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Opel Grandland Ultimate AWD im Langstreckentest: Die Sitze überraschen

Grüner Opel Grandland 320 Geländewagen in Ausstellungshalle neben Ladestation und digitalem Display.
In diesem Artikel
  1. Großes Format und erster Schreckmoment
  2. 320 PS aus Paris: der erste Härtetest
  3. Zuerst für einen Produktionsfehler gehalten, dann als Lösung erkannt
  4. Opel Grandland: absolute Ruhe, aber straffe Federung
  5. Die ernüchternde Realität beim Laden auf der Autobahn
  6. Zurückhaltendes, beinahe langweiliges Design
  7. Warum es dem Innenraum an Schwung fehlt
  8. Nach 7 Stunden: das Wunder für meinen Rücken ist tatsächlich passiert
  9. Warum Tesla und Xpeng weiterhin ernsthafte Bedrohungen sind
  10. Opel Grandland Ultimate AWD
  11. Das gefällt uns
  12. Das gefällt uns weniger

Opel steht normalerweise nicht gerade für pure Lebensfreude – und beim Grandland ändert sich daran wenig. Dennoch habe ich ihn auf einer langen Fahrt von Paris nach Grenoble ausprobiert. Am Ende waren es vor allem seine Sitze, die mich überrascht haben.

Um 11 Uhr stehe ich am Parkplatz PX des Flughafens Paris-Charles de Gaulle. Die 32 °C im Bordcomputer machen klar: Es ist Hochsommer. Im Innenraum herrscht brütende Hitze, doch wir müssen rasch los, damit die Parkgebühren nicht weiter steigen. Nachdem ich den Opel Grandland aus einer extrem engen Parklücke befreit habe, wartet schon die ebenso enge Ausfahrt mit Kasse.

Großes Format und erster Schreckmoment

Die 360-Grad-Kamera meiner Ultimate-Version signalisiert zunächst, dass es nicht ausgehen wird. Die auf dem Display eingeblendeten Fahrzeugumrisse ragen links und rechts über die automatische Kasse hinaus. Also ziele ich möglichst präzise – und mit nur wenig Spielraum klappt es. Nach 12 € für höchstens zwei Stunden Parken öffnet sich die Schranke, und die Fahrt kann beginnen.

Grenoble ist das Ziel, der Akku ist zu 60 % geladen. Da die Batterie 73 kWh Energie speichert, liegt die theoretische Reichweite bei 486 km. Für ein besonders langstreckentaugliches Auto reicht das zugegebenermaßen nicht. Dafür wäre die Ausführung mit dem 97-kWh-Paket passender. Mich hat allerdings die kräftige AWD-Variante mit 320 PS gereizt.

320 PS aus Paris: der erste Härtetest

Mit 53.690 € ist dies mit großem Abstand der teuerste Grandland. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die gebotene Leistung. Die zwei Elektromotoren stellen 509 Nm Drehmoment bereit, packen entschlossen an und ermöglichen es, zügig von einem Terminal zum nächsten zu fahren. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Ultimate AWD in 6,1 s und ist damit die schnellste Version der Baureihe.

Das hilft beim Einfädeln über die Auffahrten zur N1104, danach zur N2 und schließlich zur A104. Das Fahrzeug zeigt einen Durchzug, den ich von den anderen Elektroautos des Konzerns nicht kenne. Ganz so explosiv wie manche Rivalen ist es nicht, flott geht es aber allemal vorwärts. Seine eigentliche Besonderheit werden jedoch die Sitze sein.

Zuerst für einen Produktionsfehler gehalten, dann als Lösung erkannt

Mein Testwagen verfügt über die hochwertigsten Sitze mit perforiertem Nappaleder. Neben der sehr gelungenen Optik hat mich vor allem ihr Komfort beeindruckt. Die Kombination aus Massagefunktion und Belüftung ist bei heißem Wetter ein Genuss. Ein durchgeschwitztes T-Shirt zwischen Rücken und Sitzlehne gehört damit der Vergangenheit an. Das ist ausgesprochen angenehm.

Noch überzeugender ist jedoch die ungewöhnliche Rinne in der Mitte der Sitzfläche. Zuerst hielt ich sie für einen Fehler. Sobald man Platz nimmt, merkt man aber, dass nichts mehr auf die Mitte des Gesäßes drückt – fast wie bei einem Fahrradsattel. Das sind die Intelli-Seats, die Rückenschmerzen verringern sollen.

Opel Grandland: absolute Ruhe, aber straffe Federung

Da ich dieser Bezeichnung zunächst skeptisch gegenüberstehe und sie für einen weiteren Marketingeinfall halte, fahre ich einfach weiter. Nach der Mautstation Éprunes beginnt die mehr als 500 km lange Autobahnetappe nach Grenoble, zunächst auf der A5. Bei konstanten 130 km/h fällt die sehr gute Geräuschdämmung auf, die auch den Verbundglasscheiben vorne zu verdanken ist.

Ergänzt wird das durch eine in der Stadt straffe Federung, die auf den glatten Schnellstraßen allerdings ihren Sinn ergibt. Das Auto bleibt souverän, und das teilautonome Fahrsystem arbeitet angenehm sanft – weit entfernt von dem, was manche chinesischen Hersteller bieten. Für lange Distanzen ist der Grandland somit bequem.

Die ernüchternde Realität beim Laden auf der Autobahn

Die Reichweite muss man dennoch im Auge behalten, denn sie ist für diese Klasse nicht besonders hoch. Auch der bei 22 kWh/100 km stabilisierte Verbrauch ist keineswegs außergewöhnlich. Ein Ladestopp an der A6 wird damit unvermeidlich: Auf dem Rastplatz La Réserve warten Ionity-Ladesäulen.

Die Batterievorkonditionierung stimmt optimistisch, die maximale DC-Ladeleistung von 160 kW dagegen weniger. Bei der herrschenden Außentemperatur ist die erste Funktion ohnehin überflüssig. Ich stecke an, und die Enttäuschung folgt beinahe sofort: Die Ladesäule zeigt bei noch 14 % Akkustand lediglich 112 kW an. Das ist wenig.

Zurückhaltendes, beinahe langweiliges Design

Daran lässt sich leider nichts ändern, während der Lüfter auf höchster Stufe läuft, um den Akku so gut wie möglich abzukühlen. Ich nutze die Zeit, um die von Insekten übersäte Front und das Heck mit beleuchtetem Opel-Schriftzug anzusehen. Das Erscheinungsbild bleibt unauffällig und wenig aufregend, besonders in diesem Spektrum-Blau.

Nach 40 Minuten Ladezeit, bei der die Leistung rasch absinkt, geht es wieder auf die Autobahn. Dabei stellt sich ein durchaus seltsames Gefühl ein: kein bisschen Rückenschmerzen. Die Kilometer ziehen eintönig vorbei. Um die Zeit zu überbrücken, folgt ein genauerer Blick auf den Innenraum. Und ehrlich gesagt: Er schlägt dieselbe Richtung wie das Exterieur ein.

Warum es dem Innenraum an Schwung fehlt

Er wirkt nüchtern und zurückhaltend. Die Materialien sind ordentlich, die Türverkleidungen tragen einen melierten Stoff. Ergonomisch überzeugen die drei Kippschalter unter dem Touchscreen, mit denen sich die Belüftung steuern lässt. Über das Display muss allerdings gesprochen werden: Mit 16 Zoll Diagonale ist es breit, aber nicht hoch genug, um besonders komfortabel bedient zu werden.

Auch das Infotainment begeistert nicht, denn ihm fehlen Flüssigkeit und Reaktionsschnelligkeit. Von Android Automotive ist man hier deutlich entfernt. Mit Android Auto und Apple CarPlay lässt sich das Problem allerdings umgehen. Das digitale Kombiinstrument fällt kleiner aus und bietet nur wenige Anpassungsmöglichkeiten. Es erinnert an einen Schokoriegel.

Nach 7 Stunden: das Wunder für meinen Rücken ist tatsächlich passiert

Unabhängig vom digitalen Erlebnis mangelt es nicht an Platz. Bei 4,65 Metern Länge und 1,91 Metern Breite ist das wenig überraschend. Beinahe hätten die 20-Zoll-Felgen im Parkhaus Bekanntschaft mit einer Wand gemacht. Ups … Im Fond gibt es ausreichend Bein- und Kopffreiheit, auch wenn der Grandland damit keine Bestwerte erzielt. Der Kofferraum fasst 485 Liter. Das ist gerade ausreichend.

Nach einem weiteren Ladestopp erreiche ich Grenoble schließlich gegen 18 Uhr. Damit hat die Fahrt 7 Stunden gedauert, inklusive zweier Stopps von jeweils mehr als 30 Minuten. Das Fehlen einer 800-Volt-Architektur macht sich hier bemerkbar. Erschöpfung dagegen nicht: Rückenschmerzen gibt es keine, was bemerkenswert ist. Das können viele Konkurrenten nicht von sich behaupten.

Warum Tesla und Xpeng weiterhin ernsthafte Bedrohungen sind

Für mich reicht das dennoch nicht als Kaufargument. Es gibt weiterhin klare Verbesserungspunkte. Neben der wenig überzeugenden Schnellladeleistung ist die Federung bei niedrigen Geschwindigkeiten zu straff, während der Touchscreen deutlich hinterherhinkt. Auch der Preis dürfte niedriger sein, denn alternativ gibt es einen Tesla Model Y Große Reichweite oder einen Xpeng G6 Performance. Da gibt es keinen Vergleich!

Ist der Sitzkomfort für euch ein entscheidendes Kaufkriterium, oder steigt ihr aus, sobald die Ladekurve nicht optimal ist? Schreibt es uns in die Kommentare!

Opel Grandland Ultimate AWD

53.690 €

Urteil

7.0/10

Das gefällt uns

  • Die komfortablen Sitze
  • Die ordentlichen Fahrleistungen
  • Das großzügige Platzangebot im Innenraum
  • Das entspannte teilautonome Fahren

Das gefällt uns weniger

  • Das wenig effiziente Schnellladen
  • Die straffe Federung
  • Der überholte Touchscreen
  • Der hohe Preis

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Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

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