Innenraum der Mercedes-Benz S-Klasse (W223): digital und aufgeräumt
Über die zahlreichen Details des besonders luxuriösen Innenraums der neuen S-Klasse (W223) ließe sich ein ganzes Buch verfassen. Hier beschränken wir uns auf einige der wichtigsten Neuerungen.
Das Kombiinstrument kann unterschiedlichste Informationen darstellen; besonders auffällig ist der neue 3D-Effekt hinter dem Lenkradkranz eines der neuen Dreispeichen-Lenkräder. Gleichzeitig wurden Armaturenbrett und Mittelkonsole deutlich „bereinigt“: Mercedes-Benz zufolge gibt es gegenüber dem Vorgängermodell 27 Bedienelemente und Tasten weniger, obwohl sich die Zahl der steuerbaren Funktionen erhöht hat.
Neu ist auch die Leiste unter dem zentralen Touchscreen. Sie ermöglicht den unmittelbaren Zugriff auf die wichtigsten Funktionen, darunter Fahrmodus, Warnblinkanlage, Kameras sowie die Lautstärkeregelung des Radios. Einen Fingerabdruckscanner gab es bereits in der vorletzten Generation des Audi A8, einem direkten Rivalen der neuen S-Klasse. Künftig könnte er jedoch nicht nur der sicheren Nutzererkennung dienen, sondern auch zum Bezahlen von online während der Fahrt erworbenen Waren und Dienstleistungen verwendet werden.
Für die Sitze stehen zehn unterschiedliche Massageprogramme bereit. Sie arbeiten mit Vibrationsservomotoren und können die entspannende Wirkung mittels Wärmebehandlung nach dem Hot-Stone-Prinzip verstärken. Dabei wird die Sitzheizung mit Luftkammern kombiniert, die nun näher an der Sitzoberfläche angeordnet sind. Das macht den Effekt deutlicher spürbar und erleichtert zugleich die Steuerung.
Jede Geste zählt
Beim MBUX-Betriebssystem der zweiten Generation sind nun mehr Fahrzeugkomponenten miteinander vernetzt. Zusammen mit den im Dach montierten Kameras kann das System die Bewegungen der Insassen erkennen und bestimmte Funktionen automatisch auslösen. Blickt der Fahrer beispielsweise über die Schulter zur Heckscheibe, fährt die Sonnenblende selbsttätig aus. Beginnt er, nach einem Gegenstand auf dem Beifahrersitz zu suchen, wird automatisch das Licht eingeschaltet. Und sobald er einen der Außenspiegel ansieht, stellt sich dieser direkt ein.
Video: Gestensteuerung der Mercedes-Benz S-Klasse (W223)
Hinzu kommen Gestensteuerungen für verschiedene Funktionen, etwa für die Audiowiedergabe oder das Öffnen des Schiebedachs. Auch die Sprachsteuerung wurde verbessert: Einige Anweisungen werden nun verstanden, ohne dass der Auslösebefehl „Hey Mercedes“ jedes Mal wiederholt werden muss – erfreulich ...
Die neue Generation des Betriebssystems kann bis zu fünf Bildschirme umfassen, drei davon im Fond. Der vordere zentrale Bildschirm ist mit 11,9” oder 12,8” erhältlich, wobei die größere Ausführung eine höhere Auflösung bietet. Die Bedienung erfolgt haptisch: Bei bestimmten Eingaben reagiert das Display mit einer Vibration.
Hinter dem Lenkrad befindet sich ein weiteres digitales Instrumentendisplay. Viele Informationen lassen sich jedoch auch „auf der Straße“ anzeigen: 10 m vor dem Fahrzeug und direkt im Sichtfeld des Fahrers wird eine großflächige Projektion dargestellt. Sie erstreckt sich über eine Windschutzscheiben-Diagonale von 77”, besteht aus zwei Bereichen und gehört bei fast allen Versionen nicht zur Serienausstattung.
MBUX ist nun ebenfalls für die zweite Sitzreihe verfügbar, denn gerade dort nehmen in vielen Fällen die „wichtigsten“ Passagiere Platz – vor allem in China und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das kann der CEO eines Unternehmens sein, ein millionenschwerer Golfer oder ein Filmstar.
Wie im aktuellen BMW 7er gibt es jetzt einen zentralen Bildschirm in der hinteren Mittelarmlehne, über den verschiedene Funktionen bedient werden können und der herausnehmbar ist. Die Schalter für Fenster, Sonnenrollos und Sitzeinstellungen befinden sich weiterhin in den Türverkleidungen. Zusätzlich gibt es zwei neue Touchscreens an den Rückseiten der Vordersitze. Sie können zum Ansehen von Musikvideos und Filmen, zum Surfen im Internet sowie zur Steuerung zahlreicher Fahrzeugfunktionen wie Klimatisierung und Beleuchtung genutzt werden.
Schutzinstinkt der S-Klasse
Zu den drei besonders interessanten Innovationen der neuen S-Klasse zählen die E-Active Body Control, der Fond-Airbag und die Hinterachslenkung. Droht eine seitliche Kollision mit einem anderen Fahrzeug, kann die Karosserie der S-Klasse um 8 cm angehoben werden, sobald sie einen bevorstehenden Seitenaufprall erkennt – und das innerhalb weniger Zehntelsekunden. Diese neue Funktion des Systems Pre-Safe Impulse Side soll die Belastungen für die Insassen verringern, indem die Aufprallkräfte zu den widerstandsfähigeren Strukturbauteilen im unteren Bereich des Fahrzeugs geleitet werden.
Bei einem schweren Frontalaufprall kann der Fond-Airbag, der für die neue S-Klasse Lang optional erhältlich ist, die auf Kopf und Nacken wirkenden Belastungen der angeschnallten Personen auf den äußeren Rücksitzen reduzieren. Dank seiner innovativen Konstruktion aus einer schlauchförmigen Struktur wird der Frontairbag im Fond besonders sanft ausgelöst.
Die optionale Hinterachslenkung macht die S-Klasse in der Stadt schließlich ebenso wendig wie ein Kompaktmodell. Die Hinterräder können bis zu 10° einschlagen. Dadurch verringert sich der Wendekreis selbst bei der S-Klasse Lang mit Allradantrieb um 1,9 m auf weniger als 11 m – entsprechend einem Auto in der Größe eines Renault Mégane.






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