Zum Inhalt springen
Nachrichten

ENGWE E26 3.0 Pro im Test: der günstige eSUV

Person mit schwarzen Schuhen und Shorts fährt ein graues E-Bike auf einem sonnigen Weg in der Stadt.
In diesem Artikel
  1. Ein Fahrrad mit ordentlich Gewicht
  2. Unkomplizierte Montage
  3. Leistungsstarker und effizienter Mittelmotor
  4. Die Vollfederung überzeugt
  5. Ordentliche reale Reichweite, aber keine Ausnahmeerscheinung
  6. GPS, 4G und ein etwas zu leiser Alarm
  7. Meine Einschätzung zum ENGWE E26 3.0 Pro
  8. ENGWE E26 3.0 Pro
  9. Das gefällt uns
  10. Das gefällt uns weniger

Seit einigen Jahren will offenbar jeder einen SUV. Das haben die Autohersteller längst verstanden – und nun ziehen die Produzenten von E-Bikes nach. ENGWE, der chinesische Hersteller, der sich mit besonders niedrigen Preisen einen Namen gemacht hat, bringt mit dem E26 3.0 Pro sein Spitzenmodell für 2026: ein Fahrrad, das die Marke als „eSUV“ positioniert. Gemeint sind der Komfort eines Trekkingrads, die Souveränität eines Geländerads und dazu ein Schuss vernetzter Technik.

Zur Ausstattung zählen ein Mittelmotor mit 100 Nm, eine Vollfederung, ein 720-Wh-Akku und ein Einführungspreis von 1.899 Euro. Vergleichbare Modelle, etwa von Haibike, liegen problemlos jenseits der 3.000-Euro-Marke.

Auf dem Datenblatt klingt das ausgesprochen attraktiv. Doch ein eSUV bringt auch einiges an Gewicht mit – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Hält dieses Rad seine Versprechen, sobald es auf Asphalt unterwegs ist? Um das herauszufinden, habe ich es einen Monat lang getestet.

Ein Fahrrad mit ordentlich Gewicht

Eines vorweg: Dieses Fahrrad packt man besser nicht allein aus, sofern einem die eigenen Wirbel lieb sind. Das E26 3.0 Pro ist schwer, sehr schwer – allein aus dem Karton zu heben, ist praktisch eine Aufgabe für zwei Personen. Steht es erst einmal vor einem, macht es jedoch einen wirklich imposanten Eindruck. Die Schweissnähte bleiben unsichtbar, die Formen sind angenehm abgerundet und die allgemeine Verarbeitung wirkt hochwertig. Von einer billigen Anmutung, die man bei diesem Preis vielleicht erwarten könnte, ist es weit entfernt.

Der Aluminiumrahmen mit Vollfederung hat einen eigenständigen Charakter, ohne übertrieben auffällig zu sein. Besonders gelungen ist die Einbindung des Akkus ins Unterrohr. Kurz gesagt: Das E26 3.0 Pro ist ein robustes Fahrrad.

Diese Solidität hat allerdings ihren Preis in Form des Gewichts: 30,2 kg ohne Akku und 34 kg mit Akku. Eine ebenerdige Garage ist daher klar von Vorteil, denn das schwere Rad ohne Lift durch ein Mehrparteienhaus zu tragen, wird rasch zur Tortur.

Unkomplizierte Montage

Ist die Herausforderung mit dem Karton erst bewältigt, gestaltet sich der Zusammenbau erfreulich einfach. Dem Fahrrad liegt eine Werkzeugtasche mit allem bei, was für die Endmontage gebraucht wird. Vorderrad montieren, Lenker ausrichten, Pedale anschrauben, Schutzbleche befestigen und Sattel final einstellen: Das ist weder Hexerei noch für Menschen ohne Schrauberfahrung unlösbar.

Wer der Anleitung folgt – oder noch besser die Videos auf dem YouTube-Kanal des Herstellers nutzt –, kommt ohne Schwierigkeiten ans Ziel. Diese Videoanleitungen verdienen ein Lob: Sie sind gut gemacht und deutlich verständlicher als das gedruckte Handbuch. Allein habe ich für den gesamten Aufbau vierzig Minuten benötigt.

Sobald das Fahrrad ausgepackt ist, sollte der Akku ans Ladegerät. Er benötigt recht lange, bis er voll ist, daher lohnt es sich, keine Zeit zu verlieren. Mit dem 4-A-Schnellladegerät dauert eine vollständige Ladung rund vier Stunden, was noch angemessen ist. Das Ladegerät ist allerdings recht gross – ebenso wie der Akku – und verschwindet nicht unbemerkt in einem Rucksack oder einer Fahrradtasche.

Leistungsstarker und effizienter Mittelmotor

Beim E26 3.0 Pro verzichtet ENGWE auf den üblichen Heckmotor und setzt stattdessen auf einen Mivice-X700-Mittelmotor mit 250 W. Dieser liefert bis zu 100 Nm Drehmoment sowie 450 % Unterstützung. Während meiner Fahrten war ich überwiegend in den Unterstützungsstufen 2 und 3 unterwegs; Stufe 4 oder 5 kam seltener zum Einsatz und war stärkeren Anstiegen vorbehalten.

Ein Mittelmotor ist nicht bloss ein gut klingender Punkt auf dem Datenblatt: Er senkt den Schwerpunkt, verbessert die Traktion und sorgt für eine ausgewogenere Gewichtsverteilung. Bei einem eSUV dieser Kategorie ist diese Entscheidung sinnvoll. Die Unterstützung setzt gleichmässig ein und vermeidet die unangenehmen Ruckler, die bei manchen Einstiegsmodellen auftreten. Geht es bergauf, arbeitet der Motor zudem so regelmässig wie ein Schweizer Uhrwerk – und ich vergesse beinahe, dass ich auf einem 35 kg schweren Fahrrad sitze.

Bei der Schaltung kommt ein Shimano-Schaltwerk mit 8 Gängen zum Einsatz, gebremst wird mit hydraulischen 180-mm-Scheibenbremsen. Die Bremskraft lässt sich angenehm dosieren, zugleich kommt das Rad trotz seines Gewichts rasch zum Stillstand. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, durch unpräzises Bremsen gefährdet zu sein, auch nicht auf einer etwas steileren Abfahrt. Während dieses extrem heissen Juli konnte ich in Paris allerdings keine nasse Strasse finden, um die Bremsen unter solchen Bedingungen zu prüfen.

Die Vollfederung überzeugt

Die Federgabel vorne bietet 80 mm einstellbaren Federweg samt hydraulischem Lockout. Hinten arbeitet ein 30-mm-Luftdämpfer in Verbindung mit einer Viergelenk-Kinematik. Für ein Fahrrad in dieser Preisklasse ist das auf dem Papier eine ernst zu nehmende Ausstattung. Auf der Strasse erfüllt das System seine Zusagen: Die Vollfederung arbeitet wirksam, glättet Unebenheiten und filtert Stösse auf schlechtem Untergrund zuverlässig heraus.

Man merkt, dass der Hersteller nicht einfach einen hinteren Dämpfer montiert hat, um die Ausstattungsliste aufzuwerten. Der Komfort ist tatsächlich vorhanden – und genau das rechtfertigt wohl am stärksten die Bezeichnung eSUV. Das konnte ich bei Fahrten über die Wiesen des Bois de Vincennes, auf dessen festgefahrenen Erdwegen und auf dem teils mässigen Asphalt kleiner Strassen in den Vororten von Paris feststellen.

Ordentliche reale Reichweite, aber keine Ausnahmeerscheinung

Kommen wir zu den Zahlen – und vor allem zur Realität. ENGWE verspricht mit dem 720-Wh-Akku eine Reichweite von bis zu 135 km. Solche Werte entstehen unter „Laborbedingungen“: mit einer leichten Fahrperson, auf ebenem Terrain, bei Rückenwind und moderater elektrischer Unterstützung.

Im Alltag, in dem ich dieses Fahrrad unter Bedingungen nutze, die mit einem Labor nichts gemein haben, fallen die Ergebnisse deutlich weniger schmeichelhaft aus. Ich bin gross und wiege mit kompletter Ausrüstung 110 kg. Mit dieser Statur und überwiegend in den Unterstützungsstufen 2 und 3 kam ich mit einer Akkuladung auf 65 km. Das ist halb so viel wie der Maximalwert, angesichts des bewegten Gewichts und des hügeligen Streckenprofils aber völlig plausibel. Für leichtere Radfahrende, die mit sanfter Unterstützung unterwegs sind, halte ich 100 km für durchaus erreichbar.

Der Akku ist herausnehmbar und lässt sich per Schlüsselschloss aus dem Rahmen entnehmen. Wenn keine Steckdose in Reichweite des Fahrrads vorhanden ist, nimmt man ihn einfach ab und lädt ihn bequem zu Hause. Leicht ist er zwar nicht, aber praktisch – immerhin.

GPS, 4G und ein etwas zu leiser Alarm

Bei der Vernetzung ist alles an Bord: GPS, Bluetooth und vor allem integriertes 4G. Dank der Mobilfunkverbindung kann das Fahrrad aus der Ferne geortet werden, unabhängig von der Bluetooth-Reichweite. Das erste Jahr des 4G-Abonnements ist im Kaufpreis enthalten; danach sind rund vierzig Euro pro Jahr fällig.

In der Praxis funktioniert die Ortung zuverlässig, und die ENGWE-App bündelt Fahrstatistiken, Fahrradüberwachung und Einstellungen ordentlich. Auch die Sicherheitsfunktionen, allen voran der Bewegungsalarm, sind vorhanden und erfüllen ihren Zweck. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch: Der Alarm dürfte etwas lauter sein. Er reagiert zwar auf jede verdächtige Bewegung, doch seine Lautstärke hat zu wenig Nachdruck, um einen eiligen Dieb wirklich abzuschrecken. Ein weiteres relevantes Detail bei Dunkelheit: Vorder- und Rücklicht leisten gute Arbeit, während die reflektierenden Flanken der 26 × 3,0 Zoll grossen Reifen zusätzliche Sichtbarkeit bieten.

Noch ein Wort zum Display: Das 3,5-Zoll-LCD bleibt selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bestens ablesbar, was keineswegs selbstverständlich ist. Es zeigt jederzeit den Status des Fahrrads an und bietet Navigationshilfe, wenn es mit der Begleit-App verbunden ist. Das Ziel wird am Smartphone festgelegt, anschliessend erscheinen die Navigationshinweise auf dem Display.

Meine Einschätzung zum ENGWE E26 3.0 Pro

Das E26 3.0 Pro ist ein stimmiges, gut verarbeitetes und umfangreich ausgestattetes Fahrrad, das der eSUV-Kategorie einen selten günstigen Preis beschert. Der Wechsel zum Mittelmotor, die wirksame Vollfederung, das bei Sonne gut lesbare Display sowie die umfassende GPS-4G-Vernetzung machen es zu einem vielseitigen Begleiter, der sich sowohl in der Stadt als auch auf Wegen wohlfühlt.

Mit einem Einführungspreis von 1.899 Euro gegenüber einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.099 Euro tritt es gegen Referenzmodelle an, die häufig 1.000 Euro mehr kosten – allen voran Premium-Modelle im Stil von Haibike. Sein bestes Argument ist ohne Zweifel das Verhältnis von Ausstattung zu Preis. Für frühe Käuferinnen und Käufer gibt es bis zum 12. August ausserdem einen Bonus von 418 Euro: 200 Euro Sofortrabatt und 218 Euro an kostenlosen Zubehörteilen.

Vor dem Kauf sollte man allerdings zwei Schwächen kennen. Erstens das Gewicht: 34 kg sind eine echte Hürde, sobald das Fahrrad getragen werden muss, und bei einem Alltag mit Stiegen womöglich ein Ausschlusskriterium. Zweitens ist der Alarm etwas zu zurückhaltend, um bei einem Fahrzeug dieses Werts vollständig zu beruhigen. Wer mit diesen beiden Punkten leben kann, sollte das E26 3.0 Pro aber unbedingt auf die engere Liste setzen: Es zählt aktuell zu den am besten positionierten eSUVs.

ENGWE E26 3.0 Pro

2.099 Euro

8.4

Kategorie Bewertung
Design & Ergonomie 8.5/10
Motor & Fahrverhalten 8.5/10
Reichweite 8.0/10
Konnektivität & Sicherheit 8.0/10
Leistungs-Preis-Verhältnis 9.0/10

Das gefällt uns

  • Sorgfältige Verarbeitung
  • Effektive Vollfederung
  • GPS + Bluetooth + 4G
  • Preis

Das gefällt uns weniger

  • Sehr schwer
  • Alarm zu leise
  • Sperriges Ladegerät

Neueste Artikel

Markus Höller

Markus Höller ist gelernter Kfz-Technikermeister aus dem Burgenland und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit moderner Fahrzeugdiagnose, Service und Reparatur. Sein besonderes Interesse gilt der E-Mobilität, der Fahrzeugtechnik im ländlichen Raum sowie praxisnahen Tipps für Autofahrerinnen und Autofahrer im Burgenland.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen