Man muss weder ein Mathegenie noch Fachmann für öffentliche Finanzen sein – ich bin keines von beidem –, um zu erkennen, dass die Steueranreize für den Kauf von Elektroautos ihrem Ende entgegengehen. Trotzdem sollte jetzt niemand überstürzt zum nächsten Autohaus fahren. Möglicherweise bleibt noch etwas Zeit.
In Portugal meidet man alles Schmerzliche bekanntlich wie «der Teufel das Kreuz». Daher ist es durchaus möglich, dass ein weiteres Jahr lang nichts verändert wird. Für den Staatshaushalt 2027 erwarte ich deshalb keine einschneidenden Neuerungen. Eine kurze Verlängerung würde jedoch nichts am Unvermeidlichen ändern: Früher oder später werden auch Elektroautos zur Finanzierung der Steuerkasse beitragen müssen.
Dass es dazu kommt, steht für mich ausser Zweifel. Entscheidend ist vor allem «wann» und «wie». Die Begründung dafür ist schnell erklärt – zunächst lohnt aber ein Blick auf die Grössenordnung dessen, worum es geht.
Steuereinnahmen aus dem Autosektor sind schwer zu ersetzen
Nach den jüngsten Daten des Automobilverbands Portugal (ACAP) bringt die Autobranche rund 11,8 Milliarden Euro an Steuern ein. Das entspricht ungefähr 19,4 % aller Steuereinnahmen des portugiesischen Staates. Anders gesagt: Von jeweils fünf Euro, die der Staat einnimmt, stammt einer aus dem Automobilbereich.
Der weitaus grösste Teil dieser Einnahmen wird von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erwirtschaftet. Ihre Halter gehören steuerlich betrachtet zu einer Gruppe, die einen roten Teppich verdient: Sie zahlen Mehrwertsteuer, Kfz-Besitzsteuer (IUC), Zulassungssteuer (ISV) und Mineralölsteuer (ISP). Zwar fällt beim Verkauf von Elektroautos an Privatpersonen ebenfalls Mehrwertsteuer an, doch dieser Bereich hat weiterhin nur geringes Gewicht.
Bei Firmenwagen kommt hinzu, dass Modelle mit Verbrennungsmotor deutlich höheren Sondersteuern unterliegen als Elektroautos. Letztere leisten nur in sehr aussergewöhnlichen Fällen überhaupt einen Beitrag.
Genau darin liegt das Problem des Staates – der letztlich wir alle sind, auch wenn der Staat zunehmend wie eine Einrichtung wirkt, die vor allem sich selbst dient …: Elektroautos tragen bislang nur wenig zu den Steuereinnahmen bei. Kurz gesagt: Die Rechnungen werden derzeit von Autos mit Verbrennungsmotor bezahlt.
Beim Staat macht sich diese Entwicklung bereits bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2026 war jedes vierte neu verkaufte Pkw-Modell in Portugal elektrisch. Was geschieht erst, wenn dieser Anteil weiter steigt? Der Staat ist von dieser «Geldmaschine» abhängig.
Und «Abhängigkeit» ist hier keineswegs bloss bildlich gemeint, sondern Realität. Staatliche Ausgaben sind ihrem Wesen nach strukturell. Wurde das Ausgabenniveau einmal angehoben, kehrt es nur schwer – sehr schwer – auf den ursprünglichen Stand zurück. Eben diese Abhängigkeit.
Elektroautos und Steueranreize: nur eine Frage der Zeit
Von hier aus führen nur zwei mögliche Wege weiter: Entweder werden Elektroautos besteuert, oder die direkten beziehungsweise indirekten Abgaben auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor steigen noch weiter. Für die zweite Variante gibt es allerdings keinen Spielraum mehr.
Bei Kraftstoffen befinden sich die Belastungen beispielsweise bereits auf Rekordniveau. Das gilt auch für die direkten Abgaben beim Verkauf: Im Durchschnitt kostet ein Auto in Spanien sechs- bis siebentausend Euro weniger als in Portugal.
Auch die «Leier» von den negativen externen Effekten, die immer wieder zur Rechtfertigung der Besteuerung von Verbrennern und Kraftstoffen herangezogen wird, stösst an Grenzen. Einer Studie der Francisco-Manuel-dos-Santos-Stiftung zufolge gehört Portugal sowohl bei den Treibhausgasemissionen pro Kopf zu den Ländern mit den niedrigsten Werten als auch bei der Produktion erneuerbarer Energie zu den führenden Staaten.
Damit bleibt letztlich das Ende der Steueranreize für Elektroautos. Wie genau dieses aussehen wird? Das lässt sich lediglich erraten. Ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, denn bei Steuern ist die Fantasie unserer Regierungen kaum vorhersehbar.
Welche Folgen hätte das für den Automarkt? Hinweise liefern die jüngsten Beispiele. In Deutschland führte das Auslaufen der Kaufanreize für Elektroautos 2024 zu einem starken Rückgang der Verkäufe. In China, wo die Förderungen ebenfalls zurückgefahren werden, sanken die Verkaufszahlen laut der China Passenger Car Association (CPCA) in diesem Jahr um rund 14 % und unterbrachen damit eine Phase kontinuierlichen Wachstums.
In Portugal könnte der Effekt noch stärker ausfallen, weil Unternehmen den wichtigsten Antrieb für Neuwagenverkäufe darstellen. Jede Änderung der Besteuerung hätte daher nahezu sofortige Konsequenzen.






Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen