Nicht nur Freunden und Bekannten geben wir gern Spitznamen. Auch Dinge erhalten von uns häufig Bezeichnungen, weil sie uns aus dem einen oder anderen Grund an etwas völlig anderes erinnern.
Bei Automobilen gibt es für diese „Versuchung“ unzählige Beispiele. Manche dieser Beinamen haben sich sogar stärker durchgesetzt als der eigentliche Modellname.
Ein gutes Beispiel ist der Volkswagen „Käfer“: Heute kennen vermutlich nur noch wenige Menschen seine offizielle Bezeichnung, Type 1. Klingt auch nicht annähernd so gut, oder? Volkswagen selbst übernahm später den Namen Beetle für die jüngeren Generationen des Modells.
Auto-Spitznamen sind eine Art, Modelle zu würdigen, die zur Geschichte des Automobils gehören.
Hier erinnern wir an zehn ältere und jüngere Automobile, die auch unter ihrem Spitznamen berühmt wurden. Mal ist dieser besonders sympathisch, mal negativ besetzt – einprägsam ist er aber immer.
Volkswagen Type 1 – „Käfer“
Er ist wohl eines der besten Beispiele für ein Modell, dessen vom Publikum vergebener Spitzname die offizielle Modellbezeichnung beinahe vollständig verdrängt hat.
Der 1938 eingeführte Volkswagen Type 1 verdankt die Bezeichnung „Käfer“ – ebenso wie „Mistkäfer“, „Schabe“ und „Fusca“ in Brasilien – der Form seiner Karosserie. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, mit mehr als 21,5 Millionen verkauften Exemplaren zu einem der meistverkauften Autos aller Zeiten zu werden.
Citroën DS – „Froschmaul“
Der Citroën DS wurde 1955 vorgestellt und von dem Italiener Flaminio Bertoni – nicht mit Bertone zu verwechseln – gemeinsam mit dem französischen Ingenieur André Lefèbvre gestaltet.
Sein Ruf und sein Verkaufserfolg stellten sich sofort ein. Dafür sorgten nicht nur das aerodynamische, futuristische Design, sondern ebenso die innovative Technik, zu der auch die hydropneumatische Federung gehörte.
In Portugal erhielt er, vor allem wegen seiner Frontpartie, rasch den liebevollen Beinamen Citroën „Froschmaul“.
Volkswagen Type 2 – „Kastenbrot“
Noch ein Volkswagen, der in Portugal eine besondere Bezeichnung erhielt. Er kam 1950 unter dem Namen Type 2 auf den Markt, wurde wegen seiner Karosserieform jedoch schnell als „Kastenbrot“ bekannt.
So wird er dort noch heute genannt. In anderen Ländern und Regionen trug er hingegen Namen wie „Microbus“, „Minibus“ oder „Hippie Van“ – eine Anspielung auf die Hippiekultur der 1960er-Jahre und die „Flower Power“-Bewegung.
Renault 4 – „Vier Dosen“
Der 1961 eingeführte Renault 4 zählt bis heute zu den bekanntesten Modellen der Marke Renault. Zudem war er ihr erstes Modell mit Frontantrieb.
Offiziell Renault 4 genannt, wurde er in Portugal als 4L oder „Quatrelle“ bekannt. Seine einfache Technik und seine Widerstandsfähigkeit bei allen denkbaren Herausforderungen – er nahm sogar an der Dakar teil! – brachten ihm den Spitznamen „Vier Dosen“ ein. Er ist bis heute sehr gefragt, obwohl seine Produktion 1994 endete.
Ford Anglia 105E (1959–1967) – „Ach du meine Güte!“
Der Name Anglia blickt bei Ford auf eine lange Geschichte zurück. Doch ein Anglia hob sich besonders deutlich von allen anderen ab: der Anglia 105E, vor allem wegen seines Designs.
Er wurde von Ford Britain entwickelt – in Europa gab es damals zwei Ford-Unternehmen, die britische und die deutsche Gesellschaft, praktisch wie zwei unabhängige Marken. Vom auffälligen Stil der amerikanischen Limousinen jener Zeit inspiriert, fiel der Anglia 105E durch seine entgegen der üblichen Richtung geneigte Heckscheibe auf.
Daraus entstand der Spitzname „Ach du meine Güte!“, ein Ausdruck des Missfallens beim Anblick seines Stils: vorne elegant und rundlich, hinten dagegen kantiger und mit umgekehrter Heckscheibe. Seinem kommerziellen Erfolg stand das nicht im Weg.
Mercedes-Benz W 136 – „Matateu“
Der Mercedes-Benz W 136 wurde 1936 präsentiert, erlangte in Portugal aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem als 170 D bezeichneten Dieselmotor grössere Bekanntheit.
Er gehörte zu den ersten Personenwagen mit Dieselmotor und trug wesentlich dazu bei, das Image von Zuverlässigkeit und Robustheit dieser Antriebsart bei der Marke mit dem Stern zu festigen. Kein Wunder also, dass er auch bei Taxifahrern besonders beliebt war – ja, nicht nur der 190 D …
Der Mercedes-Benz W 136 war zudem einer der wenigen Luxusgegenstände des berühmten Belenenses-Fussballers Sebastião da Fonseca Lucas, besser bekannt als „Matateu“. Dessen Spitzname ging schliesslich auf das Auto über …
Renault 4CV – „Marienkäfer“
Der Renault 4CV ging erst 1947, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, in Produktion. Entwickelt wurde er jedoch während der nationalsozialistischen Besatzung heimlich von drei französischen Ingenieuren im Werk Boulogne-Billancourt. Der Einfluss des deutschen „Käfers“ war kaum zu übersehen.
Als der Verkauf begann, war der Wagen nur in einer einzigen Farbe erhältlich: Sandgelb. Nach dem Krieg war dies der einzige Farbton, der in grossen Beständen verfügbar war. Deshalb erhielt er vor Ort den Namen „La motte de beurre“, auf Deutsch „Der Butterblock“.
In Portugal führten die Ähnlichkeiten mit dem „Käfer“ dazu, dass das Publikum einen anderen Käfer zur Benennung des kleinen und „niedlichen“ Modells auswählte: den „Marienkäfer“.
Volvo PV444/544 – „Stockente“
Der 1944 präsentierte PV444 war gewissermassen Volvos Interpretation der riesigen amerikanischen Streamliner in deutlich kompakterem Format. Sein Erfolg übertraf letztlich die Erwartungen des schwedischen Herstellers.
Er war das erste Serienautomobil mit einer Verbundglas-Windschutzscheibe und Dreipunkt-Sicherheitsgurten. Der PV444 und der PV544 fielen aber noch aus einem anderen Grund auf: durch ihr rundes Heck.
Die Portugiesen konnten nicht widerstehen und tauften ihn, begleitet von zahlreichen Scherzen, rasch „Stockente“.
Citroën Traction Avant – „Schleifwagen“
Der Traction Avant war an der ersten Insolvenz von Citroën im Jahr 1934 beteiligt, also in jenem Jahr, in dem er auf den Markt kam. Michelin, einer der grössten Gläubiger, übernahm schliesslich die Marke mit dem double chevron. Am Ende dieser Geschichte entwickelte sich der Traction Avant dennoch zu einem Verkaufserfolg.
Er zählte zu den innovativsten Modellen überhaupt und wurde auch als Automobil der „100 Patente“ bezeichnet. Besonders hervorzuheben sind die von Lancia erfundene selbsttragende Karosserie sowie die Tatsache, dass er zu den ersten Fahrzeugen mit Frontantrieb gehörte.
In Portugal bekam er den Namen „Schleifwagen“, möglicherweise genau wegen seines Frontantriebs. Ausserdem lag er dank seiner selbsttragenden Karosserie deutlich tiefer als seine damaligen Konkurrenten.
Bei all dem darf seine Rolle im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) nicht unerwähnt bleiben. Der „Schleifwagen“ ist eines der bedeutendsten Symbole des französischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Invasion.
Volkswagen Polo G40 – „Sarg auf Rädern“
Er war nicht das einzige Auto mit diesem Beinamen, aber eines seiner prägnantesten Beispiele. Als Vorgänger des Polo GTI war der Volkswagen Polo G40 die sportlichste Ausführung des Kleinwagens.
Die Bezeichnung G40 leitete sich vom „G-Lader“-Kompressor ab, der dem 1,3-l-Vierzylinder 115 PS verlieh, sowie von dessen Ansaugdurchmesser von 40 mm. Mit 8,1 s von 0 auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h war er einer der begehrtesten kleinen Sportwagen seiner Zeit.
Den Namen „Sarg auf Rädern“ erhielt er allerdings nicht ohne Grund. Er war zweifellos schnell, doch sein Fahrverhalten und besonders seine Bremsleistung waren katastrophal.






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