Bindung an das Vereinigte Königreich und bestehende Type-31-Nutzer
  • Bei beiden Optionen: langfristige Bindungen an Lieferketten und Modernisierungen

Was „modular“ bei Fregatten bedeutet

Der Begriff „modular“ fällt in diesen Debatten häufig. Praktisch bedeutet er, dass Waffensysteme, Sensoren und Missionsausrüstung so ausgelegt sind, dass sie mit weniger baulichem Aufwand ausgetauscht oder modernisiert werden können.

Für eine Marine wie die schwedische ist Modularität wichtig. Die Bedrohungen in der Ostsee ändern sich rasch und reichen von russischen U-Booten bis zu weitreichenden Raketen und Drohnen. Eine modulare Fregatte ermöglicht es Schweden, neue Radarsysteme, Raketenstarter oder unbemannte Systeme einzuführen, ohne das Schiff alle zehn Jahre grundlegend neu zu entwerfen.

Das erleichtert auch unterschiedliche Einsatzaufgaben: Derselbe Rumpf könnte in einem Jahr ein Paket zur U-Boot-Bekämpfung und im nächsten eine stärkere Flugabwehrausstattung tragen – je nachdem, welche Systeme installiert werden.

Welche Szenarien Schweden vermutlich abwägt

Fachleute in Stockholm skizzieren bei der Diskussion über die Entscheidung häufig einige informelle Szenarien:

  • Enge Einbindung mit Frankreich: Schweden entscheidet sich für die FDI, erhält schneller Zugang zu einem vollständig erprobten Entwurf und nutzt französische Forschung und Entwicklung mit. Dafür akzeptiert es mehr ausländische Kontrolle über die Plattform.
  • Industrielle Eigenständigkeit im Mittelpunkt: Schweden wählt die Arrowhead 120 unter Saabs Führung, behält mehr Einfluss auf die Weiterentwicklung des Entwurfs und sichert Arbeit im Inland. Für das Fachwissen zum Rumpf stützt es sich dabei auf Babcock.
  • Kosten und Geschwindigkeit als Maßstab: Den Zuschlag erhält jenes Team, das in einer angespannten Sicherheitslage berechenbare Kosten und eine pünktliche Lieferung anbieten kann – auch wenn dafür Abstriche bei den industriellen Ambitionen nötig sind.

Unabhängig vom gewählten Weg wird die Entscheidung zeigen, wie Stockholm Bündnispolitik, Interessen der Verteidigungsindustrie und die operativen Anforderungen an Patrouillen in einigen der strategisch sensibelsten Gewässer Europas gegeneinander abwägt.

Die Behörden dürften ihre Wahl bis zum Ende des ersten Halbjahres dieses Jahres treffen. Frankreich, Saab und Babcock zählen damit die Zeit bis zu einer Entscheidung herunter, die Marinepartnerschaften in Nordeuropa neu gestalten könnte.

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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