Der Rolls-Royce Phantom wird 100 Jahre alt. Gemeint ist natürlich nicht die heutige Ausgabe: Der Phantom VIII kam 2017 in den Verkauf. 1925 gab es weder Touchscreens noch Biturbo-V12-Motoren.
Dennoch hat der Phantom acht Generationen und zehn Jahrzehnte überdauert. Er ist weiterhin das Flaggschiff von Rolls-Royce und galt während fast seiner gesamten Modellgeschichte als das beste Luxusauto der Welt. Entsprechend feiert Rolls-Royce dieses Jubiläum auf die einzige Art, die man dort kennt: mit einer demonstrativen Machtdemonstration bei der individuellen Luxusausstattung.
Willkommen bei der Phantom Centenary Private Collection. Das klingt nach einem geheimen Klub – und irgendwie ist es das auch. Man könnte vermuten, dass es 100 Mitglieder gibt. Weit gefehlt: Rolls-Royce baut in dieser Spezifikation nur 25 Fahrzeuge.
Rolls-Royce Phantom Centenary Private Collection: die Basis
Als Grundlage dient ein Phantom Extended, das 2,5 Tonnen schwere und 563 PS starke Spitzenmodell der Rolls-Royce-Palette. Darauf durfte sich allerdings jede Abteilung von Rolls-Royce nach Herzenslust austoben.
Nehmen wir die Spirit of Ecstasy auf der Motorhaube: Sie besteht aus massivem Gold – 18 Karat im Inneren für die nötige Festigkeit, abschliessend mit 24-karätigem Gold beschichtet. Ein Londoner Juwelier hat sie punziert, und ihre Form entspricht exakt dem originalen „Flying Lady“-Guss von 1925.
Die zweifarbige Lackierung in Schwarz und Weiss erinnert an Filmpremieren der 1930er-Jahre, bei denen Phantoms vorfuhren, als Farbfilme noch nicht üblich waren. Damit der Lack genau richtig schimmert, wurden zerkleinerte Partikel champagnerfarbenen Glases in den Klarlack eingearbeitet.
Jedes der riesigen Räder mit Scheibenoptik trägt 25 eingravierte konzentrische Linien. Da TopGear.com vier Räder zählen kann, prognostizieren wir selbstbewusst insgesamt 100 Linien am gesamten Auto. Centenary-Bingo!
Handwerk und Historie im Phantom-Innenraum
Im Innenraum hat Rolls-Royce jedoch besonders gross aufgefahren. Als Verweis auf die Frühzeit des Automobils, als wettergegerbte Chauffeure auf regenfestem Leder sassen, während die wohlhabenden Passagiere hinten geschützt unter weichen Stoffen entspannten, setzt auch der Phantom Centenary auf eine geteilte Polsterung.
Und was für eine Polsterung das ist. Die Rücksitze bilden einen handgewebten Wandteppich aus überlappenden Orten und Momenten, die für die Phantom-Geschichte wichtig sind. Zu sehen sind der ursprüngliche Unternehmenssitz in der Conduit Street in London, Henry Royces Ölgemälde von Südfrankreich, Skizzen jeder Phantom-Generation und Stickereien berühmter Phantom-Besitzer – ein reichhaltiger, ähm, Teppich historischer Rückblicke. Fast schade, darauf zu furzen.
Rolls-Royce errechnet für das „Kunstwerk“ der Sitze 160.000 Stiche. Es erstreckt sich über 45 einzelne Paneele, die exakt zueinander ausgerichtet werden müssen. Und ja: Wer genau hinsieht, entdeckt auf dem Rücksitz einen Teddybären …
Vorne wartet unterdessen noch mehr Kunst. „Das Leder der Vordersitze zeigt per Laser geätzte Kunstwerke eines Kaninchens“, wird uns mit ernster Miene erklärt. Warum sitzt Bugs Bunny im ultimativen Rolls? „Es ist eine Anspielung auf ‚Roger Rabbit‘, den Codenamen für den Neustart von Rolls-Royce im Jahr 2003 – sowie auf eine Möwe, den Codenamen für den Prototyp des Phantom I von 1923.“ Das ist dort drinnen ein regelrechter Streichelzoo.
Zugleich ist es ein Garten. Der Dachhimmel umfasst gewaltige 440.000 Stiche, von denen einige einen Maulbeerbaum formen. Das „Bespoke Collective“ von Rolls liess sich von einem Foto inspirieren, das Henry Royce unter einem solchen Baum in seinem Garten zeigt, wo er mit seinem leitenden Motorenkonstrukteur und Cheftestfahrer die Pläne für den Phantom bespricht.
Holzarbeiten, Gold und aufwendige Details
An der Decke gäbe es noch viel mehr zu sehen, doch stattdessen richten wir den Blick auf die Türen. Dort befindet sich laut Rolls-Royce die aufwendigste Holzarbeit, die das Unternehmen je geschaffen hat.
Das gebeizte Schwarzholz kombiniert 3D-Marketerie, Laserätzung und dreidimensionale Tintenschichtung – dazu kommt reichlich Blattgold –, um Karten einiger bedeutendster Orte der Phantom-Geschichte und die Reisen des Modells darzustellen. Na gut, nicht wirklich reichlich Gold: Es ist nur 0,1 Mikrometer dick.
Möglicherweise fliessen die Erkenntnisse aus der Entwicklung dieser Techniken in künftige Ausgaben von Spectre, Ghost und sogar in die nächste Phantom-Generation ein. Bei dieser Fahrzeugserie entsteht jedenfalls der Eindruck, Rolls-Royce habe Budgets, Fristen und alles andere Langweilige aus dem Fenster geworfen, um schlicht die opulenteste und detaillierteste Geburtstagsüberraschung zu schaffen, die einem Auto jemals zuteilwurde.
Nun ja: Nach 100 Jahren wären eine Karte und ein Kuchen eben kaum angemessen.






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